Gesund und vital
Artikel vom 01.11.2014

Hilfe gegen Heuschnupfen: Die Immunreaktion natürliche normalisieren

Bei Heuschnupfen und anderen Allergien spielt das Immunsystem verrückt. Es reagiert mit heftigen Abwehrreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe. Foto: djd/Allvent
Bei Heuschnupfen und anderen Allergien spielt das Immunsystem verrückt. Es reagiert mit heftigen Abwehrreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe. Foto: djd/Allvent

Immer mehr Menschen reagieren auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaare mit einer Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems: Dann läuft die Nase, die Augen tränen und jucken, heftige Niesanfälle plagen die Betroffenen. Die gute Nachricht: Hilfe gegen Heuschnupfen ist möglich.

In den vergangenen Jahren haben Allergien zugenommen. Eine mögliche Erklärung ist die Zunahme des Schadstoffgehalts in der Luft. Die Schadstoffe lagern sich zum Beispiel auf den Pollen in immer größeren Mengen ab. Gelangen diese in den Körper, reagiert er auf die Schadstoffe, später jedoch auf die Pollen. Eine weitere Ursache ist die genetische Disposition: Sind beide Elternteile allergisch, bekommen ihre Kinder meist auch eine Allergie. Auch übertriebene Hygiene und eine veränderte Lebensweise können das Immunsystem negativ beeinflussen und Allergien begünstigen. 

Im Normalfall kommt es nach der natürlichen Immunisierung gegen ein bestimmtes Antigen bei einem Zweitkontakt mit dem gleichen Antigen zu einer schnelleren und stärkeren Immunantwort. Bei entsprechend veranlagten Personen können Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von Allergien auftreten. Bei der Hypersensitivität vom Typ I handelt es sich um die B-Zell-vermittelte Reaktion vom Sofort-Typ. Pollen, Hausstaub und Tierhaare rufen dabei eine Reaktion mit IgE-Antikörpern hervor, ebenso eine Histaminausschüttung aus den Mastzellen. 

 

Eine mögliche Erklärung für die Zunahme von Heuschnupfen im Kindesalter ist der reduzierte Kontakt mit Gräsern durch zunehmende Asphaltierung und Verbauung von Grünflächen, so dass keine normale Immunisierung mehr erfolgt. Bei Heuschnupfen im Jugendalter besteht ein Risiko von etwa 20 Prozent, dass im Verlauf neben den Nasen- und Augenschleimhäuten auch die Bronchialschleimhaut betroffen ist und ein allergisches Asthma entsteht. Der Entwicklung eines zusätzlichen Asthmas kann heute häufig durch eine konsequente medikamentöse Therapie und eventuell eine ab dem sechsten Lebensjahr mögliche Hyposensibilisierung vorgebeugt werden.

Eine allergische Reaktion wie Heuschnupfen gehört zur Typ-I-Reaktion und tritt sofort, Sekunden bis Minuten nach dem Allergenkontakt, auf. Als Komplikation kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Der Allergieauslöser, das sogenannte Antigen, kommt mit dem Körper über Haut, Schleimhäute oder Magen-Darm-Trakt in Kontakt. Das Immunsystem erkennt die Substanz als "fremd" und produziert ganz spezielle IgE-Antikörper, die den Allergieauslöser wiedererkennen und mit ihm reagieren können. Die Antikörper setzen sich auf die Mastzellen. Diese enthalten Histamin und andere Mittlersubstanzen und finden sich in großer Zahl in der Haut, den Atemwegen sowie im Magen-Darm-Trakt.

Wenn der Allergieauslöser erneut in den Körper gelangt, bindet er sich an das IgE auf den Mastzellen. Die folgende explosionsartige Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsstoffen löst eine allergische Sofortreaktion mit den typischen Symptomen aus.

Antiallergika gibt es in Form von Tabletten, Augentropfen, Nasensprays oder Inhalationspräparaten. Hauptsächlich werden Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren oder Glukokortikoide (Cortison) eingesetzt.

Antihistaminika können die Sekretion des Histamins beziehungsweise die Wirkung des Histamins an den Histaminrezeptoren verringern. Der Wirkungsmechanismus der Mastzellstabilisatoren ist nicht vollständig aufgeklärt. Sie hemmen die Ausschüttung von Histamin und Leukotrienen aus den Mastzellen mit dem Nachteil der Nebenwirkungen wie zum Beispiel Müdigkeit und Mundtrockenheit. Glukokortikoide gehören zu den verschreibungspflichtigen Steroidhormonen, die eine Entzündungsreaktion auf nahezu allen Ebenen hemmen können, dafür aber schwerwiegende Nebenwirkungen haben.

Konventionelle Therapien stützen sich auf eine lokale und/oder systemische medikamentöse Symptombehandlung. Außerdem besteht die Möglichkeit der Desensibilisierung. Eine ganze Reihe von Patienten wird mit diesen Medikamenten jedoch nicht symptomfrei und findet auch durch eine Desensibilisierung keine ausreichende Hilfe. Etliche fürchten zudem die Nebenwirkungen der Medikamente.

