Zahngesundheit
Artikel vom 01.11.2014

Kieferschmerzen: Tipps und Ursachen

Kieferschmerzen können viele Ursachen haben. Foto: © PictureArt - Fotolia.com
Kieferschmerzen können viele Ursachen haben. Foto: © PictureArt - Fotolia.com

Tausende Betroffene kennen diese Qual: Kieferschmerzen, die teils über Wochen und Monate nicht verschwinden wollen und immer wieder beim Sprechen, Kauen oder Trinken auftreten. Der Griff zu einem Schmerzmittel ist oft der erste Ausweg, um kurzzeitig etwas Linderung zu erfahren – doch viel wichtiger ist es, den Ursachen der Kieferschmerzen auf den Grund zu gehen. Welche Ursachen es gibt und was man im Falle von Kieferschmerzen tun sollte, erfahren Sie hier.

1. Ursache für Schmerzen abklären lassen

Die Symptome sind unverkennbar, doch die exakte Diagnose ist oft sehr kompliziert. Denn die Auslöser von Kieferschmerzen können sehr unterschiedlich sein – von bakteriellen und viralen Entzündungen über Zahnfehlstellungen bis hin zum nächtlichen Zähneknirschen. Da sich unser Kiefer zudem in Ober- und Unterkiefer unterteilt, kann der Schmerz gleich an zwei Stellen angreifen. Zahnärzte und Kieferorthopäden können den Schmerz lokalisieren und die Ursachen dafür genau feststellen. Als erste Anlaufstelle bei Kieferschmerzen kann jedoch auch der Hausarzt nützlich sein, der dann zum jeweiligen Spezialisten überweist. Da die Bandbreite an möglichen Ursachen sehr umfangreich und komplex ist, sollte ein Besuch beim Zahnarzt generell jedoch möglichst rasch nach dem ersten Auftreten der Schmerzen angetreten werden.

Mögliche Ursachen für Kieferschmerzen:

  • Fehlstellungen der Zähne, insbesondere von Weisheitszähnen
  • Einseitige Belastung des Kiefers beim Kauen
  • Zähneknirschen, oft ausgelöst durch Nervosität und Stress
  • Entzündungen im Kiefer, hervorgerufen durch Viren oder Bakterien
  • Verspannungen der Kaumuskulatur
  • Verspannungen im Nacken oder Rücken
  • Eine Zyste im Oberkiefer oder Unterkiefer
  • Erkrankungen in entfernten Bereichen wie Ohr und Nasennebenhöhle
  • In seltenen Fällen sogar Herzerkrankungen

Ist die Ursache erst einmal zweifelsfrei ermittelt, lassen sich Kieferschmerzen wirksam bekämpfen.  Je nach Diagnose können dann Antibiotika, Massagen, Wärme, kieferorthopädische Eingriffe oder auch Entspannungstechniken zum Abbau von beruflichem oder privatem Stress die Schmerzen lindern.

2. Die häufigsten Ursachen von Kieferschmerzen

Psychische Kieferschmerzen durch Verspannungen

Wer kennt das nicht, ein anstrengender Tag, ein langwieriges Projekt und Durchhalten ist angesagt. Stress, Ärger, Angst und Wut führen zu Verspannungen im gesamten Körper und dieser reagiert mit bekannten Symptomen wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Oft sind wir in solchen Situationen unbewusst angespannt und es kommt immer wieder dazu, dass wir „die Zähne zusammenbeißen“. Auch diese Form von Druck auf den Kiefer kann dazu führen, dass wir Kieferschmerzen bekommen und Kauen, Gähnen und Sprechen zur Qual werden. Beobachten Sie sich einmal selbst. Machen Sie sich bewusst, wann und wie häufig Sie Ihren Kiefer anspannen oder auf die Zähne beißen. Ein kleiner Trick hilft. Wenn man beispielsweise am Bildschirm arbeitet, hilft eine kleine Gedankenstütze, wie z. B. ein Hinweis-Zettel am Monitor, um sich hin und wieder mal in Erinnerung zu rufen, dass man sich beim Arbeiten nicht zu sehr verspannt. Auch kleine Arbeitspausen oder ein paar Lockerungsübungen helfen uns dabei, kurzzeitig zu entspannen. Zusätzlich sollten wir in unserer Freizeit Dinge tun, die uns einen Ausgleich verschaffen und unserem Körper guttun.

Verspannte Kiefergelenke durch schlechte Haltung

Doch auch, wenn wir „mit dem Kopf durch die Wand“ wollen oder vor dem Computerbildschirm sitzen, treten Kieferschmerzen auf. Wir stehen nicht gerade, vielmehr fällt unser Körper nach vorn. Mit runden Schultern, den Kopf weit nach vorn gestreckt, laufen wir durch die Welt. Vor dem Computerbildschirm sitzend, strecken wir den Kopf weit nach vorn um vermeintlich, besser sehen zu können. Der Unterkiefer wird durch diese Fehlhaltung nach hinten gezogen, Ober- und Unterkiefer liegen nicht mehr aufeinander, die Kiefergelenksmuskeln müssen dagegen arbeiten, um ihn in Position zu halten. Der Preis für diese Fehlhaltung, ob durch Krankheit oder mangelnde Fitness, führt wiederum zu Verspannungen, die Schmerzen hervorrufen.

