Freizeit/Liebe
Artikel vom 14.08.2015

Genießen will gelernt sein: 5 Tipps für bewußten Genuss

Geniessen will gelernt sein
Einfach mal bewusst an einer Praline riechen, ohne sie genauer anzuschauen. Erst danach mit Genuss essen. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau

Bloß keine Zeit verlieren, so lautet die Devise in fast allen Lebensbereichen. Ob bei der Arbeit, beim Einkaufen, in der Mittagspause oder nach Feierabend - stets erntet derjenige besondere Anerkennung, der möglichst viele Sachen nahezu gleichzeitig erledigen kann. Doch Innehalten und bewusstes Genießen bleiben dabei auf der Strecke. Das schadet auf Dauer dem Wohlbefinden.

Tipp 1: Richtig runterfahren will gelernt sein

Digitalisierung, Informationsflut und ständige Erreichbarkeit tragen erheblich zu immer neuen Leistungsanforderungen bei. Der Dauerstress, dem sich viele ausgesetzt sehen, ist alles andere als gesund. Durch die Anspannung werden die Nerven strapaziert. Die andauernde Ausschüttung von Hormonen schwächt das Immunsystem.

Dennoch sind selbst in der Freizeit und im Urlaub immer mehr Menschen permanent online und haben Mühe, richtig abzuschalten. Denn Stress ist nach wie vor "in". Wer nicht durch das Leben hastet, sondern sich Zeit nimmt, Dinge mit Hingabe oder noch schlimmer mit Genuss tut, wird als langsam, träge oder schlimmstenfalls als unproduktiv und faul deklassiert.

Tipp 2: Genuss schafft Wohlbefinden

Bereits während der Reformationszeit hätten sich gesellschaftliche Widerstände gegen das Genießen gezeigt. Man glaubte, wenn man genießt, arbeitet man nicht. Auch heute sei lustvolles Erleben häufig nicht vorgesehen. Es gibt Menschen, denen macht das Genießen regelrecht Angst- Für den Experten ist Genuss jedoch ein wichtiger Bestandteil der Selbstfürsorge und trägt zur seelischen Balance und damit entscheidend zum Wohlbefinden bei.

Fest für die Augen: Ein Waldspaziergang eröffnet gerade im Herbst eine besondere Farbvielfalt. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Fest für die Augen: Ein Waldspaziergang eröffnet gerade im Herbst eine besondere Farbvielfalt. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau

Tipp 3: Mit allen Sinnen genießen lernen

Statt sich also mit immer neuen Beschäftigungen Ablenkung zu verschaffen, sollte das Genießen wieder neu erlernt werden. Er empfiehlt jedem, für sich zu sorgen, sich selbst eine gute Zeit zu verschaffen und die sinnliche Wahrnehmung zu schärfen. Heutzutage sind unsere Sinne zunehmend auf das Sehen und Hören beschränkt. Die anderen Sinne werden kaum mehr gefördert. Dabei sind doch gerade sie unendliche Quellen für Genuss.

Tipp 4: Sich täglich kleine Auszeiten gönnen

Genuss-Momente sind kleine bewusste Auszeiten von Hektik und Stress, die Sie sich täglich gönnen können. Die Augenblicke verschaffen Freiräume, in denen sich Entschleunigung und positive Gefühle einstellen können. Das ist in allen Lebensbereichen möglich - denn das Angebot für sinnliche Wahrnehmung und Genießen in der Umwelt und im Alltag ist fast unbegrenzt groß.

Doch wie lernt man wieder zu genießen? Worauf kommt es dabei an? Wie schärft man seine Sinne und womit fängt man an? Holen Sie sich Anregungen zum Genießen und Tipps zur sinnlichen Wahrnehmung in allen Lebensbereichen.

