Renovieren
Artikel vom 07.07.2015

Dämmstoffe im Vergleich: Ratgeber für Bauherren und Modernisierer

Worauf es bei der Dachdämmung ankommt, sagt ein Ratgeber, der kostenlos heruntergeladen werden kann. Foto: djd/Paul Bauder
Worauf es bei der Dachdämmung ankommt, sagt ein Ratgeber, der kostenlos heruntergeladen werden kann. Foto: djd/Paul Bauder
Hochleistungsdämmungen mit schlankem Aufbau beeinflussen die Dachform eines Hauses nur unwesentlich. Foto: djd/Paul Bauder
Hochleistungsdämmungen mit schlankem Aufbau beeinflussen die Dachform eines Hauses nur unwesentlich. Foto: djd/Paul Bauder

Primärenergiebedarf, U-Wert, KfW-Effizienzhausklasse: Wer in seinem Eigenheim Energie sparen und das Dach dämmen möchte, der findet sich im Handumdrehen in einem Dschungel von Fachchinesisch wieder. Dabei wünschen Hauseigentümer für sich und ihre Familie doch eigentlich nichts weiter als ein angenehmes und gesundes Leben in den eigenen vier Wänden zu langfristig bezahlbaren Kosten. Viele neigen im ersten Impuls aus Umwelt- und Gesundheitsgründen zu sogenannten natürlichen Materialien, die sich aber bei genauem Hinsehen nicht immer als ökologisch und gesundheitlich unbedenklich erweisen. Wie machen sich verschiedene Dämmstoffe im Vergleich?

Beim Vergleich von Dämmstoffen lohnt es sich, genauer hinzusehen

Zum Dämmspezialisten muss man nicht gleich werden, wenn man eine energetische Sanierung plant. Ganz umhin kommt man indes nicht, bei der Auswahl von Materialien und Dämmsystemen etwas genauer hinzusehen und Vergleiche anzustellen. Bei der Schadstoffbelastung ebenso wie bei der Dämmleistung gibt es große Unterschiede. So kann man zum Beispiel nicht ohne weiteres davon ausgehen, dass Dämmungen aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen per se gesünder und umweltfreundlicher sind als Kunststoffe. Und auch bei synthetischen Materialien gibt es deutliche Unterschiede, wie der Vergleich von Dämmstoffen zeigt.

Natürliche Dämmstoffe: Schutzbedürftig gegen Schimmel

Natürliche Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen sind verrottbar. Was grundsätzlich begrüßenswert ist, bringt aber auch Nachteile mit sich. Denn in organischen Materialien fühlen sich auch Mikroorganismen oder Kleinlebewesen wohl. Spätestens wenn Feuchtigkeit auftritt, was im Laufe der Nutzung sicher passiert, kann sich Schimmel festsetzen und das Dämmmaterial zerstören. Daher müssen Zusatzstoffe gegen Schimmel und Insekten oder als Brandschutz zugesetzt werden, die eventuell ausgasen können und nicht immer gesundheitsverträglich sind. In manchen Fällen liegen auch bereits Schimmelbelastungen vor. Selbst wenn der Schimmel nicht mehr aktiv ist, können die bei der Anlieferung des Dämmstoffs bereits vorhandenen Schimmelsporen empfindliche Menschen mit Schimmelallergie beeinträchtigen. Bei Faserdämmstoffen werden zum Teil formaldehydhaltige Kleber zur Stabilisierung eingesetzt. Polyurethan-Dämmungen kommen ohne Schimmel- und Insektenschutzmittel sowie ohne Kleberzusätze aus. Sie verursachen daher keinerlei Luftbelastungen durch Biozide, Weichmacher oder Formaldehyd. Schimmel findet in dem Hartschaum ebenso wenig eine Nahrungsgrundlage wie andere Mikroben oder Kerbtiere.

Polyurethan: Nachhaltig bereits beim Energieeinsatz

Dämmplatten aus Polyurethan-Hartschaum besitzen die Umwelt-Produktdeklaration (EPD) des Institut Bauen und Umwelt e.V. nach der DIN EN 15978 zur "Nachhaltigkeit von Bauwerken - Bewertung der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden". Tatsächlich zeigt ein direkter Vergleich, dass Polyurethan-Hartschaum nicht nur bei der Einsparung von Energie während seiner Nutzung, sondern auch beim Energie- und Ressourceneinsatz von der Herstellung bis zum Recycling gut abschneidet. Laut Umweltproduktdeklaration liegt beispielsweise der Primärenergiebedarf für einen Kubikmeter Holzfaser-Dämmung bei 1.695 Megajoule, das entspricht 39,7 Litern Heizöl. Bei Mineralwolle beläuft er sich auf 712 Megajoule oder 16,7 Liter Heizöl. Lediglich 363 Megajoule oder 8,5 Liter Heizöl müssen für die gleiche Raummenge des Dämmstoffs BauderPIR aufgewendet werden. Das ist nicht einmal ein Viertel der eingesetzten Primärenergie-Menge, die für Holzfaser anfällt. Berücksichtigt man jetzt noch, dass Polyurethan-Dämmplatten mit ihrem geringen Gewicht statisch unproblematisch aufs Dach gepackt werden können, dann fällt die Gesamtbilanz noch günstiger aus.

Eine Aufsparrendämmung des Dachs schenkt Gestaltungsfreiheit - zum Beispiel mit sichtbar in den Raum integrierten Sparren. Foto: djd/Paul Bauder
Eine Aufsparrendämmung des Dachs schenkt Gestaltungsfreiheit - zum Beispiel mit sichtbar in den Raum integrierten Sparren. Foto: djd/Paul Bauder

Atmende Dächer: Das Ende einer Legende

Schon seit langem geistert die Geschichte vom "atmenden Dach" durch die Welt. Tatsache ist, dass ein regelmäßiger Luftaustausch wichtig ist, um Feuchtigkeit aus dem Haus abzuleiten und ein gesundes und angenehmes Raumklima zu erzielen. Tatsache ist aber auch, dass ein für die Luftqualität erforderlicher Luftaustausch niemals durch gedämmte Bauteile wie das Dach oder die Wände stattfinden kann. Über sogenannte diffusionsoffene Bauteile, also solche, die Luftfeuchtigkeit eindringen lassen, kann maximal fünf Prozent der Raumluftfeuchte abgegeben werden, die beim Kochen, Duschen, Waschen und der natürlichen Transpiration in einem Haus anfällt. Je nach Material bedeutet das, dass bis zu 95 Prozent der abzuführenden Feuchtigkeit im Dämmstoff zurückbleiben können. Bei nicht ausreichender Belüftung kann es dann zu Feuchteschäden und zur Bildung von Schimmel kommen. Es muss also in jedem Haus mit einem zeitgemäßen Dämmstandard und Luftdichtheit ausreichend gelüftet werden - über regelmäßiges Öffnen der Fenster oder über technische Lüftungseinrichtungen. Nicht diffusionsoffen und somit dampfdichte Dämmsysteme nehmen zwar keine Feuchtigkeit aus der Luft auf, sie sind genau deshalb aber auch sicher davor geschützt, dass sich zu viel Feuchte in der Dämmung ansammelt und dass es so zu Schimmelschäden kommt.

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