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Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen Archivtext.

Traditioneller Höhepunkt der Rabattsaison

Sommerschlussverkauf lockt mit Preisreduzierungen von bis zu 70 Prozent
Schnäppchen über Schnäppchen - ein Beutezug durch die Geschäfte lohnt sich im Sommerschlussverkauf. Foto: djd/Credit Plus Bank

Schnäppchen über Schnäppchen - ein Beutezug durch die Geschäfte lohnt sich im Sommerschlussverkauf. Foto: djd/Credit Plus Bank

(dtd).Eigentlich gibt es ihn nicht mehr und trotzdem wird der Sommerschlussverkauf heiß erwartet. Es ist wie ein Ritual. Schon Wochen vorher tigern Schnäppchenjäger durch die Geschäfte und spähen das Sortiment aus, um dann gezielt Beute zu machen, wenn der SSV-Startschuss fällt. Etwa drei Viertel der deutschen Einzelhändler beteiligen sich laut Einzelhandelsverband an diesem nun freiwilligen Schlussverkauf.

„Die Verbraucher können sich nicht nur über radikal reduzierte Sommermode und Schuhe, Lederwaren und Sportbekleidung freuen, sondern auch über viele Schnäppchen in Baumärkten, bei Unterhaltungselektronik, Möbeln und Haushaltswaren“, so Ulrike Hörchens, Sprecherin des Handelsverbands HDE, auf dessen Internetseite www.einzelhande.de. Der freiwillige Sommerschlussverkauf gehe meist über zwei Wochen, könne je nach Standort und Wetter aber auch länger dauern.

Der SSV sei Höhepunkt und Finale der Rabattsaison. Mit dem SSV endet die Sommersaison und Platz wird geschaffen für die Herbstkollektionen. Deshalb setzen viele Händler noch einmal kräftig den Rotstift an. Reduzierungen, die in der Spitze bei bis zu 70 Prozent liegen, sind dann keine Seltenheit, so Hörchens. Zwar sei in den vergangenen Monaten viel Sommermode verkauft worden. Aber wegen des wechselhaften Wetters im Juni gebe es noch genügend Sommermode und eine gute Auswahl an SSV-Angeboten.

Geschichte des SSV

Die Geschichte der Saisonschlussverkäufe ist mehr als 100 Jahre alt. Im Juni 1909 wurden im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb die Saisonschlussverkäufe erstmals Regeln unterzogen, weil bis dahin nur Beamte und Werksangehörige die Chancen auf Werksverkäufe hatten, Otto Normalverbraucher aber auch günstig einkaufen wollte. 1950 dann erließ das Bundeswirtschaftsministerium die sogenannte Verordnung über Sommer- und Winterschlussverkäufe für den Einzelhandel. Demnach durften jedes Jahr zwei Saisonschlussverkäufe durchgeführt werden: Im Winter Ende Januar bis Anfang Februar und im Sommer Ende Juli bis Anfang August. Lediglich zwölf Werktage war es den Einzelhändlern erlaubt, ihren Kunden saisonabhängige Ware mit saftigen Rabatten zu verkaufen. Winterschlussverkauf (WSV) und Sommerschlussverkauf (SSV) waren über 50 Jahre lang neben dem Weihnachtsgeschäft festen Größen im Einzelhandel. Jedes Jahr aufs Neue rüsteten sich Deutschlands Schnäppchenjäger für den Kampf am Wühltisch, wurde gespart, um dann das beste Stück zu ergattern oder die Sommer-/Wintergarderobe für die kommende Saison zu ergänzen.

Mit der Reform des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb im Jahre 2004 wurden SSV und WSV faktisch abgeschafft. Seither sind Schlussverkäufe nicht mehr auf Sommer und Winter beschränkt. Jeder Einzelhändler kann selbst entscheiden, wann für ihn die beste Saison für einen Schlussverkauf ist. Auch die dann angebotene Ware muss nicht mehr auf die Saison beschränkt sein.

50 Jahre Tradition

Doch 50 Jahre SSV und WSV lassen sich nicht einfach aus den Köpfen der Verbraucher drängen. Dies haben die Einzelhändler erkannt. Deshalb gibt es auch weiterhin Ende Juli und Ende Januar reduzierte Ware, hängen „Sale“-Plakate in den Schaufenster und den Geschäften, beginnt die Schnäppchenjagd. Was für die reale Einkaufswelt gilt, gilt auch für die virtuelle. Auch im Internet orientieren sich viele Shops an den Schlussverkaufszeiten, an die die Verbraucher ein halbes Jahrhundert lang gewöhnt waren.
Viele Käufer hielten sich in den vergangenen Wochen mit dem Kauf von Schuhen oder Sommertextilien zurück, obwohl schon lange vor den traditionellen Schlussverkaufswochen die Preise purzelten. Der Verbraucher weiß: Da geht noch was, schließlich beginnt der Schlussverkauf ja erst! Der Einzelhand


„Sale“ – zieht magisch an
Psychologie der Schnäppchenjagd

(dtd).Sonderangebote haben eine magische Anziehungskraft auf Verbraucher und machen Rabattaktionen wie Schlussverkäufe so interessant. Diese Anziehungskraft hat neben dem ganz handfesten Grund, Geld sparen zu wollen, noch zahlreiche andere, die in unserer Psychologie verankert sind. Oder wie ist es sonst erklärbar, dass manche an keinem Sonderangebot vorbeikommen?

