Gesund und vital
Artikel vom 01.11.2014

Herzinfarkt rechtzeitig erkennen!

Bei einem Herzinfarkt, medizinisch Myokardinfarkt genannt, kommt es zu einer akuten Verstopfung eines der größeren Herzkranzgefäße. Die Folge: Der Herzmuskel dahinter wird nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, und ein Teil der Muskelzellen stirbt irreversibel ab. Dieser Vorgang ist immer lebensbedrohlich - so verstarben 2011 laut Statistischem Bundesamt 52.000 Menschen in Deutschland an einem Herzinfarkt, etwa 300.000 Betroffene insgesamt zählt man hierzulande jedes Jahr. Jeder sollte deshalb die Symptome für einen Herzinfarkt erkennen können. Besonders achtsam sollten Menschen sein, die bereits Risikofaktoren wie eine Herzschwäche oder einen erhöhten Ruhepuls aufweisen.

Bei Symptomen wie starken, ausstrahlenden Brustschmerzen, Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß und Angst sollte man immer an einen Herzinfarkt denken und schnell Hilfe rufen. Foto: djd/pulsgesund.de
Bei Symptomen wie starken, ausstrahlenden Brustschmerzen, Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß und Angst sollte man immer an einen Herzinfarkt denken und schnell Hilfe rufen. Foto: djd/pulsgesund.de

Herzinfarkt erkennen: Schnell handeln kann Leben retten

Wegen der akuten Lebensgefahr ist bei einem Herzinfarkt rasches Erkennen und Handeln notwendig. Denn je schneller das verstopfte Gefäß durch Katheterbehandlung oder Medikamente wieder durchlässig gemacht wird, desto weniger Muskelgewebe stirbt ab. Besteht daher der Verdacht, jemand könne einen Infarkt erlitten haben, muss man umgehend entsprechende Maßnahmen ergreifen: Sofort die 112 wählen und dabei ausdrücklich den Verdacht erwähnen. Einengende Kleidung öffnen oder entfernen und den Oberkörper des Kranken leicht hochlagern. Da die Betroffenen meist große Angst haben, sollte man beruhigend einwirken. Kommt es zu Bewusstlosigkeit und Herzstillstand, muss bis zum Eintreffen des Rettungswagens Herz-Lungen-Wiederbelebung geleistet werden.

Woran man den Herzinfarkt erkennen kann

Woran aber erkennt man einen Herzinfarkt? Das klassische Leitsymptom sind starke, anhaltende Brustschmerzen, die in Schuler, Arm, Unterkiefer und Oberbauch ausstrahlen. Hinzu kommen:

  • Enge- oder Druckgefühl auf der Brust.
  • Atemnot und Schwindel.
  • Kalter Schweiß und Blässe.
  • Große Angst (Vernichtungsangst).
  • Übelkeit und Erbrechen.

Unspezifische Anzeichen bei Frauen

Weil gerade das Leitsymptom Brustschmerzen aber nicht in jedem Fall auftritt, wird es häufig erschwert, den Herzinfarkt zu erkennen. Besonders bei Frauen sind die Anzeichen oft eher unspezifisch, sie klagen über Kurzatmigkeit, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, starke Müdigkeit und Schlafstörungen sowie Schmerzen im Halsbereich. Auch gibt es den sogenannten "stummen Infarkt", der gehäuft bei Senioren und Diabetikern auftritt und zunächst gar nicht bemerkt wird.

Im Zweifel für den Notruf

Im Zweifel sollte man deshalb bei Verdacht auf Herzinfarkt lieber einmal zu oft den Notarzt rufen als einmal zu wenig. Ganz besonders, wenn bereits Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorliegen. Zu diesen gehören zum Beispiel Angina pectoris, Bluthochdruck und chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Dann sollte bei den oben genannten Symptomen immer auch an einen Infarkt gedacht werden.

Pulsfrequenz kontrollieren

Zu den weniger bekannten Risikofaktoren für akute Herz-Kreislauf-Ereignisse gehört außerdem eine zu hohe Pulsfrequenz. Diese ist besonders dann gefährlich, wenn das Herz bereits geschwächt ist, da sie zu einer andauernden Überlastung des Herzens (Pumpmuskels) führt. Bei einem gesunden Menschen schlägt der Puls in Ruhe 60 bis 80mal pro Minute, bei bestehender Herzschwäche sollten es allerdings nur 55- bis 60mal sein. Es ist deshalb laut Empfehlungen der Initiative Pulsgesund ratsam, bei bestehenden Herzproblemen den Ruhepuls regelmäßig zu überwachen.

Den Ruhepuls senken

Einen senkenden Einfluss auf die Pulsfrequenz haben regelmäßige, maßvolle Bewegung, der Abbau von Übergewicht, gesunde und eher salzarme Ernährung sowie das Vermeiden von negativem Stress. Reicht das nicht aus, kann die Pulsfrequenz auch mit Medikamenten gesenkt werden. Neben den bekannten Beta-Blockern gibt es inzwischen weitere Möglichkeiten: "Bei Ivabradin handelt es sich um eine Substanz, die selektiv die Herzfrequenz, einen wichtigen Risikofaktor bei chronischer Herzinsuffizienz, reduziert", erklärt Prof. Dr. med. Michael Böhm von der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes.

Bei Herzerkrankungen den Puls regulieren

So hat etwa die sogenannte SHIfT-Studie ergeben, dass eine Senkung der Pulsfrequenz mit dem reinen Pulssenker bei Herzinsuffizienz die Zahl der Krankenhausaufnahmen und die krankheitsbedingte Sterblichkeit nachweislich reduziert. Wichtig ist es, mit der Behandlung nicht zu lange zu warten, so Böhm: "Je länger man wartet, desto mehr Endpunkte können auftreten, vor allen Dingen Hospitalisierungen oder gar Tod aufgrund sich verschlechternder Herzinsuffizienz, die mit einer effektiven Frequenzreduktion zu verhindern gewesen wären."

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