Gesund und vital
Artikel vom 01.11.2014

Alkoholabhängigkeit: Beratung als Therapiebasis

Beratung notwendig: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholkranken auf rund 1,3 Millionen, über zehn Millionen Bundesbürger trinken zu viel. Foto: djd/Desitin
Beratung notwendig: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt die Zahl der behandlungsbe- dürftigen Alkoholkranken auf rund 1,3 Millionen, über zehn Millionen Bundesbürger trinken zu viel. Foto: djd/Desitin

Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Krankheit. Professionelle Hilfe ist nötig: Beratung, Entgiftung und Therapie. Bis sich die Betroffenen und ihre Angehörigen die Alkoholabhängigkeit eingestehen, dauert es aber oft sehr lange. Aus Scham werden die Probleme möglichst "vertuscht".

Familienmitglieder entwickeln oft eine Verantwortung für den Trinkenden, aber sie verstehen nicht, dass sich nur der Abhängige selbst heilen kann - und dass dazu das Eingeständnis der Sucht zwingend notwendig ist.

Angehörige können Therapie begleiten

Alkoholabhängigkeit entwickelt sich meist langsam über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Von einer Gefährdung spricht man, wenn der tägliche Alkoholkonsum bei Frauen zwölf Gramm und bei Männern 24 Gramm übersteigt (Beispiel: 0,5 Liter Bier entsprechen circa 20 Gramm Alkohol, 0,2 Liter Wein circa 16 Gramm Alkohol).

Das Ziel ist eine lebenslange Abstinenz

Eine Heilung von der Alkoholabhängigkeit gibt es nicht - das Ziel einer Therapie ist die vollständige, lebenslange Abstinenz bei langfristiger Rückfallfreiheit. Begleitet und unterstützt werden sollten Alkoholabhängige durch Angehörige, Beratungsstellen und den Hausarzt. Hat sich der Betroffene eingestanden, dass er alkoholabhängig ist, und hat er die Sucht als Krankheit akzeptiert, kann die individuelle medikamentöse und psychotherapeutische Therapie festgelegt werden.

Der akute Entzug steht am Anfang

Die Behandlung beginnt mit dem akuten Entzug, der stationär, aber auch ambulant durchgeführt werden kann. Um die physischen und psychischen Entzugserscheinungen zu mindern und später das Rückfallrisiko zu senken, sind begleitende medikamentöse Maßnahmen nötig.

Die Therapie wird unterstützt

Neu auf dem deutschen Markt ist der Wirkstoff Naltrexon. Er kann das Rückfallrisiko vermindern, das Verlangen nach Alkohol reduzieren und so die Abstinenz wirkungsvoll unterstützen. Als Bestandteil einer umfassenden Therapie bei alkoholabhängigen Erwachsenen wird es nach der Entgiftung eingesetzt. Der Wirkmechanismus selbst ist noch nicht restlos geklärt: Es wird aber angenommen, dass Naltrexon die alkoholvermittelte Endorphinausschüttung hemmt und somit das subjektiv positive Gefühl bei Alkoholkonsum unterdrückt.

Das Rückfall-Risiko möglichst lange hinaus drängen

Abhängige können bei der Alkoholentwöhnung von der Therapie mit Naltrexon profitieren, die Zeit bis zum 'first drink' sowie bis zum Rückfall ist im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebos eindeutig länger. Die Therapie mit dem Wirkstoff sollte in einem frühen Stadium der Behandlung zur Aufrechterhaltung der Abstinenz erfolgen. Schließlich liege die Rückfallgefahr bei Alkoholabhängigen in den ersten drei Abstinenzmonaten bei circa 50 Prozent.

Wo finden Betroffene und Angehörige Hilfe?

Hilfesuchende können sich an ihren Hausarzt, an das Gesundheitsamt oder - anonym - an eine der insgesamt über 1.300 psychosozialen Beratungs- oder Suchtberatungsstellen im Land wenden. Gemeinsam können mögliche Lösungen diskutiert und weitere Schritte geplant werden. Die Beratung erstreckt sich oft über einen längeren Zeitraum, in dem man sich immer wieder trifft und die Situation bespricht.

Die Beratung ist kostenlos, die Beratungsstellen unterliegen der Schweigepflicht. Wohin man sich wenden kann, erfährt man auch über das Infotelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter 0221-892031. Unter www.kenn-dein-limit.de gibt die BZgA mehr Informationen.

Die Beratungsstellen wiederum haben Kontakt zu Spezialambulanzen und Therapieeinrichtungen. Einem stationär oder ambulant durchgeführten körperlichen Alkoholentzug folgt eine psychotherapeutische und sozialmedizinische Langzeittherapie.

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