Augen schließen und tief einatmen: Der Duft einer Rose kann schöne Erinnerungen wecken. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Augen schließen und tief einatmen: Der Duft einer Rose kann schöne Erinnerungen wecken. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau

Tipp 5: Nehmen Sie sich Zeit

Schärfen Sie Ihre fünf Sinne - riechen, tasten, schmecken, sehen, hören Sie:

Duft-Moment

Fangen Sie mit der Nase an und bieten Sie ihr die Möglichkeit, sich in einen Wohlgeruch zu versenken. Riechen Sie einmal intensiv an einer Rose, einer Tasse Tee oder einer Praline. Lassen Sie den Duft auf sich wirken. Ist er stark oder schwach? Wonach riecht es? Und welche Assoziationen oder Erinnerungen werden in Ihnen geweckt?

Die Fingerspitzen haben viel Gefühl und können Formen besonders gut ertasten. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Die Fingerspitzen haben viel Gefühl und können Formen besonders gut ertasten. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Ein gemeinsames Essen mit Freunden kann die Krönung eines köstlichen Geschmackserlebnisses sein. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Ein gemeinsames Essen mit Freunden kann die Krönung eines köstlichen Geschmackserlebnisses sein. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau

Tast-Erfahrungen

Suchen Sie sich ganz bewusst Gegenstände aus, die Sie interessiert berühren möchten. Schließen Sie vielleicht dabei die Augen. Finden Sie heraus, was sich besonders gut anfühlt und welche Erinnerungen oder positiven Gefühle auftauchen. Nehmen Sie die Unterschiede wahr, zwischen Materialien, die sie gern anfassen und solchen, die Sie nicht so gern berühren.

Seh-Fest

Viele Dinge, die wir täglich sehen, nehmen wir gar nicht mehr wahr. Deshalb versuchen Sie, Bekanntes - beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit - ganz bewusst mit den Augen eines Fremden oder eines Kindes zu betrachten. Achten Sie darauf, welche Farben und Formen in Ihnen ein angenehmes Gefühl auslösen. Betrachten Sie Ihre Umwelt fokussiert - beispielsweise durch einen Fotoapparat oder ein Fernglas - und entdecken Sie ganz neue Details.

Geschmacks-Erlebnis

Sinnliches Essen und Trinken beginnt schon mit der bewussten Lebensmittelauswahl. Achten Sie auf Farbe, Konsistenz, Frische, Geruch und Aroma der Lebensmittel. Nicht nur bei einem gemütlichen Abendessen mit Freunden, sondern auch im Alltag ist achtsames Genießen möglich. Essen Sie langsam. Konzentrieren Sie sich ganz auf den Geschmack. Welche Begriffe fallen Ihnen ein, um ihn zu beschreiben? Wie erleben Sie den Geschmack?

Mehr Anregungen zu Ihrer persönlichen "Geschmacks-Werkstatt" finden Sie auch in diesem Video:

Wer Musik über Kopfhörer hört, blendet die Umwelt aus und nimmt die Töne viel intensiver wahr. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau
Wer Musik über Kopfhörer hört, blendet die Umwelt aus und nimmt die Töne viel intensiver wahr. Foto: djd/www.genuss-tut-gut.de/Nils Hasenau

Hör-Genuss

Schaffen Sie sich im Alltag genussvolle Hörmomente. Horchen Sie in die Stille hinein. Es lohnt sich, innezuhalten und hinzuhören. Achten Sie jeden Tag nur fünf Minuten auf die angenehmen Geräusche in Ihrer Umgebung. Machen Sie einen Hör-Spaziergang. Gehen Sie ins Freie, nur um zu hören und verweilen Sie dort, wo es für Sie am angenehmsten klingt.

Ohne Übung und ungeteilte Aufmerksamkeit geht es nicht. Wer sich aber der genussvollen Seite seines Lebens zuwenden möchte, wird bald zahllose Möglichkeiten finden, kleine Genussinseln in seinen Alltag einzubauen. Diese Genüsse streicheln die Seele und sind der Einstieg in ein sinnlicheres Leben.

drucken