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Artikel vom 26.11.2014

Gaunerzinken: Wenn die Zeichen auf Einbruch stehen

Eine Übersicht mit den gängigsten Gaunerzinken verrät, was die Zeichen im einzelnen bedeuten. Foto: djd
Eine Übersicht mit den gängigsten Gaunerzinken verrät, was die Zeichen im einzelnen bedeuten. Foto: djd

Polizei fordert dazu auf, Gaunerzinken sehr ernst zu nehmen

Das Jahr 2013 war ein Rekordjahr für Einbrecher: An die 150.000 Fälle meldete die Polizeistatistik bundesweit, beinahe vier Prozent mehr als im Vorjahr. Einbrecherbanden benutzen dabei immer öfter uralte Geheimcodes - sogenannte Gaunerzinken - um potenziell lohnenswerte Tatorte zu markieren und andere Kriminelle darauf aufmerksam zu machen.

Ein X bedeutet, dass hier etwas zu holen ist

Besonders gefährlich wird es, wenn man beispielsweise ein X am Türrahmen, am Gartenzaun oder neben dem Briefkasten entdeckt: Das Zeichen weist auf ein "gutes" Objekt hin, bei dem man "fette Beute" machen kann. Die Zeichen an den Wohnungstüren sind nur wenige Millimeter groß, wer nicht genau darauf achtet, bemerkt nicht einmal, dass ein kleines X an seiner Eingangstür prangt. So weist etwa eine Zickzacklinie auf einen bissigen Hund hin, eine Wellenlinie auf arme Leute, ein X dagegen verspricht das Gegenteil, ein Kreuz rät zur "Frömmelei", um auf diese Weise Eintritt in eine Wohnung oder ein Haus zu bekommen.

Gaunerzinken sind seit Jahrhunderten eine Art Zeichensprache für Einbrecher, Bettler, Hausierer und dubiose Geschäftemacher oder Verkäufer aller Art. Sie signalisieren, wie alt die Bewohner sind, ob sie alleinstehend sind, ob hier ein Hund wacht oder ob man gleich verjagt wird und die Bewohner sofort zum Telefon greifen, um die Polizei zu alarmieren. Auch ob das Gebäude durch eine Alarmanlage gesichert ist, ist für die Einbrecher von Bedeutung. Oft verlieren Sie nämlich bereits dadurch das Interesse an einem Haus.

Oftmals muss man genau hinschauen, um die Gaunerzinken am Türgriff zu entdecken. Foto: djd/proNACHBAR/K.Brunnbauer
Oftmals muss man genau hinschauen, um die Gaunerzinken am Türgriff zu entdecken. Foto: djd/proNACHBAR/K.Brunnbauer

Lebensgewohnheiten werden ausspioniert

Die Einbrecherbanden spionieren die Häuser und Lebensgewohnheiten der Bewohner aus - etwa wann diese zur Arbeit gehen oder Kinder zur Schule bringen. Solche Informationen über ihr Zielobjekt werden dann in Form von Zeichen, den Gaunerzinken, weitergegeben. Die Codes geben beispielsweise auch über günstige Einbruchzeiten - wie etwa Sonntag oder tagsüber - unauffällig Auskunft.

Heute rät die Polizei dazu, die Zinken zu fotografieren, der Polizei zu melden und danach die Zeichen wieder zu entfernen. Auf keinen Fall solle man jemandem die Tür öffnen, den man nicht kenne. Immer wieder gelinge es Betrügern, durch Tricks in die Wohnungen zu gelangen und dort in einem Moment der Unaufmerksamkeit Beute zu machen.

Tipps, wie man sich vor Einbrüchen schützt

Die Zahl der Einbrüche ist in den letzten Jahren generell sprunghaft gestiegen, am Werk sind nicht nur Gauner, die Geheimzeichen benutzen. Generell sollte man sich also mit geeigneten Maßnahmen vor Dieben schützen. Eine effektive mechanische Haussicherheit ist die Grundlage eines zuverlässigen Einbruchschutzes. Sie gewährleistet, dass es den Gaunern möglichst schwer gemacht wird, rasch in ein Haus zu kommen.

Grundlegende Regel: Lassen Sie weder Fenster noch Türen in Abwesenheit geöffnet, sie dürfen auch nicht gekippt sein. Zusätzlich kann man den schweren Jungs das Spiel verderben, wenn man verschließbare Fenster und Terrassentüren hat, Fenster mit Sicherheitsglas besitzt, sich im Erdgeschoss beim Einbau für Fensterrahmen mit hochwertigen Verschlüssen der Widerstandsklasse 2 entscheidet (moderne Pilzkopfverriegelungen für zusätzliche etwa 50 Euro pro Rahmen verhindern oder verzögern das Aufhebeln von Fenstern) oder zusätzlich geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Produkte wie etwa bessere Schlösser, stabile Rollläden, Gitter im Kellerbereich oder Bewegungsmelder einbauen lässt.

Zusätzlich kann eine Alarmanlage oder smarte Haussteuerung helfen, indem sie beispielsweise das Licht zufällig ein- und ausschaltet. So werden Personenbewegungen im Haus simuliert und Einbrecher abgeschreckt.

Gaunerzinken wurden bereits im 16. Jahrhundert von Verbrechern, Bettlern und Hausierern als Verständigungsmittel genutzt. Heute sind sie unter Ganoven wieder in Mode gekommen. Foto: djd
Gaunerzinken wurden bereits im 16. Jahrhundert von Verbrechern, Bettlern und Hausierern als Verständigungsmittel genutzt. Heute sind sie unter Ganoven wieder in Mode gekommen. Foto: djd

Von der Polizei empfohlene Produkte

Von der Polizei empfohlene Produkte gibt es beispielsweise unter goo.gl/qf3Hie. Besonders gefährdet sind im Übrigen Fenster und Terrassentüren, die von der Straßenseite abgewandt sind. Doch auch bei ihnen gilt: Machen sie wenigstens drei Minuten Schwierigkeiten, geben auch geübte Einbrecher in aller Regel auf und suchen sich einfachere Objekte. So gab es beispielsweise 2013 laut Polizeistatistik 60.000 erfasste Einbruchsversuche, bei denen die Täter aufgaben, weil sie nicht schnell genug - und damit unbemerkt - vordringen konnten, die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen.

Rein mechanische Systeme setzen dem Angreifer Widerstand gegen Hebelversuche an Fenstern und Türen entgegen. Zusätzlich kann man sich heute beispielsweise mit mechatronischen Meldern schützen, die in Verbindung mit einer Funkalarmanlage mechanischen Schutz und elektronische Alarmierung kombinieren. Die Installation erfolgt am Besten durch einen Profi.

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