Ältere Antihistaminika weisen als wichtigste Nebenwirkung eine unangenehme Müdigkeit auf. Des Weiteren können sie zum Teil auch Funktionsstörungen wie Diarrhö, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit und Reizhusten bewirken. Um diese Nebenwirkungen zu reduzieren, sollten neuere Präparate eingesetzt werden.

Die Naturmedizin strebt eine Umstimmung des gesamten Organismus an, da verschiedene Allergene symptomverursachend sein und die auslösenden Allergene in bestimmten Zeitabständen immer wieder wechseln können. Dazu bietet sich der Einsatz der klassischen Naturheilverfahren an. Viele dieser Verfahren wie die Hydro-, Thermo-, Ordnungs- und Ernährungstherapie haben eine wissenschaftlich belegte Wirkung auf das Immunsystem. Kneipp’sche Wasseranwendungen eignen sich ebenso wie eine tägliche Nasenspülung, die durch tägliche Inhalationen mit Sole ergänzt werden kann.

Für Behandlungen mit pflanzlichen Wirkstoffen ist die Auswahl an verfügbaren Arzneipflanzen sehr begrenzt. Bewährt hat sich bei Heuschnupfen der Wurzelextrakt aus Astragalus membranaceus. Der mongolische Tragant gehört in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu den Haupttherapiepflanzen, was ihm den Namen "Huang Qi" (Der Gelbe Kaiser = hervorragend/besonders wichtig) einbrachte. Die getrockneten Wurzeln enthalten entzündungshemmende und das Immunsystem beeinflussende Substanzen. In Österreich gehört der Spezialextrakt unter dem Namen Lectranal bereits seit Jahren zu den wichtigsten Heuschnupfenmitteln. In Deutschland wird der Spezialextrakt aus Astragalus membranaceus in Allvent aus der Apotheke als ergänzende bilanzierte Diät zur Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis eingesetzt.

Anders als bei den Antihistaminika, die das Histamin vom entsprechenden Rezeptor verdrängen, setzen die Inhaltsstoffe aus dem Tragantwurzel-Extrakt schon früher an. Dazu liegen Untersuchungen von Prof. Dr. rer. nat. Rudolf Bauer der Universität Graz vor. Das bei Allergikern aus dem Lot geratene Immunsystem kann angeregt werden, anstelle von Immunglobulin E (IgE) vermehrt IgG-Antikörper zu produzieren und so die Histaminausschüttung zu einem großen Teil zu unterbinden. Dies kann die Empfindlichkeit gegenüber Pollen senken und die Spätfolgen einer Histaminausschüttung verhindern.

Die Hausstaub- und Tierhaarallergie gehört auch zu den Allergien vom Sofort-Typ I. Erfahrungen zeigen, dass der Astragalus-Extrakt auch bei Hausstaub- und Tierhaarallergien helfen kann. Im akuten Fall sollten Betroffene gleich zweimal zwei Kapseln täglich einnehmen und nach Abklingen der Symptome auf eine Erhaltungsdosis von einmal einer Kapsel täglich zurückgehen.

Ja, zur Vorbeugung wird zweimal eine Kapsel täglich des Astragalus-Extrakts einige Wochen vor den erwarteten Symptomen empfohlen, da die Umlenkung der Immunantwort einige Zeit benötigt. Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie, publiziert in der Zeitschrift "Phytotherapy Research" (Matkovic Z. et al, 2010), zeigt, dass 89 Prozent der Patienten von dem Astragalus-Spezialextrakt profitierten. Eine signifikante Besserung der akuten Beschwerden trat bereits nach dreiwöchiger Einnahme ein. Dabei ist der Tragantwurzel-Extrakt sehr gut verträglich und zeigt keine Nebenwirkungen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen außerdem, dass der Spezialextrakt bei akuten Beschwerden in der doppelten Dosierung (zweimal zwei Kapseln täglich) bereits nach einigen Tagen wirksam sein kann.

Grundsätzlich ist für Allergiker jede Form von Ausdauersport sinnvoll, weil dadurch die Lungenfunktion dauerhaft verbessert wird. Folgendes sollte beachtet werden: Wichtig ist es, unmittelbar vor dem Sport die Allergiemedikamente einzunehmen und diese zum Training mitzunehmen. Je nach Wohnort sollte man entweder frühmorgens (in der Stadt) oder spätabends (auf dem Land) trainieren, wenn die Pollenbelastung am geringsten ist. An kühlen und regnerischen Tagen sind weniger Pollen in der Luft, ebenso nach einem kräftigen Gewitterguss. Allergiker sollten ihren Ehrgeiz drosseln und nicht an ihrer Leistungsgrenze trainieren, denn sie sind weniger belastbar. Bei großer Anstrengung ist die Pollenbelastung der Lunge zudem höher. Daher möglichst durch die Nase atmen, damit weniger Pollen in die Lunge strömen. Asthmatiker sollten sich vor dem Sport gründlich aufwärmen, weil sich sonst die Bronchien verengen können.

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