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Ein Milchbauer auf dem Weg zu mehr Klimaschutz

Um einschätzen zu können, wo Einsparpotenzial vorhanden ist, entschied sich Gerd Horsink für die Erstellung einer Klimabilanz.
Um einschätzen zu können, wo Einsparpotenzial vorhanden ist und wie gut er im Vergleich zu anderen Betrieben in puncto Nachhaltigkeit dasteht, entschied sich Gerd Horsink für die Erstellung einer Klimabilanz. Foto: djd/LVN/Andreas Dittmer

(djd). Die Corona-Pandemie beherrschte 2020 weltweit die Schlagzeilen und drängte die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit vorübergehend in den Hintergrund. Das ändert nichts daran, dass die Menschen in Deutschland diesen Herausforderungen weiterhin eine große Bedeutung zumessen. Auch die deutsche Milchwirtschaft bemüht sich darum, schonend mit Ressourcen wie Wasser und Energie umzugehen und dabei immer das Tierwohl im Auge zu haben. Hier erfahren Sie, wie ein niedersächsischer Milchbauer mit gutem Beispiel vorangeht und seinen CO2-Fußabdruck nachhaltig reduzieren will.

Warum erstellte Gerd Horsink eine Klimabilanz?

Milchbauer Gerd Horsink bewirtschaftet einen Betrieb mit rund 130 Hektar und 190 Kühen. Im Jahr 2017 wollte er wissen, wie gut er im Vergleich zu anderen Betrieben in puncto Nachhaltigkeit dasteht und wo es weiteres Einsparpotenzial gibt. Zu diesem Zweck erstellte Horsink eine persönliche Klimabilanz. Ergebnis: Er war bereits besser als der Durchschnitt seiner Vergleichsgruppe. Hier wirkte sich vor allem eine eigene Biogasanlage positiv aus.

Wie ging es dann weiter?

Im nächsten Schritt prüfte und verbesserte der Niedersachse die Bereiche, in denen noch Einsparpotenzial vorhanden war. Dank optimierter Abläufe sank der Stromverbrauch, eine neue Photovoltaikanlage versorgt den Hof nun mit grünem Strom. Durch die gasdichte Güllelagerung und spätere bodennahe Ausbringung auf dem Feld werden zudem weniger Emissionen freigesetzt. Ein positiver Nebeneffekt: Das Drehen an kleinen Stellschrauben zog gleichzeitig Kostensenkungen und eine Gewinnsteigerung nach sich.

Milchbauer Gerd Horsink filmt seine Stallbau- und Klimamaßnahmen.
Milchbauer Gerd Horsink filmt seine Stallbau- und Klimamaßnahmen und erklärt auf den Videos, welche Überlegungen und Maßnahmen dabei notwendig sind. Foto: djd/LVN/Andreas Dittmer

Gab es in der Umsetzung der Maßnahmen auch Grenzen?

Ja, nicht alles, was wünschenswert wäre, ist auch realisierbar. Beispiel Eiweißversorgung. Gerd Horsink füttert seinen Kühen unter anderem auch Sojaextraktionsschrot. Dies stammt zwar aus zertifiziertem Anbau, trotzdem würde er es gerne durch Raps vom eigenen Feld ersetzen. Doch dann bekommt später die Biogasanlage Probleme mit den höheren Schwefelgehalten. „Wir liefern Qualitätslebensmittel, das geht nicht ganz ohne Emissionen“, so Horsinks Kommentar. Der Milchbauer sucht aber weiter nach Wegen, Treibhausgase einzusparen: „Wir möchten unseren Teil zum Klimaschutz beitragen und bleiben dran."

Kann man Gerd Horsink bei der Arbeit auf seinem Hof zuschauen?

Ja, das ist virtuell möglich, und zwar in kurzen Videos. Milchbauern zeigen auf dem Kanal die Arbeit auf ihren Höfen und nehmen die Zuschauer mit hinter die Kulissen. Horsink etwa filmte seine Stallbau- und Klimamaßnahmen und erklärt, welche Überlegungen und Maßnahmen notwendig waren.

Wird das Bemühen um Nachhaltigkeit und Umweltschutz honoriert?

Ja, Gerd Horsink und seine Familie zählten beispielsweise zu den Gewinnern des „Milchlandpreises“. Mit dem Preis zeichnet die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e. V. seit 2001 Höfe aus, alle Informationen dazu gibt es hier. Basis für die Beurteilung in diesem Wettbewerb sind die vier Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie, Tierwohl und Soziales. 2020 wurde der Preis bereits zum 20. Mal verliehen.

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