Schule und Studium
Artikel vom 01.11.2014

8 Fakten zu den Schularten in Deutschland

Die Schularten in Deutschland im Überblick

Das Bildungssystem in Deutschland unterliegt der Kulturhoheit der einzelnen Bundesländer. Die Regelungen weichen daher im Einzelnen mitunter voneinander ab, wenn auch das Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland in der Konferenz der Kultusminister der Länder abgestimmt wird und im Großen und Ganzen einem einheitlichen Entwurf folgt. Die Schulpflicht erstreckt sich auf neun, in manchen Bundesländern zehn Jahre des Schulbesuchs, unabhängig davon, welche Klassenstufe nach dieser Zeit erreicht wird.

Fakt 1: Die Pirmarstufe ist für alle Schulanfänger

Der Bildungsweg in Deutschland beginnt mit der Primarstufe. Diese besteht im Wesentlichen aus der Grundschule, die alle schulpflichtigen Kinder, das heißt alle Kinder, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, besuchen müssen. In den meisten Bundesländern umfasst die Grundschule die Klassen 1 bis 4, in Berlin und Brandenburg aber die Klassen 1 bis 6. Die Schüler, die in der Grundschule wegen einer körperlichen oder geistigen Behinderung wenig Aussicht auf Erfolg haben, können verschiedene Formen von Sonder- oder Förderschulen besuchen. Diese Aussonderung von Schülern wird allerdings zunehmend infrage gestellt. Daher gibt es immer mehr integrative Schulen, welche Menschen mit Behinderung in die Regelschule aufnehmen.

Fakt 2: Verteilung nach Noten, Empfehlung und auf Wunsch

In der Sekundarstufe I verteilen sich die Kinder auf unterschiedliche, nebeneinander existierende Schulformen: Je nach Notendurchschnitt, Elternwunsch und/oder Lehrerempfehlung besuchen die Schüler eine Haupt-, Real- oder Gesamtschule oder das Gymnasium. Daneben bestehen verschiedene Arten von Sonderschulen oder Privatschulen.

Fakt 3: Die Hauptschule ist handlungsorientiert

Die Hauptschule gestaltet den Unterricht handlungsorientiert und ist weniger auf wissenschaftliche Inhalte ausgerichtet. Die Hauptschule kann je nach Bundesland mit einem Hauptschulabschluss, einem qualifizierenden Hauptschulabschluss oder auch einem Realschulabschluss verlassen werden. Zunehmend beenden Schüler die Hauptschule nach Ende ihrer Schulpflicht ohne Abschluss. Die Hauptschule wird von Kritikern häufig als "Restschule" angesehen, auf der Schüler nicht angemessen gefördert werden können. In einigen Bundesländern wurde die Hauptschule daher abgeschafft. In den neuen Bundesländern wurde die Hauptschule nie eingeführt.

Fakt 4: Die Realschule endet mit der "Mittleren Reife"

Die Realschule führt nach der 10. Klasse und einer Abschlussprüfung zur "Mittleren Reife". Ohne Prüfung, jedoch mit Erreichen des Klassenziels in der 10. Klasse, erwirbt der Schüler einen "Erweiterten Hauptschulabschluss". Historisch hat sich die Realschule als Mittelweg zwischen der damaligen "Volksschule" und dem Gymnasium herausgebildet. Die "Mittlere Reife" ist Voraussetzung für viele Ausbildungsgänge im Handwerk und im Dienstleistungssektor. Außerdem berechtigt dieser Schulabschluss zum Besuch von Fachoberschulen und beruflichen Gymnasien und damit zum Erwerb des Fachabiturs oder der Allgemeinen Hochschulreife.

Fakt 5: Das Gymnasium bietet die gymnasiale Oberstufe an

Auf dem Gymnasium endet nach der 9. Klasse (G8 - Achtjähriges Gymnasium) oder der 10. Klasse (G9 - Neunjähriges Gymnasium) der Besuch der Sekundarstufe I mit der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe und einem dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss.

Fakt 6: Die Gesamtschule als Alternative

Als Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem gibt es in vielen Bundesländern die Gesamtschule, die mit dem Hauptschul- oder Realschulabschluss verlassen werden kann oder im Besuch der gymnasialen Oberstufe mündet. In der Sekundarstufe II gibt es neben der gymnasialen Oberstufe an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien je nach Bundesland unterschiedlich gegliederte Fachoberschulen und Berufsfachschulen sowie die Möglichkeit der dualen Ausbildung, das heißt der parallelen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule.

Fakt 7: Das Abitur ist an mehreren Schulformen möglich

Egal, ob man Rechtsanwalt in Hamburg oder Mediziner in München werden möchte, am Ende der Sekundarstufe II steht an Gymnasien und Gesamtschulen das Abitur (Allgemeine Hochschulreife, berechtigt zum Studium an allen Hochschulen und der Universität) und an Fachoberschulen das Fachabitur (Fachhochschulreife, Zugang zu Fachhochschulen).

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