Vorsorge
Artikel vom 01.11.2014

Vorruhestand und Altersrente richtig planen

Vorruhestand und Altersrente - unser Ratgeber. Foto: djd/Allianz Leben
Vorruhestand und Altersrente - unser Ratgeber. Foto: djd/Allianz Leben

Das Rententhema sorgt immer wieder erneut für hitzige Diskussionen. Nun folgt die Rente mit 67 und die Frage, ob man mit dem Vorruhestand noch mehr Einbußen hat trotzdem man ein Leben lang berufstätig war. Für die Jahrgänge ab dem Jahr 1964 ist ab 2029 dann ein Renteneintrittsalter von 67 angesetzt und mit jedem früheren Eintritt in den Vorruhestand ist mit Abzügen zu rechnen.

Das Leben genießen, sich ein paar Wünsche erfüllen, Reisen … So denken vermutlich viele, für die das Thema Rente in den Fokus rückt. Wer denkt da nicht auch an einen möglichen Vorruhestand? Normalerweise ist es so, dass man nach mindestens 45 Jahren Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenkasse, mit dem 65. Lebensjahr über einen vollen Rentenanspruch verfügt.

Möchte man jedoch früher in Rente gehen, dann werden vom eigentlichen Rentenbezug, der ab dem 65. bzw. 67. Lebensjahr gelten würde pro Monat 0,3 % abgezogen. Bei einem Jahr bedeutet das also einen Rentenabschlag bzw. einen Abzug von 3,6 %.

Bei einigen Arbeitnehmern würde dieser Umstand zu massiven Umsatzeinbrüchen und einem eventuellen Verlust der Lebensqualität führen. Um im Alter kein Sozialfall werden zu müssen, gibt es auch noch die Möglichkeit in Altersteilzeit zu arbeiten.

Tipp 1: Über Altersteilzeit nachdenken

Zwischen dem 55. und dem 64. Lebensjahr hat jeder Arbeitnehmer jedoch noch eine zusätzliche Option. Nach dem Altersteilzeitgesetz, kurz ATG, können Arbeitnehmer ab dem 55. Lebensjahr ihre Arbeitszeit halbieren. Hierzu müssen bis zum Renteneintrittsalter jedoch mindestens noch 3 Jahre liegen. Trotz halber Arbeitszeit ist es dann möglich nicht nur 50% des Lohnes, sondern 70% zu erhalten. Möglich machen das spezielle Aufstockungsbeträge.

Die Altersteilzeit wirkt sich insofern auch positiv auf die weiterhin zu zahlenden Rentenbeiträge aus, welche dann immerhin 80% betragen. Der Aufstockungsbeitrag hierzu wird in dieser Zeit vom Arbeitgeber getragen.

Altersteilzeit kann relativ flexibel gestaltet sein, sie kann beispielsweise als Halbtagstätigkeit ausgeführt werden oder aber sogar mit einem täglichen, saisonalen oder monatlich erfolgenden Wechsel zwischen Arbeit und eigener Freizeitgestaltung einhergehen.

Tipp 2: Vorteile der Altersteilzeit bei der Steuer sichern

Arbeitet man in Altersteilzeit, hat man den Vorteil, dass man erstens mindestens 70% des bisherigen Lohnes erhält. Diese Aufstockung des Lohnes ist steuerfrei und somit ein gutes zusätzliches Polster für den eigenen Geldbeutel.

Tipp 3: Bei privater Vorsorge umfassend informieren

Anders als bei der gesetzlichen Rente, wird bei den privaten Vorsorgeverträgen in jedem Vertrag individuell vereinbart, was bei einem früheren Renteneintritt geschehen wird. Hier ist es also ratsam sich vorab zu informieren, um eventuelle gravierende Einbußen einkalkulieren zu können bzw. überhaupt klarzustellen, ab wann man Zugriff auf die privaten Vorsorgebeiträge hat.

Tipp 4: Die verschiedene Rentenarten kennen

Nun gibt es nicht DIE Rente, sondern verschiedene Varianten. Wie diese organisiert sind, regelt das Sechste Sozialgesetzbuch (SGB VI). Danach sind folgende Rentenvarianten denkbar und möglich:

1. Die Regelaltersrente

Unter Regelaltersrente versteht man den Eintritt ins Rentenalter mit Vollendung des 67. Lebensjahres. Diese Rentenform wird durch den § 35 Satz 2 des SGB VI geregelt. Einzige Ausnahme bilden hierbei Menschen, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden, diese können bereits mit 65 Jahren in Rente gehen.

Personen, die vor dem 1. Januar 1955 geboren wurden und vor dem 1. Januar 2007 in Altersteilzeit tätig waren oder Anpassungsgeld für Beschäftigte im Bergbau erhalten haben erreichen die Regelaltersgrenze ebenfalls bereits mit 65 Jahren. Voraussetzung für eine Regelaltersrente ist natürlich auch, dass der- oder diejenige rentenversichert gewesen war.

