Fahrrad
Artikel vom 03.03.2016

Fahrradfahren lernen: Das ist doch ein Kinderspiel

Vater übt mit Sohn das Fahrradfahren ohne Stützräder.
Foto: djd/thx

Die einen sind echte Frühstarter und fühlen sich sofort pudelwohl auf dem Fahrradsattel, andere tun sich schwerer und brauchen gerade zu Beginn Sicherheit und Anleitung: Fahrradfahren lernen ist eine höchst individuelle Sache. Früher oder später beherrscht aber jedes Kind den Umgang mit dem Fahrrad - etwas Geduld und eine gute Schule durch die Eltern vorausgesetzt.

1. Tipp: Den richtigen Zeitpunkt finden

Wer einmal Fahrradfahren gelernt hat, vergisst es nie mehr - da ist schon etwas dran. Doch wann spätestens sollten Kind an das Radfahren herangeführt werden? Experten sind sich einig: Die pauschal richtige Antwort gibt es nicht. Jedes Kind weist sein ganz eigenes Entwicklungstempo auf - ein Faktor, auf den Eltern Rücksicht nehmen sollten. Gerade das Einschätzen von Geschwindigkeiten, Entfernungen und auch die Kontrolle des Gleichgewichts fällt vielen Vorschulkindern noch schwer. Ein wichtiger Tipp: Überfordern Sie Ihr Kind in keinem Fall, sondern versuchen Sie behutsam, es mit Übungen an das Fahrrad und das ungewohnte Gleichgewichtsgefühl heranzuführen.

Vater übt mit Tochter das Fahrradfahren.
Foto: djd/thx

2. Tipp: Üben, üben, üben

Mit der Zeit wird die Neugier wachsen und das Kind möchte von sich aus das Fahrradfahren lernen - das ist dann auch der optimale Zeitpunkt. Wichtig dabei: Vermitteln Sie Ihrem Kind Halt und Sicherheit - ein schmerzhafter Sturz schon bei den ersten Fahrübungen kann den Lernerfolg deutlich hinauszögern. Abhängig vom Entwicklungsstand sind spätestens in den ersten zwei bis drei Grundschuljahren die allermeisten Kinder so weit, dass sie das Fahrradfahren erlernen können. Dabei heißt es natürlich üben, üben, üben.

3. Tipp: Kinder beim Fahrradfahren lernen nicht überfordern

Die ersten Fahrstunden sollten Sie auf einem sicheren, abgesperrten Gelände durchführen - im Zweifelsfall im eigenen Garten, in keinem Fall aber direkt im Straßenverkehr. Suchen Sie stattdessen eine sichere Fläche mit genug Freiraum und respektieren Sie die Fähigkeiten Ihres Kindes. Erzwingen Sie nichts, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter partout nicht Radfahren möchte oder vielleicht einen buchstäblich schlechten Tag erwischt hat. Es ist wichtig, dass Eltern den Nachwuchs immer wieder ermutigen. Erklären Sie das richtige Anfahren, Bremsen und Lenken. Seien Sie ein Vorbild und machen selbst das richtige und sichere Radfahren vor. Und vor allem: Loben Sie bei sichtbaren Lernerfolgen des Kindes!

4. Tipp: Körpergefühl entwickeln und das Gleichgewicht trainieren

Gerade zu Beginn kommt es darauf an, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln und das Gleichgewicht zu trainieren. Dann klappt auch das Radfahren wie geschmiert. Hilfreiche Trainingsmittel dafür können Roller oder ein Laufrad sein. Doch was ist von Stützrädern für das erste Fahrrad zu halten? Viele Experten sprechen sich klar gegen das Hilfsmittel aus. Was sind die Argumente?

