Gesund und vital
Artikel vom 12.05.2015

Cholesterinwerte messen - schon in jungen Jahren

Gewissheit, ob eine Familiäre Hypercholesterinämie vorliegt, kann neben einem Lipidprofil ein einfacher Gentest bringen. Foto: djd/Sanofi/J.Smith
Gewissheit, ob eine Familiäre Hypercholesterinämie vorliegt, kann neben einem Lipidprofil ein einfacher Gentest bringen. Foto: djd/Sanofi/J.Smith

Wer junge Erwachsene nach ihren Cholesterinwerten fragt, wird voraussichtlich in überraschte Gesichter schauen. In jungen Jahren sieht kaum jemand die Notwendigkeit, sich für seine Blutfettwerte zu interessieren. Erst Mitte 30, Anfang 40, wenn Check-ups beim Hausarzt zur Regel werden, wächst das Interesse an dem Blutfett, das unverzichtbarer Bestandteil aller menschlichen Gewebe ist und gleichzeitig mit der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in engem Zusammenhang steht. Nicht immer sind erhöhte Cholesterinwerte allerdings die Folge eines tendenziell ungesunden Lebenswandels oder eine Folge fortgeschrittenen Alters. Mitunter kann ihnen eine erbliche Veranlagung zugrunde liegen, die schon in jungen Jahren ein hohes Risiko birgt. Daher sollte man schon in frühen Jahren die Cholesterinwerte messen.

Cholesterinwerte messen und kein Risiko eingehen

Um kein Gesundheitsrisiko einzugehen, raten Experten wie Professor Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, ärztliche Leiterin der Lipid Ambulanz in der Charité Berlin, jungen Menschen, ihre Cholesterinwerte messen zu lassen. Das gilt vor allem, wenn im engeren Kreis der Familie eine kardiovaskuläre Erkrankung oder ein Herzinfarkt vor dem 50. bis 60. Lebensjahr aufgetreten sind. Denn auch junge Menschen können - bei entsprechender Disposition - unbemerkt Arteriosklerose entwickeln und an ihren lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen, wie Koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt erkranken. Erste Hinweise kann eine Blutuntersuchung geben. Allerdings reicht der Wert des Gesamtcholesterins allein zur Risikobestimmung nicht aus. Daher empfiehlt die Ärztin, ein Lipidprofil erstellen zu lassen, das auch die Werte des guten HDL- und des schlechten LDL-Cholesterins sowie der Triglyzeride umfasst, die ebenfalls eine Gefäßverkalkung begünstigen.

Tritt schon in jungen Jahren ein Herzinfarkt auf, kann eine genetische Stoffwechselstörung dahinter stecken. Foto: djd/Sanofi/thx
Tritt schon in jungen Jahren ein Herzinfarkt auf, kann eine genetische Stoffwechselstörung dahinter stecken. Foto: djd/Sanofi/thx
Herzbeschwerden können ein Hinweis auf eine fortschreitende Arteriosklerose sein. Foto: djd/Sanofi/C.Walsh
Herzbeschwerden können ein Hinweis auf eine fortschreitende Arteriosklerose sein. Foto: djd/Sanofi/C.Walsh

LDL deutlich zu hoch

Generell gilt dabei: Die Werte des HDL-Cholesterins sollten möglichst hoch, die Werte des LDL-Cholesterins möglichst niedrig sein. Für Menschen ohne weitere Risikofaktoren sollte das LDL nicht höher als 160 mg/dl sein. Das HDL sollte bei über 40 mg/dl liegen. Nach den Erfahrungen der Fachärztin kann von einer sogenannten Hypercholesterinämie ausgegangenen werden, wenn das Gesamtcholesterin über 200 mg/dl liegt oder das LDL mehr als 160 mg/dl beträgt. Betroffene Patienten könnten jedoch auch Gesamtcholesterinwerte deutlich über 250 oder 300 mg/dl und LDL-Cholesterin-Werte von über 190 mg/dl aufweisen. In Zweifelsfällen kann es sinnvoll sein, Wiederholungsmessungen machen zu lassen.

Familiäre Hypercholesterinämie (FH) wird dominant vererbt - daher sollten alle nahen Familienangehörigen überprüft werden. Foto: djd/Sanofi/thx
Familiäre Hypercholesterinämie (FH) wird dominant vererbt - daher sollten alle nahen Familienangehörigen überprüft werden. Foto: djd/Sanofi/thx