Kieferschmerzen nach Zahnbehandlung

„Zähne zusammenbeißen“ mag zwar in unserer leistungsorientierten Welt bewundert werden, doch gesund ist es für die Zähne nicht. Sie nehmen Schaden. Aber nicht nur. Auch schlechte Zahnpflege, bestimmte Speisen, eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr und viele andere Faktoren fügen den Zähnen Leid zu und der Gang zum Zahnarzt wird unvermeidlich. Hier kann es nach der Behandlung zu Kieferschmerzen kommen. Sei es, dass Weisheitszähne gezogen werden mussten, die tief im Kiefer verankert waren, sei es, dass der Zahnarzt tief bohren musste, der Zahn nach der Behandlung empfindlich reagiert und die Schmerzen in den Kiefer ausstrahlen. Auch eine zu hohe Füllung kann zu Kieferschmerzen führen, da Ober- und Unterkiefer nicht mehr genau aufeinandertreffen. 

Kieferschmerzen durch Erkrankungen des Knochens

Und dann kann der Knochen selbst natürlich erkranken. Hier ist an erster und häufigster Stelle die Parodontitis zu nennen. Eine Entzündung des Zahnhalsapparates, bei der nicht nur der Zahn vernichtet, sondern auch der Kieferknochen angegriffen wird. Dabei treten sowohl Zahnfleisch- als auch Knochenschwund auf.

Kieferschmerzen durch andere Erkrankungen

Aber auch eine Reihe anderer Erkrankungen können zu Kieferschmerzen führen. So zum Beispiel ein gereizter Trigeminusnerv, dessen Reizung in den Kiefer ausstrahlt. Oder Viren und Bakterien, die sich durch kleinste Verletzungen des Zahnfleisches des Kieferknochens bemächtigen oder durch eine Verletzung oder Erkrankung an einer anderen Körperstelle mit der Blutbahn den Kieferknochen erreicht haben. Selbst organische Erkrankungen, wie beispielsweise eine Entzündung des Herzens, der Leber oder der Nieren, können sich mit Kieferschmerzen bemerkbar machen.

3. Akute Kieferschmerzen – was tun?

Eine Fehlstellung der Kiefergelenke sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden, denn die Kieferprobleme können auch andere Beschwerden nach sich ziehen, zum Beispiel Kreuz- oder Knieschmerzen. Nächtliches Zähneknirschen – eine häufige Ursache für Kieferschmerzen – führt beispielsweise zu einer einseitigen Belastung der Gelenke. Durch die Fehlstellung des Kiefers kann mitunter nämlich die gesamte Wirbelsäule betroffen sein, die sich deswegen S-förmig verkrümmt und dann zu Bandscheibenproblemen oder einem Beckenschiefstand führt.
Bei akuten Beschwerden empfehlen wir Ihnen deshalb dringend, den Zahnarzt Ihres Vertrauens zu konsultieren. Haben Sie keinen Zahnarzt, den Sie regelmäßig besuchen, oder ist Ihr üblicher Zahnarzt nicht erreichbar, finden Sie hier Zahnärzte in Ihrer Nähe. Ihr Zahnarzt beantwortet Ihnen auch individuelle Fragen zur Medikation, insbesondere zur Einnahme von Schmerzmitteln. Ergänzend können Sie sich dazu auch an Apotheker vor Ort wenden. Sollten Sie hingegen mit ihrer jetzigen medizinischen Betreuung nicht zufrieden sein, kann es durchaus sinnvoll sein, die Zweitmeinung eines anderen Mediziners einzuholen.
Kieferschmerzen können oft aus recht unterschiedlichen Gründen auftreten. Daher kann es hilfreich sein, die Meinung von spezialisierten Fachärzten, zum Beispiel eines Kieferorthopäden, einzuholen. Fragen Sie dazu gerne Ihren Zahnarzt oder erkundigen Sie sich nach Fachleuten oder spezialisierten kieferorthopädischen Facharztpraxen in Ihrer Region.

4. Was tun im Notfall?

Sollte Ihr Zahnarzt nicht erreichbar sein – zum Beispiel abends, an Wochenenden oder Feiertagen – steht ein Notdienst zur Verfügung. Leider gibt es dazu keine bundesweit einheitliche Regelung. Wir empfehlen Ihnen daher, sich an das Call Center Ihrer Krankenkasse zu wenden oder bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes nachzufragen. Details dazu finden Sie auf der Homepage der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

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