  • Das Sicherheitsgefühl ist trügerisch, das Gleichgewicht der Kinder wird dadurch nicht trainiert
  • Wenn die Stützräder abgenommen werden, müssen die Kinder das Fahren auf zwei Rädern sozusagen nochmals neu erlernen
  • Dann kommt es erst recht zu Stürzen und Verletzungen
  • Das Erlernen des richtigen Radfahrens dauert mit Stützrädern erfahrungsgemäß oft länger

Unterm Strich sind Stützräder nicht empfehlenswert.

Vater hilft Sohn auf Fahrrad das Gleichgewicht zu halten.
Foto: djd/thx

5. Tipp: Die richtige Sicherheitsausstattung wählen

Auf Stützräder beim Fahrradfahren lernen sollten Sie also besser verzichten. Nicht verzichten sollten sie hingegen auf die richtige Sicherheitsausstattung für Ihr Kind. Keine Ausfahrt ohne Helm - diese goldene Regel sollten Sie als gutes Vorbild in jedem Fall selbst beherzigen und Ihrem Kind stets vorleben. Dann wird auch der Nachwuchs bereitwilliger den Kopfschutz tragen. Warum der Helm so wichtig ist, versteht sich wohl von selbst. Der Helm sollte gut und fest sitzen, ohne zu drücken. Er sollte der Norm EN 1078 entsprechen und idealerweise das GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit tragen. Und nicht vergessen: Ist es einmal zu einem heftigen Sturz gekommen, dann in jedem Fall den Helm austauschen. Auch kleinste Beschädigungen, die auf den ersten Blick gar nicht erkennbar sind, könnten sonst die Funktionsweise und Sicherheit des Helms beeinträchtigen.

Checkliste:

  • Der individuell ausgewählte und gut sitzende Fahrradhelm
  • Sicherheitsgriffe am Lenker, die vor Verletzungen schützen
  • Ein Kettenschutz, der etwa das Einklemmen der Hose und damit verbundene schmerzhafte Stürze verhindert
  • Eine ausreichende Anzahl an Reflektoren an beiden Rädern
  • Einwandfrei funktionierendes Licht und intakte Bremsen

6. Tipp: Das Fahrrad individuell anpassen und die richtige Sitzhöhe finden

Auch das Fahrrad selbst sollte im wahrsten Sinn des Wortes gut "passen". Idealerweise sollten Lenker und Sattel über einen möglichst großen Bereich verstellbar sein, damit das Fahrrad über längere Zeiträume mit dem Kind mitwächst. Empfehlenswert ist, beim Kauf auf GS- oder TÜV-Zeichen zu achten, Tipps und mehr Informationen dazu erhalten Eltern im Fachhandel. Und auch das richtige Einstellen des Rades ist natürlich wichtig. Der Sattel hat die richtige Höhe, wenn das Kind auch im Sitzen mit den Fußspitzen sicher den Boden erreicht. Die Bremshebel sollten natürlich ebenfalls gut erreichbar sein. Und für kleine Kinder empfiehlt es sich, den Lenker etwas höher als den Sattel einzustellen - so lässt sich eine möglichst aufrechte Sitzposition erzielen. Die richtige Sitzposition auf dem Fahrrad trägt nicht nur zu mehr Sicherheit, sondern auch zum Fahrkomfort bei.

Fazit

Mit einem guten Rad, der richtigen Sicherheitsausstattung und aufmerksamen, geduldigen Lehrern steht dem Radfahren lernen nichts mehr im Weg. Nicht mehr lange und Kinder und Eltern können die erste gemeinsame Ausfahrt am Wochenende unternehmen. Gerade der im Straßenverkehr etwas ruhigere Sonntag bietet sich für "Fahranfänger" im Fahrradsattel besonders an. Hier noch ein paar Übungen, die Eltern immer wieder mit ihrem Kind durchspielen können:

  • Das sichere Auf- und Absteigen trainieren, und zwar von beiden Seiten
  • Das sichere Bremsen üben
  • Auch plötzliches Bremsen trainieren
  • Geschicklichkeit und Gleichgewicht trainieren: Mal langsam fahren, Slalom fahren, im Kreis fahren
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