Zahngesundheit
Artikel vom 08.12.2015

Diagnose Bruxismus: Die 4 wichtigsten Fakten

Meist überrascht der Zahnarzt seinen Patienten regelrecht mit der Diagnose Bruxismus. Oft nehmen Betroffene das vorrangig nächtliche Zähneknirschen nicht wahr. Lediglich in Einzelfällen weisen Lebenspartner ihre Gatten auf störende Nachtgeräusche hin. Was bei Kindern im Vorschulalter zur natürlichen Entwicklung gehört, kann bei Erwachsenen kurz- und langfristig zu schwerwiegenden Beschwerden bis hin zu notwendigem Zahnersatz führen. Ein regelmäßiger Besuch beim Zahnarzt hilft dabei, möglichen Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksamen Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Aufbissschiene als Therapie bei Bruxismus Foto: djd/thx
Aufbissschiene als Therapie bei Bruxismus Foto: djd/thx

1. Mögliche Langzeitfolgen

Jeder Mensch drückt sein Gebiss in Intervallen von circa zehn Minuten regelmäßig zusammen. Das ist normal. Kommt an dieser Stelle jedoch ein stetes Reiben durch kräftigen Druck hinzu, nehmen die Zähne schrittweise Schaden. Häufig tritt Bruxismus bei Frauen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Deutschlandweit sind mindestens 30 % der Bevölkerung betroffen. Im ersten Stadium entfernt dieser Vorgang den natürlichen Zahnschmelz. Es entstehen feine Risse. Betroffene Patienten leiden in diesem Zusammenhang oft unter sehr empfindlichen Zähnen. Zahnfleischbluten tritt zusätzlich auf. Die Zähne lockern sich allmählich. Im späteren Verlauf sind die Kauflächen und Schneidkanten stark abgerieben. Dies kann im Extremfall bis auf die Zahnwurzel sein. Darüber hinaus kommt es vereinzelt zum Zahnbruch. Später entwickeln sich zum Teil Kieferfehlstellungen. Eine erste Vorstufe dessen sind typische Anzeichen einer Überbelastung des Kiefers. Diese ist gekennzeichnet durch Kieferknacken beim Öffnen des Mundes.

Betroffene Personen fühlen sich zudem morgens oft verspannt. Rücken, Nacken und einzelne Bereiche im Gesicht schmerzen. Folglich ist Bruxismus nicht selten die Ursache von Migräne. Im weiteren Verlauf entwickeln Bruxismus Patienten einen Tinnitus oder gar Magengeschwüre. Oft leidet der Lebenspartner unter dem Zähneknirschen, da dies die nächtliche Ruhe stark beeinflusst. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass Betroffene aufgrund gestörter Nachtruhe grundsätzlich anfälliger bei Stress sind.

2. Wirksame Therapiemöglichkeiten auf einen Blick

Der Einsatz einer Schutzschiene zählt zu einer bewährten Methode, um schnell und effizient das Aneinanderreiben der Zähne zu verhindern. Im nächsten Schritt folgt eine individuelle Therapie. Hierbei bekommen Patienten eine ihren Bedürfnissen angepasste Aufbissschiene, welche nachts als auch gelegentlich tagsüber zu tragen ist. Diese verhindert nicht nur das stete Reiben, vielmehr hat der Einsatz einer Aufbissschiene ein klar definiertes therapeutisches Ziel. Sie mindert Schmerzen, indem sie betroffene Kiefergelenke auf sanfte Weise wieder zurück in eine günstige Position bringt. Aufbissschienen fertigen Zahnärzte und Zahntechniker in Kooperation mit Physiotherapeuten oder Orthopäden an.
Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die sogenannte Biofeedback-Methode. Sind die Ursachen für das stete Zähneknirschen beim Patienten bekannt, kann mithilfe einer Sonde die übermäßige Muskelspannung im Kauapparat gemessen werden. In diesem Moment weist ein akustisches Signal den Betroffenen darauf hin, er lernt in entsprechenden Situationen, den Druck selbst bewusst zu reduzieren.

3. Kostenübernahme durch Zahnzusatzversicherungen

Kostenabdeckung für Aufbissschienen durch Zahnzusatzversicherungen Foto: djd/thx
Kostenabdeckung für Aufbissschienen durch Zahnzusatzversicherungen Foto: djd/thx
Aufbissschienen verhindern das Aneinanderreiben der Zähne Foto: djd/thx
Aufbissschienen verhindern das Aneinanderreiben der Zähne Foto: djd/thx

Alle Therapieformen bei Bruxismus verursachen Kosten. Die gesetzliche Krankenkasse deckt dabei beispielsweise den Einsatz einer Ausbissschiene nur teilweise. Andere Therapieformen gehören meist nicht zum Leistungsumfang. Hinzu kommt, dass die entsprechenden Preise sich zum Teil auf vierstellige Summen belaufen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, vor der Behandlung einen ausführlichen Kostenplan erstellen zu lassen. Aus diesem sollten gesetzliche Leistungen klar hervorgehen. Patienten können alle anderen Kosten in vielen Fällen durch eine separate Zahnzusatzversicherung decken. Diese finanzieren funktionelle als auch medikamentöse Bruxismus Therapien bis zu 100 %. In jedem Fall sollten Bruxismus Patienten vor Beginn der Therapie detaillierte Informationen von ihrer Zahnzusatzversicherung einholen.

4. Entspannungsübungen in den Alltag einbauen

Unabhängig von der empfohlenen, medizinischen Therapieform ist es sinnvoll, zusätzliche Entspannungsübungen im Alltag zu integrieren. Studien gehen davon aus, dass der Körper durch nächtliches Zähneknirschen angestaute Spannungen abbaut. Nicht nur Stress am Arbeitsplatz, auch durch einen stressigen Alltag sammeln sich eine Reihe von teils ungelösten Konflikten an. Weder Körper, Geist noch Seele kommen in der Nacht zur Ruhe. Kurze Entspannungsübungen vor dem Schlaf können hierbei Wunder bewirken. Zudem wirkt eine Reduzierung von Alkohol, Kaffee und Tabak mildernd auf die Symptome.

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