Möchte man Regelaltersrente beziehen muss man, entsprechend den gesetzlichen Regelungen eine allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllen. Diese Wartezeit kann auch mit sogenannten Beitragszeiten bzw. Ersatzzeiten erfüllt werden. Auch wem vor dem Eintritt in die Regelaltersgrenze Erwerbsminderungsrente oder Erziehungsrente gezahlt wurde, kann man diese in seine Wartezeit einrechnen lassen.

2. Die Altersrente nach Beschäftigung in Altersteilzeit oder wegen Arbeitslosigkeit

Für Personen, nach einer Beschäftigung in Altersteilzeit oder nach Arbeitslosigkeit in Rente gehen möchten, gelten einige wichtige Grundregeln. Voraussetzung für diesen Renteneintritt ist die Vollendung des 65. Lebensjahres oder die Geburt vor dem 1. Januar 1952. Für Versicherte gilt, dass sie die Wartezeit von 15 Jahren erfüllen müssen. Des weiteren besteht diese Option, wenn der Versicherte zum Zeitpunkt des Renteneintritts arbeitslos gewesen und nach Vollendung von 58 Lebensjahren und sechs Monaten für mindestens 52 Wochen arbeitslos gewesen ist oder er eine Beschäftigung in Altersteilzeit für 24 Monate in Anspruch genommen hat.

Wichtig ist auch, dass vor dem Renteneintritt mindestens 8 Jahre der Pflichtbeitrag in die Rentenversicherung geflossen sein muss. Ein früherer Renteneintritt ist auch dann möglich, wenn man wie bereits erwähnt einen Rentenabschlag in Kauf nehmen kann und möchte.

3. Die Altersrente für langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute

Personen, die einer langjährigen Tätigkeit im Bergbau nachgegangen sind, genießen den Vorteil, dass sie bereits mit 62 Jahren in den Ruhestand treten dürfen. Dies jedoch auch nur dann, wenn sie vor dem 1. Januar 1964 geboren wurden und die Wartezeit von 25 Jahren erfüllen. Einzelheiten dazu liefert das Sozialgesetzbuch § 238 Abs. 2 SGB VI.

4. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Eine noch etwas jüngere Form der Rente ist die zum 01. Januar 2012 eingeführte Altersrente für langjährig Versicherte. Wer die Voraussetzung einer Wartezeit von 45 Jahren und die
Vollendung des 65. Lebensjahres erfüllt, der kann diese Rentenform in Anspruch nehmen.

Die Wartezeit von 45 Jahren schließt zum Beispiel Pflichtbeitragszeiten aus Beschäftigung, Zeiten der Kindererziehung und Zeiten des Wehr- oder Zivildienstes ein, nicht jedoch Zeiten des Arbeitslosengeldbezuges. Diese Rentenform ist sehr umfangreich und daher am besten in einer der zahlreichen Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung zu klären.

5. Die Altersrente für Frauen

Für Frauen gibt es eine besondere Form der Altersrente. Hierbei gelten folgende Regelungen. Wenn die Versicherte vor dem 1. Januar 1952 geboren, das 60. Lebensjahr vollendet, eine Wartezeit von 15 Jahren erfüllt hat und nach Vollendung des 40. Lebensjahres mehr als 10 Jahre lang Pflichtbeiträge, die aus einer versicherten Beschäftigung heraus gezahlt wurden, erbracht hat, dann kann die Altersrente für Frauen beansprucht werden. Vor dem 65. Lebensjahr, für die Geburtenjahrgänge ab 1940, gilt jedoch auch hier ein Rentenabschlag für jeden Monat, den die Rente vor dem Renteneintrittsalter in Anspruch genommen wird.

6. Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Für schwerbehinderte Menschen gelten beim Bezug von Altersrente einige Besonderheiten. So beläuft sich die Wartezeit zum Beispiel auf 35 Jahre und die Altersgrenze für den Renteneintritt variiert jeweils zwischen dem 60. und dem 65. Lebensjahr. Weitere Einzelheiten zum Bezug von Altersrente für schwerbehinderte Menschen enthält das Neunte Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX).

Fazit zu Vorruhestand und Altersrente

Bereits vor Eintritt in das Regelrentenalter kann man in den Vorruhestand treten. Hierbei ist jedoch mit einem Rentenabschlag d.h. einer verminderten Rentenauszahlung zu rechnen. Je nach Person, Beruf und körperlicher Verfassung können die Rentenbedingungen variieren.

Ausführliche Informationen zum individuellen Fall eines jeden Einzelnen können in den Rentenberatungsstellen erfragt werden. Die gesetzlichen Regelungen liegen unter anderem dem Sozialgesetzbuch zugrunde.

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