Familienleben
Artikel vom 01.11.2014

Der Barbaratag und seine Geschichte

Am 4. Dezember wird in Gedenken an die heilige Barbara jährlich der Barbaratag begangen. Barbara gilt als eine der vier besonders heiligen Jungfrauen als Symbol für Standhaftigkeit im Glauben und ist Schutzpatronin der Gefangenen und Glöckner sowie zahlreicher Berufsgruppen wie Geologen, Bergleuten und Elektrikern. Zahlreiche Rituale und Bräuche begleiten auch heute noch ihren Gedenktag, wie zum Beispiel das Schneiden von Barbarazweigen oder das sogenannte Bärbeltreiben.

Die Legende der historischen Barbara

Historisch ist die Existenz der heiligen Barbara nicht gesichert. Der Legende nach starb sie im 3. Jahrhundert als Märtyrerin in Nikomedia. Ihre bewegende Geschichte handelt von der Hinwendung zum Christentum und ist vielen Gläubigen bekannt. Den Überlieferungen nach war Barbara die hübsche Tochter eines reichen Kaufmanns oder Kaisers aus der Region des heutigen Izmir in der Türkei. Ihr Vater wollte sie verheiraten, doch Barbara wollte ihr Leben lieber in Armut und Demut allein Christus widmen und entschied sich in Zeiten der Verfolgung für den damals gefährlichen Wechsel zum Christentum. Ihr heidnischer Vater stellte sie in einem eigens dafür gebauten Turm unter Arrest, um sie umzustimmen und am Übertritt zu hindern. Doch Barbara schaffte es, sich dennoch gegen den Willen ihres Vaters taufen zu lassen und besiegelte damit ihr Schicksal. Denn dieser lieferte die junge Frau daraufhin an den römischen Stadthalter aus. Zahlreiche Folterungen und Qualen musste Barbara über sich ergehen lassen, ehe sie schließlich von ihrem eigenen Vater enthauptet wurde.

Der Barbaratag als Gedenken an die Jungfrau und Schutzheilige

Dargestellt wird Barbara heute meist als vornehme Jungfrau, die in einem Turm eingesperrt ist. Dabei hält sie oft einen Kelch, eine Hostie, ein Schwert oder Werkzeuge in ihren Händen. Da Barbara auf der Flucht vor ihrem eigenen Vater der Legende nach Schutz in einem Felsspalt fand, gilt sie heute als Schutzheilige der Bergleute. Gleichzeitig steht sie auch als Helferin gegen Feuer und Blitz, denn die Geschichte besagt weiter, dass ihr Vater nach ihrer Enthauptung von einem Blitz getroffen wurde. Und natürlich gilt sie aufgrund ihrer Qualen und ihres Schicksals auch als Beschützerin der Gefangenen und Sterbenden.

rosa Blüten
Eine besondere Geschichte steht hinter der Legende der heiligen Barbara. Daraus hat sich u. a. der Brauch der Barbarazweige entwickelt. entwickelt. Foto: djd/pixabay

Der Brauch der Barbarazweige

Auf dem Weg ins Gefängnis soll Barbara der Legende nach an einem Zweig hängen geblieben sein, den sie mit in den Kerker nahm. Auf wundersame Weise erblühte der Zweig dort und spendete ihr bis zu ihrem Tod Zuversicht und Trost. Auch heute noch schneidet man vielerorts am Barbaratag einzelne Obstzweige ab und stellt diese ins Wasser, wo sie dann als Orakel dienen: Bleiben die Zweige trocken, steht dies für Unglück im neuen Jahr. Erblühen die Triebe hingegen bis zum 24. Dezember, bringen sie Licht in die dunkle Jahreszeit und stehen für Liebe und Glück. Ritzen Frauen zudem den Namen ihres Liebhabers in die Barbarazweige, bedeutet das Erblühen, dass er sie ebenfalls liebt oder sogar eine Hochzeit im kommenden Jahr ansteht. In Österreich werden mehrere Zweige mitunter sogar zu einem ganzen Familien-Strauß zusammengefasst. Mit den Namen aller gekennzeichnet sagen die Zweige dann voraus, welches Familienmitglied der oder die Glücklichste sein wird – nämlich derjenige, dessen Zweig als erster blüht.

Beim Bärbeletreiben das Böse vertreiben

Im Allgäu hat sich in Gedenken an die heilige Barbara eine weitere Tradition entwickelt: das sogenannte "Bärbeletreiben“ am 4. Dezember.  Dabei verkleiden junge, unverheiratete Frauen als alte Weiber und ziehen mit grässlichen Masken, langen Röcken, lauten Glocken und Reisig-Ruten durch die Dörfer, um das Böse und Unanständige zu vertreiben. Dazu kehren sie symbolhaft den Schmutz aus den Türen und Höfen der Anwohner, die sich übrigens besser nicht dabei erwischen lassen sollten – vor allem Männer müssen nämlich mit sanften Hieben rechnen. Für Kinder und Mütter gibt es hingegen kleine Gaben wie Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten. Punkt Mitternacht ist Schluss mit dem bunten Treiben, denn dann gilt das Böse offiziell als vertrieben.

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