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Artikel vom 01.11.2014

Typisierung für den Anzug: 4 Anlässe, Dresscode und Checkliste

Herrenausstatter, Anzug
Foto: iStockphoto

„Das geht nicht, das passt nicht!“ Der herzlich gemeinte Tip wird dankend angenommen, wurmt aber dennoch. Im Zeitalter der Gleichberechtigung möchte „Mann“ die Anziehsachen selbst im Griff haben. Einfacher gesagt, als getan, denn beim Dressing für den perfekten Auftritt kommt es nicht nur auf einen Knackpunkt an.

Typisierung für den richtigen Anzug 

Typ 1: Feierlicher Anlass

Zur feierlichen Abendgarderobe zählen Kombinationen aus feinstem Zwirn. Ob der Frack die treffende Wahl ist, hängt von der Inszenierung des Festakts ab. Schnell wirkt die Champions-League der Outfits aufgetakelt. Mit einem dunklen Exemplar aus edlen Stoffen, die einen Hauch von Glanz mitbringen, sind Männer meist auf der sicheren Seite.

Eindeutige Zeichen werden durch die Eleganz des Hemds, exklusive Manschettenknöpfe und die Wahl der Fliege gesetzt. Das Schuhwerk ist adrett, schließt sich der Grundfarbe an und mit ledernen Tanzsohlen bestückt. Hier noch etwas Vokabeltraining: „White Tie“ steht für den schwarzen Frack. Die Redewendung von der „weißen Weste“ wird ernst genommen und auf das Oberhemd und die Fliege übertragen. „Black Tie“ spricht für einen Smoking mit festlichen Accessoires wie einem Kummerbund.

Typ 2: Business-Look

Das Fundament für den Business-Look ist der dunkle Anzug in matter Qualität.Dazu passt ein gediegenes Oberhemd. Weiß ist grundsätzlich nicht verkehrt. Abweichende Tonarten und dezente Musterungen sind schick, erfordern aber Treffsicherheit. Für Styling-Anfänger ist der Rat des Herrenausstatters unverzichtbar.

Dezente Krawatten dürfen nicht fehlen. Mit diesem Schmuckstück nehmen Männer Bezug auf die farblichen Trends der Saison. Die Schuhe ordnen sich der Anzugfarbe unter. Fortgeschrittene orientieren sich bei der flotten Sohle an der Tonart des Gürtels.

Typ 3: Business Casual

Bei legeren Dinners lernen sich Kooperationspartner kennen. Die heiße Flamme lockt zu einer Vernissage. Nun sind modische Statements angesagt. Ein stylischer Freizeitanzug bekennt Farbe auf die elegante Tour. Helle Töne liegen zeitlos gut im Rennen. Auffällige Trendfarben machen etwas her, entlarven den Anzug jedoch schnell als überholtes Modell vergangener Modewellen.

Männer mit einer sportlichen Bauart setzen auf taillierte Hemden. Bei großzügigen Energievorräten auf den Rippen empfiehlt sich eine lässige Umhüllung des Oberkörpers. Ebenso locker gesellt sich eine Krawatte hinzu, Mit diesem Accessoires, einer Kopfbedeckung oder der Sonnenbrille kommt Extravaganz ins Spiel. Der Freiraum bei der Schuhmode erweitert sich auf Slipper oder Sneaker, die dennoch dem Grundton des dominierenden Outfits folgen sollten.

Typ 4: Casual

Nun wird es entspannt: Als Casual werden Anzüge bezeichnet, bei denen Jackett und Hose individuell kombiniert werden. Sowohl die Farben als auch die Stoffe dürfen sich deutlich voneinander unterscheiden. Die Krawatte bleibt im Schrank. Stattdessen wird zum Polo-Shirt, sportlichen Freizeithemd oder fein gewebten Pullover gegriffen. Auch am Fuß darf der Stil rustikaler oder sportlicher ausfallen.

Im ersten Moment scheint dieser Anzugtyp die leichteste Disziplin. Weit gefehlt: Das stattliche Maß an Freiraum legt zugleich viele Stolpersteine in den Weg. Das Potpourri vom Scheitel bis zur Sohle muss einem überzeugenden Konzept folgen. Allzu wilde Stil-Cocktails sind nicht der Bringer.

Herrenausstatter, Anzug
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Checkliste für den prüfenden Blick zum Schluss

Dank der Typisierung wird der richtige Weg bereits eingeschlagen. Nun kommt es auf die Feinheiten an, um peinliche Fauxpas zu vermeiden. Deshalb darf ein abschließender Check-up nicht fehlen:

Die richtige Kragenweite

Hemden in der falschen Größe wirken schludrig oder beengt. Der Sitz an den Schultern und am Hals sowie die Länge der Ärmel müssen stimmen. Unter dem Jackett blitzt die Hemdmanschette rund 1,5 Zentimeter hervor.

Akkurater Schnitt

Aus guten Gründen werden exklusive Anzüge maßgeschneidert. Der perfekte Sitz ist entscheidend. Die Schulterbreite, Taillenweite und Ärmellänge des Jacketts müssen der Figur entsprechen. Gleiches gilt für die Anzughose. Was schlabbert oder kneift, vom Boden abhebt oder übers Parkett schleift, geht nicht.

Einheit oder Harmonie

Bereits ein schlichtes Schwarz gibt es in unzähligen Nuancen. Weichen Material und Farbe bei der Kombination von Jackett und Hose nur leicht ab, ist das gesamte Antlitz fragwürdig. Beim Casual-Styling sollten die Stoffe und Tonarten miteinander harmonieren, das heißt: konsequent trendy, sportlich oder rustikal sowie ein begrenztes Wechselspiel der Farben.

Krawattenkunde

Accessoires sind ein Blickfang. Treffen Schlips und Einstecktuch aufeinander, ist eine stilistische und farbliche Einheit angesagt. Wer das schmückende Beiwerk gleich im Set kauft, hat die Nase vorn. Fürs offizielle muss der Krawattenknoten einwandfrei sein und sitzen. Die langgestreckte Dekoration baumelt nicht unter dem Saum des Sakkos hervor und endet nicht als Wegweiser über dem Bauchansatz.

Bei seriösen Anlässen sind gewagte Muster, Comicfiguren und dergleichen fehl am Platze. Für stylische Auftritte können abgefahrene Designs und Retro-Style etwas her machen. Hierbei kommt es aufs Selbstbild an. Spiegelt sich im Krawattendesign dezent die Leitfarbe der Corporate Identity wider, ist der Chef davon angetan. Für die Sympathie auf den ersten Blick ist dies ein heißer Tipp beim Bewerbungsgespräch und bei Verhandlungen.

Gesellt sich bei einem festlichen Anlass eine Dame an die Seite, greift der Mann von Welt die Optik des Abendkleids mit der Krawattenwahl auf. Schwarze Accessoires zum schwarzen Anzug sind den traurigen Ereignissen vorbehalten.

Geographisches und Kulturelles

Dresscodes variieren schon innerhalb von Deutschland. In der Metropole Berlin sind viele Jungdesigner beheimatet, was sich auf die städtische Herrenmode überträgt. In ländlichen Regionen wirkt zeitgemäße Traditionstreue sympathisch. International driften die Vorstellung noch deutlicher auseinander. Wer auf fremdem Parkett unterwegs ist, streckt vor den offiziellen Terminen die Fühler aus. Die Beobachtung der Passanten im Business-Viertel oder Besucher im Restaurant hilft weiter. Geht es um den geschäftlichen Erfolg oder die persönliche Karriere ist eine landeskundliche Stilberatung jeden Euro wert.

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