Gesund und vital
Artikel vom 01.11.2014

Hilfe bei Alkoholsucht

Knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen konsumieren regelmäßig Alkohol - ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Nach Ansicht von Experten ist es vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, die so viele junge Erwachsene zur
Knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen konsumieren regelmäßig Alkohol - ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Nach Ansicht von Experten ist es vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, die so viele junge Erwachsene zur Flasche greifen lässt. Alkoholsucht ist gefährlich. Foto: djd/Desitin/Corbis

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie gefährlich Alkoholsucht ist.
  • Dass immer mehr junge Erwachsene zuviel Alkohol trinken.
  • Wo es Hilfe bei Alkoholsucht gibt.

Die Alkoholsucht zählt zu den häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrienationen. In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen alkoholabhängig, über neun Millionen betreiben einen riskanten Alkoholkonsum. Darunter versteht man einen riskanten Alkoholgebrauch, der mit Folgeschäden wie Leberzirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen der Nervenleitfähigkeit einhergehen kann. Von einer Alkoholabhängigkeit wird dagegen gesprochen, wenn Alkohol unentbehrlich wird und sich der Alltag der Betroffenen nur noch nach dem Alkoholkonsum ausrichtet.

Knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen trinken regelmäßig


Zu einem immer größeren Problem in der Gesellschaft wird der Alkoholmissbrauch junger Erwachsener. Nach einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZA) tranken sich 2011 rund 13 Prozent der 18- bis 25-Jährigen mindestens viermal im Monat in einen Rausch. Mindestens einmal im Monat betranken sich in dieser Altersgruppe sogar 42 Prozent. Knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen konsumieren regelmäßig Alkohol - ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Nach Ansicht von Experten ist es vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, die so viele junge Erwachsene zur Flasche greifen lässt: Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt und wird nicht als Droge angesehen, bei allen möglichen Anlässen kann man problemlos ein alkoholisches Getränk bekommen.

Spätfolgen bei chronischem Missbrauch


Die meisten derjenigen, die Alkoholmissbrauch betreiben, erkennen nicht, wie massiv sie ihrem Körper mit jedem Schluck Alkohol schaden. Neben der akuten Toxizität des Alkohols treten bei chronischem Missbrauch von Alkohol auch neurologische und psychiatrische Spätfolgen auf. Hat sich ein betroffener junger Erwachsener eingestanden, dass er alkoholabhängig ist und die Sucht als Krankheit akzeptiert, kann die individuelle Therapie festgelegt werden. Eine endgültige Heilung von der Sucht gibt es nicht - das Ziel einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung ist die vollständige, lebenslange Abstinenz bei langfristiger Rückfallfreiheit. Hilfe bei Alkoholsucht funktioniert auf mehreren Ebenen: Die Therapie beginnt mit dem akuten Entzug, der stationär oder ambulant durchgeführt wird. Auch Alkohol in der Schwangerschaft kann immer wieder ein Problem sein.

Hilfe bei Alkoholsucht: Neuartige Behandlung unterstützt Abstinenz

"Schwieriger ist es, die Patienten dabei zu unterstützen, nach dem Entzug abstinent zu bleiben," erklärt Professor Dr. Falk Kiefer, stellvertretender ärztlicher Direktor der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Für diesen Teil der Behandlung stünden sowohl psychotherapeutische und sozialmedizinische Therapiemöglichkeiten als auch medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung.

"Seitens einer medikamentösen Therapie gibt es neuerdings Möglichkeiten, auf das Belohnungssystem einzuwirken. Hier ist insbesondere die Substanz Naltrexon zu nennen." Sie sei, so Professor Kiefer, in Deutschland seit etwa eineinhalb Jahren zur Reduktion des Rückfallrisikos, zur Unterstützung der Abstinenz und Minderung des Verlangens nach Alkohol als Teil einer umfassenden Therapie bei alkoholabhängigen Erwachsenen zugelassen. Das Medikament führe dazu, dass Alkohol und die mit Alkohol verknüpften Reize weniger Wirkung auf das Belohnungssystem im Gehirn haben und sich deswegen subjektiv der Suchtdruck mindere.

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