Erklärungen dafür gibt es viele. Eine davon könnte sein, dass der Unterschied zwischen Originalpreis und reduziertem Preis so groß ist, dass man das Gefühl hat: Wenn ich da nicht zugreife, bin ich selbst schuld; so eine Chance kommt nicht wieder. Der Verbraucher wird durch die Rabatte quasi unter Druck gesetzt, sich so ein unschlagbares Angebot zumindest einmal anzuschauen. Zwar sind sogenannte Mondpreise nicht erlaubt, kommen aber doch immer wieder einmal vor: Der Preis des Produktes wird vor dem Schlussverkauf so angehoben, dass er im Schlussverkauf „radikal“ reduziert werden kann. Das angepriesene Angebot ist gar keines. Für den Verbraucher bedeutet dies: Augen auf beim Schnäppchenkauf.

Eine andere Erklärung dafür, warum uns Schnäppchen magisch anziehen, liefern zwei amerikanische Wissenschaftler: Der Nachname ist Schuld. Kurt Carlson von der Georgetown Universität und Jacqueline Conard von der Belmont Universität in Nashville wollen herausgefunden haben, dass man für Sonderangebote empfänglicher ist, je weiter hinten im Alphabet der Anfangsbuchstabe des Nachnamens steht. Sie testeten dies unter anderem in zwei Versuchen: Einmal boten sie per E-Mail Freikarten für ein Basketballspiel an, beim zweiten Versuch sollten die Probanden einen Fragebogen mit einer Gewinnchance auf 500 US Dollar ausfüllen. In beiden Fällen meldeten sich jene Personen zuerst, deren Anfangsbuchstabe des Nachnamens im Alphabet hinten ist. Carlson und Conard erklären dies damit, dass schon in der Schulzeit nach alphabetischer Reihenfolge ausgeteilt, organisiert, verteilt werde. Jene, die im Alphabet vorne liegen, hätten quasi noch die Auswahl. Je weiter es nach hinten ginge, desto weniger Auswahl hätten die Betroffenen. Deshalb würden diese Personen aus Angst, leer auszugehen, bei Sonderangeboten, Gewinnspielen und Ähnlichem schneller zugreifen und mitmachen als die anderen.


Eine Frage des Geldes
Was ist beliebter: Fabrikverkauf oder Schlussverkauf

(dtd). Seit der Abschaffung der Saisonschlussverkäufe gibt es praktisch das ganze Jahre Möglichkeiten, das ultimative Schnäppchen zu machen. Ob in der realen Welt und im Internet. Neben den Schlussverkäufen kann man allerdings im Fabrikverkauf Geld sparen. Ist dies eine Konkurrenz zum Schlussverkauf?

Laut einer Studie der Zeitschrift „stern“ aus dem Jahr 2005 können knapp zwei Drittel der deutschen Verbraucher auf Schlussverkäufe zu festgelegten Terminen verzichten. Die repräsentative stern-Studie Trendprofile „Schlussverkauf“ legt weiter dar, dass 62 Prozent der befragten Konsumenten ganzjährige stattfindende Rabattaktionen befürworten. Bildung und Einkommen spielen bei der Beurteilung „Schlussverkauf ja/nein“ offensichtlich eine große Rolle. 42 Prozent der Verbraucher mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von netto 3.000 Euro und mehr kümmern sich nicht um Winter- oder Sommerschlussverkaufswochen. Bei den Verbrauchern mit einem monatlichen Haushalteinkommen von netto bis zu 1.500 Euro sind es nur 34 Prozent.

Traditionelle Schlussverkäufe haben also immer noch eine große Bedeutung, obwohl mittlerweile ganzjährig Rabattaktionen durchgeführt werden können. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine europaweite Umfrage der amerikanischen Firma Avery Dennison (Preisauszeichnungs- und Beschriftungssysteme) in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut TNS. In Großbritannien, Spanien und Frankreich wurden im Juni 2010 dafür 1.500, überwiegend weibliche Verbraucher befragt. Demnach wollen 76 Prozent der Befragten ihre Modeartikel im Ausverkauf erwerben und haben dafür keine Budgetvorgaben. Mindestens ein Drittel der Ausgaben für Bekleidung wollen sie im Schlussverkauf tätigen.

