Finanzen
Artikel vom 03.03.2016

Lohnsteuerklassen: 4 Dinge, die Sie wissen müssen

Ehefrau und Mann stecken Müntzen in ein Sparschwein.
Familien und Partnerschaften werden in Deutschland mit dem sogenannten Splittingtarif steuerlich gefördert. Foto: djd/thx

Wer in Deutschland als Arbeitnehmer in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis steht, zahlt Lohnsteuer. In welcher Höhe, hängt von der Lohnsteuerklasse ab. 4 Dinge sollten Sie dazu wissen:

1. Welche Lohnsteuerklassen gibt es und was bedeuten sie?

Insgesamt gibt es in Deutschland sechs Lohnsteuerklassen. Die Steuerklasse richtet sich in erster Linie nach dem Familienstand des Arbeitnehmers. Ausführliche Informationen zur Lohnsteuer stellt das Bundesfinanzministerium bereit.

Frau und Mann am Tisch vor dem Tablet informieren sich über Lohnsteuerklassen.
Für die meisten Ehepaare lohnt sich das Splitting - vor allem dann, wenn ein Partner erheblich mehr verdient als der andere. Foto: djd/thx

Die Lohnsteuerklassen im Überblick

Steuerklasse I

Ledige sowie geschiedene Arbeitnehmer und verheiratete Arbeitnehmer, deren Ehepartner im nichteuropäischen Ausland lebt oder die von ihrem Ehepartner in dauernder Trennung leben. In die Steuerklasse I gehören auch verwitwete Arbeitnehmer, falls die Voraussetzungen für die Steuerklasse III nicht erfüllt sind.

Steuerklasse II

Die bei Steuerklasse I genannten Arbeitnehmer, falls ihnen der sogenannte Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht. Bedingung für die Gewährung: Der Arbeitnehmer ist Alleinerziehender und zu seinem Haushalt gehört mindestens ein Kind, für das ihm ein Freibetrag für Kinder oder Kindergeld zusteht und das bei ihm mit Haupt- oder Nebenwohnung gemeldet ist.

Steuerklasse III

Verheiratete, unbeschränkt einkommensteuerpflichtige, nicht in dauernder Trennung lebende Arbeitnehmer sowie
a) der Ehepartner des Arbeitnehmers, wenn er keinen Arbeitslohn erzielt oder
b) der Ehegatte des Arbeitnehmers, wenn er auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse V eingereiht wird, oder
c) verwitwete Arbeitnehmer, aber lediglich für das auf das Todesjahr des Ehegatten folgende Kalenderjahr.

Steuerklasse IV

Arbeitnehmer, die verheiratet sind und unbeschränkt der Einkommensteuerpflicht unterliegen sowie nicht dauernd getrennt leben - falls beide Ehegatten Arbeitslohn erhalten.

Steuerklasse V

Arbeitnehmer, die verheiratet und unbeschränkt der Einkommensteuerpflicht unterliegen sowie nicht in dauernder Trennung leben - falls der Ehepartner des Arbeitnehmers auf Antrag in die Steuerklasse III eingereiht wird.

Steuerklasse VI

Arbeitnehmer, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen, mit ihren zweiten und weiteren Lohnsteuerkarten 2010 oder Ersatzbescheinigungen.

2. Besonderheiten für Ehepaare

Für Ehegatten gibt es eine Besonderheit in Sachen Steuerklasse: Verheiratete können zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen. Zur Auswahl stehen die Steuerklassen IV für beide Partner oder die Kombination der Klassen III und V. Der Unterschied: Je nach Steuerklasse bekommt der jeweilige Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner vom Finanzamt beim laufenden Lohnsteuerabzug von seinem Arbeitslohn mehr oder weniger der beiden zustehenden Freibeträge zugeordnet.

Sind beide Partner in Steuerklasse IV, bekommen sie jeweils eigene steuerliche Freibeträge vom Finanzamt zugeordnet. Bei der Kombi aus den Klassen III und V bekommt der eine Partner, meist der Besserverdienende, 60 Prozent (III), der andere 40 Prozent (V) zugeteilt. Aufgrund des stark steigenden Steuersatzes (Progression) kann das die insgesamt zu zahlende Steuer deutlich senken. Zu früh darf man sich aber nicht über mehr Geld auf der Lohnabrechnung freuen. Erst nach Abgabe der Steuererklärung setzt das Finanzamt die Steuer endgültig fest: Haben die gewählten Steuerklassen einen zu geringen laufenden Abzug zur Folge, müssen die Ehegatten den Rest später nachzahlen. Da bis zur endgültigen Festsetzung aber einige Zeit ins Land zieht, hätte man vom Finanzamt zumindest ein Darlehen gewährt bekommen.

3. Wann kann oder muss gewechselt werden?

Grundsätzlich ist ein Wechsel der Lohnsteuerklassen einmal pro Jahr möglich. In Einzelfällen kann aber sogar ein erneuter Wechsel möglich sein, etwa wenn ein Ehegatte keinen Arbeitslohn mehr bezieht oder nach einer Phase der Arbeitslosigkeit einen neuen Job gefunden hat. Beantragen Steuerzahler die neuen Lohnsteuerklassen bis spätestens Ende November, werden sie noch für das ganze laufende Jahr berücksichtigt. Der Antrag auf Steuerklassenwechsel ist an das zuständige Finanzamt zu richten.

Paare, die sich trennen, müssen dies dem Finanzamt in einer "Erklärung zum dauernden Getrenntleben"  mitteilen und erhalten dann wieder je die Steuerklasse I. Relevant ist nicht die rechtskräftige Scheidung, sondern das Ende der häuslichen Gemeinschaft. Kommt es zur Versöhnung und ziehen beide wieder zusammen, können sie wieder zurückwechseln.

Junges Paar vor dem PC kümmern sich um ihren Lohnsteuerausgleich.
Für Ehegatten gibt es eine Besonderheit in Sachen Steuerklasse: Verheiratete können zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen. Zur Auswahl stehen die Steuerklassen IV für beide Partner oder die Kombination der Klassen III und V. Foto: djd/thx

4. Wann sich Ehegatten-Splitting lohnt

Familien und Partnerschaften werden in Deutschland mit dem Splittingtarif gefördert. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können sich vom Finanzamt den Status eines einzigen Steuerpflichtigen geben lassen: Sie reichen lediglich eine Steuererklärung ein und bekommen nur einen Steuerbescheid. Für die meisten Ehepaare lohnt sich das - vor allem dann, wenn ein Partner erheblich mehr verdient als der andere. Splitting heißt: Die Einkünfte werden zwar getrennt erhoben, dann aber addiert. Danach wird für 50 Prozent des gemeinsamen Einkommens die Steuer berechnet und mal zwei genommen.

Die Summe ist in der Regel geringer im Vergleich zur Einzelveranlagung, weil die Steuern hierzulande mit höherem Einkommen nicht proportional anwachsen, sondern Besserverdienende einen höheren Prozentsatz ihres Einkommens an das Finanzamt zahlen müssen. Beim Splittingverfahren gibt der Ehegatte mit dem niedrigeren Einkommen einen Teil seines Steuervorteils ab, der Partner mit dem höheren Anteil wird dafür viel besser gestellt. Als Faustregel gilt: Verdienen beide Ehegatten gleich viel, nützt das Splittingverfahren nichts. Ob und wie sich das Splitting lohnt, kann man mit einem Blick in die Grundtabelle oder in die Splittingtabelle feststellen.

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