Wohnen
Artikel vom 26.02.2015

Echt oder einfach nur alt? Beim Kauf von antiken Möbeln auf Nummer sicher gehen

Antikexperte Georg Britsch im furnierten Nussbaum-Schaukelstuhl aus der Zeit um 1825. Sein Kunsthandel in Bad Schussenried feierte 2014 das 25. Firmenjubiläum. Foto: djd/Kunsthandel Georg Britsch
Antikexperte Georg Britsch im furnierten Nussbaum-Schaukelstuhl aus der Zeit um 1825. Sein Kunsthandel in Bad Schussenried feierte 2014 das 25. Firmenjubiläum. Foto: djd/Kunsthandel Georg Britsch

Antike Möbel garantieren nicht nur in Sachen Optik das gewisse Etwas bei der Einrichtung der eigenen vier Wände. Die qualitativ hochwertigen und extrem langlebigen Stücke aus den verschiedenen Epochen wurden meist aus massivem Holz produziert, sie sind frei von Chemikalien und deshalb absolut wohngesund. Wer Biedermeier oder anderes historisches Mobiliar erwerben möchte, sollte aber auf Nummer sicher gehen und einen Experten um Rat bitten. Denn bei vielen angebotenen Exponaten handelt es sich nicht um originale Antiquitäten, sondern einfach nur um alte Möbel. Wir fragten den Kunsthändler Georg Britsch aus Bad Schussenried, woran echte Antiquitäten zu erkennen sind und worauf beim Kauf zu achten ist.

Was genau bezeichnet man eigentlich als "antik" oder "Antiquität"?

Georg Britsch: "Antik ist ein Möbel erst, wenn es mindestens 100 Jahre alt ist. Darüber hinaus ist der authentische Zustand wichtig. Kommode, Tisch oder Schrank dürfen also nicht aus verschiedenen alten Möbelteilen zusammengesetzt und nicht umgebaut sein. Der Fachhändler prüft immer besondere Merkmale: Sind die konstruktiven Teile in klassischer Handwerkskunst hergestellt? Welche Gebrauchsspuren hat die Oberfläche? Wie sieht die Rückwand aus?"

Worauf kommt es beim Zustand antiker Einrichtungsgegenstände an?

Georg Britsch: "Echt antik ist der Einrichtungsgegenstand erst, wenn er nicht 'überrestauriert' wurde. Das heißt also, dass 80 bis 90 Prozent des Exponats original sein müssen."

Wie kann ich erkennen, ob ein Stück tatsächlich aus der angegebenen Zeit stammt?

Georg Britsch: "Das ist für den Laien mit bloßem Auge schwierig. Eigentlich kann nur der erfahrene sowie geschulte Fachmann die Epoche bestimmen und diese dann per Zertifikat dem Käufer garantieren."

Sind antike Möbelstücke eigentlich alltagstauglich?

Georg Britsch: "Ja, und wie. Die Antiquitäten beweisen zum einen schon seit 100 Jahren und mehr, dass sie so einiges aushalten können. Sie haben schon viele Generationen überdauert, die eine oder andere Reise und Umzüge überstanden. Die hochwertigen Hölzer, veredelten Oberflächen und natürlich die handwerklich sowie qualitativ aufwendige Verarbeitung machen aus den Antiquitäten fast unverwüstliche Einrichtungsgegenstände. Antike Möbel wollen und sollen benutzt werden. Und sollte es tatsächlich mal auffälligere Gebrauchsspuren geben, dann lassen sich diese schnell und problemlos beim Fachmann restaurieren."

Worauf muss ich bei der Nutzung und Pflege achten?

Georg Britsch: "Sie sollten vor allem Spaß an der Benutzung haben. Die Pflege ist eigentlich auch einfach und unkompliziert. Sie sollten lediglich darauf achten, Antikpflege aus dem Fachhandel und nicht Allzweckpflegemittel aus dem Supermarkt zu verwenden. Diese sind meist ungeeignet und aggressiv, so dass sie dem schönen Möbel eher Schaden zufügen würden. Diesbezüglich kann der Fachhändler gut beraten und die passenden Mittel aussuchen."

Kann ich antike Stücke, beispielsweise einen Kleiderschrank, an meine Bedürfnisse anpassen?

Georg Britsch: "Selbstverständlich. Bei antiken Schränken fehlt sowieso meist die originale Einteilung. Der Antikexperte kann eine solche Einteilung auf Maß nach Kundenwunsch und Absprache anfertigen. Ganz individuell nach Bedarf und Vorstellung."

Müssen antike Möbel teuer sein?

Georg Britsch: "Nein. Echte Antiquitäten müssen nicht unbedingt mehr Geld kosten, als neue Stücke aus dem Möbelhaus. Oft fallen die Preisunterschiede gar nicht so groß aus. Vor allem wenn man bedenkt, dass historische Möbel immer Einzelstücke sind, deren handwerklich aufwendige Herstellung heute kaum mehr bezahlbar wäre. Außerdem halten die antiken Einrichtungsgegenstände mindestens ein Leben lang, während neue gerne schnell massive Qualitätsverluste zeigen. Das relativiert den Preis dann nochmal erheblich."

Sind antike Möbel eigentlich in der Hausratversicherung mitversichert?

Georg Britsch: "Die Hausratversicherung reicht auf jeden Fall aus, sie muss eventuell beim Betrag angepasst werden, wenn etwa ein sehr teures Stück neu angeschafft wurde. Eine zusätzliche Kunstversicherung ist im Allgemeinen nicht nötig."

Warum sind antike Möbel chemiefrei und wohngesund?

Georg Britsch: "Antike Möbel bestehen zum Großteil aus wertigem Holz wie Eiche, Nussbaum, Mahagoni oder Kirschbaum. Dieses Material wurde zur Zeit der Fertigung noch nicht mit gesundheitsbelastenden Materialien bearbeitet. Heute kann die Luft in den Räumen durch Schadstoffe in Lacken, Leimen oder Holzschutzmitteln beeinträchtigt sein, das alles gab es damals noch nicht. Auch existierten keine Spanplatten, die Formaldehyd abgeben können. Flüchtige organische Verbindungen wird man bei einem original erhaltenen oder fachmännisch aufbereiteten antiken Teil kaum feststellen können."

Wohin wende ich mich, wenn ich beim Kauf auf Nummer sicher gehen will?

Georg Britsch: "Am besten an ausgewiesene Fachhändler. Das sind diejenigen, die in den großen Kunsthandelsverbänden organisiert sind. Dazu zählen beispielsweise der KD Kunsthändlerverband Deutschland e.V., der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. oder international die Vereinigung Cinoa. Antikexperten garantieren mit ihrem Fachwissen und ihrem guten Namen für die Echtheit des Möbels. Außerdem stellen sie Zertifikate für das antike Mobiliar aus. So kann der Laie sicher sein, dass er eine echte Antiquität erworben hat."

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