Die Jagd nach Schnäppchen ist also tatsächlich grenzenlos, denn diese Studie hat ein ganz deutliches Ergebnis, dass jeder von uns wohl schon am eigenen Leib erfahren hat: 78 Prozent der Kunden kaufen im Schlussverkauf Waren, die sie eigentlich gar nicht kaufen wollten. Überzeugt hat wohl der Preis, denn die Kunden kauften nur, weil sie die Ware für ein Schnäppchen hielten. Weitere Informationen dazu unter www.forum-einzehandel.de.


Verbraucherinfos zum Schnäppchenkauf
Die sogenannten Mondpresie sind verboten

(dtd).Preisnachlässe von mehr als 50 Prozent! Da lohnt es sich, zu zugreifen. Doch nicht alles was reduziert, ist auch tatsächlich ein Schnäppchen. Auch beim Schlussverkauf sollten die Kunden kritisch sein.

Im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sind die Formalitäten und damit auch die Rechte und Pflichten von Käufern und Verkäufern bei Schlussverkäufen klar geregelt. So dürfen die Rabatte und der Originalpreis nicht aus der Luft gegriffen sein. Diese sogenannten Mondpreise - also Preise, die vor dem Schlussverkauf erhöht wurden, um dann im Schlussverkauf den Kunden einen sehr hohen Rabatt einzuräumen – sind verboten. Der durchgestrichene Preis muss einige Zeit vorher auch tatsächlich verlang worden sein, und nicht nur einen Tag. Auch muss klar und deutlich feststellbar sein, ob es sich bei dem durchgestrichenen Preis um den Originalpreis oder um die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers handelt. Auch muss der Händler einigen Vorrat von der reduzierten Ware haben, sie darf also nicht schon nach wenigen Stunden ausverkauft sein. Dies wäre ein unseriöses Angebot, dass Kunden einer Verbraucherzentrale melden können, die dann weitere Schritte gegen den Händler unternimmt.

Auf ihren Internetseiten geben die jeweiligen Verbraucherzentralen der Bundesländer Tipps für den SSV.
Umtausch ist Kulanz des Händlers - Kunden können nicht auf ein Umtauschrecht pochen, wenn die Ware aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gefällt.

Reklamation mangelhafter Ware - Wenn beim Kauf der Ware vom Händler nicht ausdrücklich auf deren Fehler hingewiesen wurde, können fehlerhafte SSV-Schnäppchen zwei Jahre nach dem Kauf reklamiert werden.

Geldrückgabe erst nach Reparatur oder Ersatzlieferung – Händler dürfen mangelhafte Ware zweimal reparieren lassen oder für Ersatz sorgen, bevor sie dem Kunden das Geld dafür zurück geben.
Auf jeden Fall sollte man den Kassenzettel aufheben, um im Fall des Falles eine Reklamation geltend machen zu können.


Männer- oder Frauensache:
Auf der Jagd nach dem besten Preis

(dtd).Einkaufen gehen – das bedeutet für Frauen etwas anderes als für Männer. Was wir alle schon lange wussten, haben Forscher der Wharton School der University of Pennsylvania (USA) im Jahr 2007 in einer Studie wissenschaftlich belegt.

Demnach ist für die meisten Frauen das Einkaufen ein Erlebnis. Die meisten Männer dagegen sehen im Einkaufen eine Aufgabe, die zügig erledigt werden muss, um sich anderen Dingen zuwenden zu können. Deshalb legen Frauen wert auf eine gewisse Einkaufsatmosphäre, wollen beraten werden, vergleichen Produkte und Preis in verschiedenen Geschäften. Da Männer im Einkauf eine Aufgabe sehen, sind Atmosphäre und Beratung nicht unbedingt zu deren Erfüllung nötig. Die Wissenschaftler vermuten, dass bei Männern das erlebnisorientierte Einkaufen verkümmert ist, weil über Generationen hinweg meist Frauen für sie eingekauft haben. Allerdings räumen die Forscher auch ein, dass viele Männer in einem Baumarkt ähnliche Shopping-Erlebnisse haben können, wie Frauen beispielsweise in dem viel zitierten Schuhladen.

Ob Frauen oder Männer die besseren Schnäppchenjäger sind, lässt diese Studie offen. Aus persönlicher Erfahrung wissen wir wohl aber alle: Frauen sehen im Schlussverkauf ein sinnliches Ereignis, Männer gehen diese Tage mehr sportlich und ergebnisorientiert an. Nachlesen kann man die Studie „Men buy, women shop“ unter knowledge.wharton.upenn.edu/article.cfm

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verfasst am 22.07.2011