Gentest kann Klarheit bringen

Die familiäre Variante der Hypercholesterinämie (FH), die von einer Generation auf die nächste vererbt wird, birgt hohe Risiken. Wenn beispielsweise ein Elternteil einer Familie mit vier Kindern betroffen ist, kann man statistisch davon ausgehen, dass zwei Kinder ebenfalls betroffen sind. Diese heterozygote Form der FH, die in Deutschland etwa eine von 300 bis 500 Personen betrifft, gehört zu den häufigsten genetischen Störungen. Die homozygote Form, bei der beide Elternteile ihre Veranlagung weitergeben, ist hingegen extrem selten und zeigt sich unter einer Million Geburten nur einmal. Die betroffenen Kinder weisen dabei schon im Kindesalter sehr stark erhöhte Cholesterinwerte von 700 bis sogar 1000 mg/dl auf. "Bei beiden Varianten haben wir es mit Hochrisikopatienten zu tun", warnt die Herz-Kreislauf-Spezialistin. All jenen, bei denen die Krankheit bereits in der Familie aufgetreten ist, und die befürchten müssen, hochgradig gefährdet zu sein, kann eine Diagnose die einfache und sichere Möglichkeit bieten, ihre Disposition überprüfen zu lassen. Auf der Patientenplattform CholCo haben Betroffene und ihre Angehörigen die Möglichkeit, sich zu diesem und vielen weiteren Themen rund um FH zu informieren und auszutauschen.

Lebenslange Therapie

Zur Behandlung der FH rät Prof. Steinhagen-Thiessen, zunächst die Ernährung und den Lebensstil umzustellen. Das bedeutet, bevorzugt Speisen mit niedrigem Fettgehalt zu verzehren: wenig Fleisch, Wurst und fetten Käse, dafür mehr Fisch und Gemüse. Zudem sollte die körperliche Aktivität auf dreimal in der Woche 20 Minuten Ausdauertraining gesteigert und auf Rauchen verzichtet werden. "Wenn die Werte des Patienten trotz Veränderung des Lebensstils und der Ernährung noch nicht im Normbereich sind, muss medikamentös behandelt werden", sagt die Expertin. Als Mittel der Wahl gelten heutzutage sogenannte Statine. Würden trotz einer hoch dosierten Einnahme dieser Medikamente die gewünschten Normwerte nicht erreicht, müsse eine Kombinationsbehandlung mit weiteren Präparaten in Betracht gezogen werden.

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist ein schlecht wasserlöslicher Stoff, der mit Hilfe von Trägereiweißen (Proteinen) über die Blutgefäße zu den Zellen und zurück transportiert wird. Diese Verbindungen werden als Lipoproteine bezeichnet.

Welche Art von Lipoproteinen gibt es?

Es gibt Lipoproteine von hoher (High Density Lipoprotein - HDL) und solche von geringer Dichte (Low Density Lipoprotein - LDL).

Wie unterscheiden sich HDL und LDL?


LDL und HDL sind beide für den Transport von Lipiden im Blut verantwortlich. Dabei neigt das LDL dazu, Fettmoleküle zu verlieren und somit ins Blut abzugeben. HDL hingegen besitzt die Fähigkeit, im Blut befindliche Fette aufzunehmen.

Warum gilt LDL als schlechtes Cholesterin?

In das Blut abgegebene LDL-Cholesterin kann sich an den Blutgefäßen ablagern und dort zu Engpässen führen. Zudem können sich die Ablagerungen lösen und sogar platzen. Die Folge kann eine Gefäßverstopfung (Thrombose) sein. Je nachdem, welches Gefäß betroffen ist, können ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt die Folgen sein. Daher sollte der Wert des LDL-Cholesterins im Blut möglichst gering sein.

Welche positiven Effekte hat das HDL?

HDL nimmt nicht nur überschüssiges Cholesterin aus dem Blut auf. Es kann sogar bereits in den Gefäßwänden abgelagerte Cholesterin-Plaques wieder lösen und zum Abbau in die Leber bringen. Um das Fortschreiten der Gefäßverkalkung zu verhindern, kann der Wert des HDL-Cholesterins nicht hoch genug sein.

Was ist Familiäre Hypercholesterinämie (FH)?

FH ist eine dominant vererbte Stoffwechselstörung, die schon in jungen Jahren zu Herzkrankheiten führen kann. Bei gesunden Menschen haben Zellen Rezeptoren, die sie aktivieren können, um LDL-Cholesterin aus dem Blut aufzunehmen. Bei FH-Patienten ist dieser Vorgang aufgrund von Genveränderungen gestört. Da sie nicht genügend Rezeptoren ausbilden, reichert sich das verfügbare LDL im Blut an und schädigt die Gefäße.

Fazit

Jeder sollte seine Cholesterinwerte kennen. Die Entwicklung von Arteriosklerose ist keine Altersfrage, sondern kann auch in den Genen liegen. Die Familiäre Hypercholesterinämie, eine erblich bedingte Stoffwechselstörung, kann zu erheblichen Gefäßschäden führen. Schon anhand eines Cholesterintests und der Familiengeschichte kann der Arzt eine FH diagnostizieren. Ein Gentest kann endgültige Klarheit über eine mögliche Krankheitsgefährdung bringen. Wird die Erkrankung früh entdeckt, können gravierende Schädigungen des Herzens oder der Blutgefäße durch entsprechende Maßnahmen verhindert oder verzögert werden.

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