Weitere Reisethemen
Artikel vom 01.11.2014

Reiseandenken einführen

Hunderte von verbotenen Souvenirs werden jedes Jahr auf deutschen Flughäfen beschlagnahmt. Darunter auch lebende Tiere wie Papageien, Schildkröten oder Affen. Foto: djd/WWF Deutschland/Rob Webster
Hunderte von verbotenen Souvenirs werden jedes Jahr auf deutschen Flughäfen beschlagnahmt. Darunter auch lebende Tiere wie Papageien, Schildkröten oder Affen. Foto: djd/WWF Deutschland/Rob Webster

Reiseandenken, Schmuckkästchen aus Elfenbein, getrocknete Seepferdchen, bunte Korallenketten oder Gürtel aus Krokoleder: In vielen Urlaubsländern werden solche Reiseandenken auf Märkten oder in Souvenirshops angeboten. Touristen kaufen sie als Reiseandenken, oftmals ohne zu ahnen, dass sie sich damit bei der Einfuhr nach Deutschland strafbar machen.

Das böse Erwachen kommt dann am Flughafen: Die exotischen Reiseandenken werden vom Zoll beschlagnahmt. Volker Homes, Leiter der Abteilung Artenschutz von der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF), erklärt, warum die Einfuhr zahlreicher Souvenirs verboten ist, welche Konsequenzen ein Regelverstoß für Urlauber haben kann, worauf Touristen beim Kauf von Reiseandenken achten sollten und welche Hilfestellung ihnen der WWF-Souvenirführer dabei bieten kann.

Jährlich werden Hunderte von Reiseandenken auf deutschen Flughäfen beschlagnahmt. Warum sind so viele Waren verboten? Warum gibt es Einreisebestimmungen für Tiere?

Weltweit sind immer mehr Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht und stehen daher unter Artenschutz. Der Handel mit diesen Arten oder Produkten aus diesen Arten unterliegt strengen Vorschriften und ist teilweise auch ganz verboten. Der Kauf vieler Reiseandenken treibt die Ausrottung seltener Tiere und Pflanzen voran und bedeutet zudem häufig sinnloses Töten von wild lebenden Tieren.

Welche Konsequenzen hat es, wenn Touristen mit illegalen Reiseandenken erwischt werden?

Die Reiseandenken werden beschlagnahmt und oftmals ist eine saftige Geldstrafe im drei- bis vierstelligen Bereich die Folge. Bei besonders schweren Verstößen kann sogar eine Haftstrafe drohen. Unwissenheit schützt übrigens nicht vor Strafe.

Oftmals bieten Händler Ausfuhrgenehmigungen für ihre Reiseandenken an. Stehen Touristen damit nicht auf der sicheren Seite?

Nein. Vor allem in Ländern Zentralafrikas, Südostasiens oder Südamerikas werden auf den Touristenmärkten zahlreiche Waren angeboten, die nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen verboten sind. Zum Beispiel Felle, Haifisch-Zähne, Muscheln, Produkte aus Schildkrötenpanzer, ausgestopfte Greifvögel oder auch Orchideen und Kakteen. Oftmals beteuern die Händler, dass ihre Ware legal sei oder sie bieten Ausfuhrbewilligungen an. Doch Touristen sollten diesen Beteuerungen nicht glauben, Genehmigungen für Reiseandenken können nur die zuständigen Behörden des Landes ausstellen. Zusätzlich ist bei der Einfuhr nach Deutschland eine Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nötig.

Für viele Souvenirs werden bedrohte Arten getötet. Der WWF-Souvenirführer informiert darüber, welche Souvenirs artenschutzfreundlich sind und bedenkenlos gekauft werden können. Foto: djd/WWF Deutschland
Für viele Souvenirs werden bedrohte Arten getötet. Der WWF-Souvenirführer informiert darüber, welche Souvenirs artenschutzfreundlich sind und bedenkenlos gekauft werden können. Foto: djd/WWF Deutschland

In einigen Urlaubsländern bieten Händler auch lebende Tiere an, wie kleine Äffchen oder Papageien. Ist es ratsam solche Tiere zu kaufen?

Generell raten wir davon ab, lebende Tiere zu kaufen, auch wenn sie einem leidtun. Jedes dieser "geretteten" Tiere wird sofort durch ein neues ersetzt. In vielen Fällen ist die Einfuhr zudem illegal, in anderen ist eine Genehmigung nötig.

Wie können Touristen sichergehen, dass sie die richtigen Reiseandenken kaufen?

Wer eine Fernreise plant, kann sich bei der Reisevorbereitung auf den Seiten des Zolls informieren, welche Arten in dem betreffenden Urlaubsland absolut tabu sind. Eine gute Hilfestellung beim Souvenirkauf bietet zudem der kostenlose WWF-Souvenirführer, den man sich am besten vor dem Start in den Urlaub besorgt. Der Ratgeber im praktischen Scheckformat informiert darüber, welche Reiseandenken man kaufen kann und von welchen man lieber die Finger lassen sollte. Dabei hilft ein einfaches Ampelsystem: Rote Kennzeichnung bedeutet, dass der Handel strafbar ist, bei orange markierten Reiseandenken sind Genehmigungen erforderlich und grün steht für unproblematische, empfehlenswerte Souvenirs. Dazu zählen beispielsweise Glasschmuck, Töpferwaren, Steinskulpturen, Flechtarbeiten oder Handwerk aus Draht und Blech.

Wo gibt es diesen WWF-Souvenirführer?

Der kostenlose Souvenirführer kann im Internet unter www.wwf.de heruntergeladen werden oder unter der Adresse "WWF Deutschland, Infoservice, Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin" bestellt werden. Eine telefonische Bestellung unter der Telefonnumer 030-311777-700 ist ebenso möglich.

Immer noch werden für den Handel mit Stoßzähnen zahlreiche Elefanten getötet. Touristen sollten deshalb darauf verzichten, Souvenirs aus Elfenbein zu kaufen. Foto: djd/WWF Deutschland/Folke Wuff
Immer noch werden für den Handel mit Stoßzähnen zahlreiche Elefanten getötet. Touristen sollten deshalb darauf verzichten, Souvenirs aus Elfenbein zu kaufen. Foto: djd/WWF Deutschland/Folke Wuff