Gesund und vital
Artikel vom 01.11.2014

Gesundheit, Liebe, Job: Frauenprobleme - und Antworten, die wirklich weiterhelfen

Kommunikationsexpertin Dorothee Schröter steht Frauen in der Online-Community "w-wie-weiblich.de" mit Rat und Tat zur Seite. Foto: djd/Rottapharm MADAUS GmbH
Kommunikationsexpertin Dorothee Schröter steht Frauen in der Online-Community "w-wie-weiblich.de" mit Rat und Tat zur Seite. Foto: djd/Rottapharm MADAUS GmbH

Es gibt Themen, über die möchte frau nicht mit dem Partner, der besten Freundin oder einer Ärztin sprechen - weil sie einfach zu persönlich scheinen. Doch wer hilft weiter, wenn es um Beziehungsstress, Gynäkologie, Geburtshilfe oder Jobangst geht? Die Frankfurter Kommunikationstrainerin Dorothee Schröter steht bei typischen Frauenproblemen in der Online-Community "w-wie-weiblich.de" Rede und Antwort, gemeinsam mit drei weiteren Expertinnen. Sie weiß, mit welchen Strategien Frauen lernen können, genau das zu sagen, was ihnen wirklich wichtig ist.

Warum fällt es vielen Frauen schwer, sehr persönliche Themen anzusprechen?

Zu zeigen, dass sie irgendetwas nicht im Griff haben, ist gerade in der heutigen Zeit für Frauen kaum noch möglich. Sie stehen in einem dauernden Wettbewerb. Alle um sie herum sind in allen Lebenslagen perfekt. Sie sind tolle Mütter, Karrierefrauen, Hausfrauen, Ehefrauen, haben ein aufregendes Liebesleben, keine "typisch weiblichen" Gesundheitsprobleme … Wer will da zugeben, dass er manchmal unter der Last zusammenbricht? Dass die Ehe kriselt, die Kinder nerven oder die Wechseljahre einen umhauen?

Gibt es Frauenprobleme, die besonders häufig zur Sprache kommen?

Die meisten Anfragen richten sich auf konkrete frauenspezifische Gesundheitsprobleme oder Beziehungsfragen - vor allem auf akuten Liebeskummer.

Ist es hilfreich, sich bei sehr persönlichen Fragen erst einmal online schlau zu machen?

Ja, denn seriöse Internetforen bieten Anonymität - man kann seine Themen, auch sehr intime, ohne jede Scham ansprechen. Außerdem bekommt man eine größere Vielfalt an Meinungen als offline.

Wie wichtig ist dieser Austausch mit Gleichgesinnten?

Sehr wichtig. Es ist immer entlastend, festzustellen, mit einem Problem nicht allein zu sein. Und man kann von den Erfahrungen der anderen profitieren.

Was zeichnet ein gutes Forum aus?

Schutz. Ich möchte auch in der Anonymität vor Angriffen und falschen Aussagen geschützt werden. Außerdem ist es hilfreich, wenn dort auch ausgewiesene Experten um Rat gefragt werden können. Im Bereich Frauengesundheit zum Beispiel eine Gynäkologin oder Hebamme.

Stichwort Frauengesundheit - bei diesem Thema ist die Hemmschwelle oft besonders hoch. Woran liegt's?

Ich glaube gar nicht, dass die Hemmschwelle bei den Patientinnen dem Arzt gegenüber so hoch ist. Viele Ärzte haben einfach keine Zeit mehr für ein Gespräch und geben sich abweisend. Dann fehlt das Vertrauen, um Persönliches anzusprechen.

Wie verhalte ich mich als Patientin idealerweise?

Selbstbewusst. Wer sich und seine Probleme wichtig nimmt, kann seine Sorgen äußern, um Hilfe bitten und Fragen stellen. Außerdem ist es gut, wenn man sich vorher aufschreibt, was man wissen möchte. Dafür können Hintergrundinformationen - zum Beispiel aus einem Expertenchat - weiterhelfen. Und, ganz wichtig: Unbedingt so sein, wie man ist. Ärzte sind keine Hellseher. Ich muss als Erwachsene dem Mediziner konkret sagen, worauf es mir ankommt.

Kann man trainieren, Dinge gelassen auszusprechen, ohne falsche Scham?

Ja. Die Grundvoraussetzung dafür ist, dass ich Probleme nicht als Schwäche begreife - sondern als Stärke. Als Herausforderung und Chance für die persönliche Weiterentwicklung.

Gibt es eine Faustregel, wie man Wichtiges am besten anspricht?

Direkt, mutig, ehrlich, ohne Vorwürfe, niemals zwischen Tür und Angel. Und das Zuhören nicht vergessen! Das ist enorm wichtig, damit wir uns auf Augenhöhe begegnen können. Nur dann kann ich Themen ansprechen, die mir am Herzen liegen. Es hilft übrigens, erst einmal im Kleinen zu üben und auch Banalitäten offen zu thematisieren. So wächst der Mut, wichtige Anliegen ebenso direkt anzugehen.

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