Gesund und vital
Artikel vom 26.11.2014 von: Oliver Schönfeld

Chronischer Schmerz: "Bei anhaltenden Beschwerden immer zum Arzt"

Etwa 70 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen leiden unter anhaltenden Rückenproblemen. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx
Etwa 70 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen leiden unter anhaltenden Rückenproblemen. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx

Rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Eine Diagnose, die für den Alltag tiefe Einschnitte bedeutet, denn der Schmerz wird zum ständigen Begleiter. Wie die Beschwerden entstehen, welche Therapien Erfolg versprechen und was jeder Patient vorbeugend tun kann, erklärt Dr. Ulrike Brunnmüller, Medizinerin beim forschenden Pharmaunternehmen Pfizer.

Was genau sind chronische Schmerzen?

Akuter Schmerz lässt in der Regel innerhalb weniger Wochen nach. Von einer Chronifizierung spricht man, wenn Schmerzen länger als drei bis sechs Monate anhalten oder über einen längeren Zeitraum immer wiederkehren. Werden innerhalb dieses Zeitfensters die Beschwerden nicht richtig therapiert, können sie chronisch werden.

Bewegungstraining kann für Patienten mit chronischen Schmerzen besonders wichtig sein. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx
Bewegungstraining kann für Patienten mit chronischen Schmerzen besonders wichtig sein. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx

Was passiert dabei im Körper?

Schmerz ist normalerweise ein sinnvolles Signal. Es zeigt uns, dass etwas nicht stimmt. Werden akute Beschwerden jedoch nicht rechtzeitig behandelt, kann das im Rückenmark und im Gehirn zu Veränderungen führen. Der Körper "merkt" sich den Schmerz, entwickelt ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. In der Folge signalisieren die Nervenzellen Beschwerden, obwohl die ursprüngliche Ursache abgeklungen ist.

Bei welchen Erkrankungen besteht diese Gefahr?

Circa 70 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen leiden unter Rückenbeschwerden. Doch auch bei Rheuma, Arthrose, Kopf- und Nervenschmerzen besteht das Risiko einer Chronifizierung. Etwa 1,4 Millionen Betroffene in Deutschland leiden unter Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt. Dabei ist das Nervensystem selbst durch eine Verletzung oder Krankheit geschädigt, zum Beispiel durch eine Operation, eine Gürtelrose oder durch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Sollte man bei Schmerzen also generell den Arzt aufsuchen?

Bei anhaltenden Beschwerden auf jeden Fall! Viele Patienten warten zu lange und versuchen, den Schmerz mit rezeptfreien Entzündungshemmern selbst in den Griff zu bekommen. Diese helfen allerdings nicht bei allen Schmerzarten. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit und die Gefahr einer Chronifizierung steigt. Im Gespräch mit dem Arzt ist es dann wichtig, dass man möglichst genau beschreiben kann, wie sich die Beschwerden anfühlen, wann sie auftreten und was der Patient schon alles unternommen hat, um die Schmerzen selbst zu lindern. Bewegungsmaßnahmen oder eine Wärmetherapie können da zum Beispiel manchmal helfen. All das liefert dem Mediziner wichtige Anhaltspunkte für die richtige Diagnose.

Wie sieht die Therapie aus?

Chronische Schmerzen sind individuell und vielschichtig. Daher setzt sich die Behandlung, die "multimodale" Therapie, aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Bewährt hat sich eine Kombination aus schmerzstillender medikamentöser Therapie, Bewegungs- und Verhaltenstraining.

Warum ist Bewegung so wichtig?

Wer Schmerzen hat, möchte sich ausruhen, sich zurückziehen, sich möglichst nicht bewegen - diesen Wunsch kennt jeder. Bei chronischen Schmerzen kann dies jedoch fatal sein, denn mangelnde Mobilität kann zu Fehlhaltungen und dadurch zu Schäden an Muskeln und Gelenken führen, die wiederum die Beschwerden verstärken oder Verspannungen auslösen. Physiotherapeutische Maßnahmen bringen die Bewegungsfähigkeit und damit auch ein großes Stück Lebensqualität zurück.

Nicht immer helfen rezeptfreie Entzündungshemmer bei der Therapie von Schmerzen. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx
Nicht immer helfen rezeptfreie Entzündungshemmer bei der Therapie von Schmerzen. Foto: djd/Pfizer Deutschland/thx
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