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Artikel vom 26.08.2016

Automatisiertes Fahren: Was kann die Technik schon heute?

Silberner BMW mit Sensor auf dem Dach im Straßenverkehr.
Das Auto, das alleine fährt: Bosch-Testfahrten für automatisiertes Fahren auf der Autobahn erfolgen bereits seit einigen Jahren im regulären Straßenverkehr. Foto: djd/Robert Bosch

Baustellen, Unfälle, Staus: Längere Strecken auf der Autobahn zurückzulegen, ist nicht immer das reinste Vergnügen. Vor allem der dichte Verkehr nervt: Über eine halbe Million Staus wurden 2015 in Deutschland gezählt, die Gesamtlänge betrug 1,1 Millionen Kilometer - diese Blechlawine würde 28 Mal die Erde umrunden. Automatisiertes Fahren verbessert den Verkehrsfluss und schont dadurch sowohl die Nerven der Autofahrer als auch die Umwelt. Es entlastet den Fahrer und könnte viele tausende Unfälle vermeiden. Das Ziel: ein komplett automatisiertes Fahren auf der Autobahn. Die zunehmende Automatisierung kann die Unfallzahlen weiter senken - alleine in Deutschland um bis zu ein Drittel. Hier finden Sie einen Überblick über die Entwicklungsstufen des automatisierten Fahrens.

Automatisiertes Fahren: Von Assistenzsystemen bis zum selbstfahrenden Auto

Drei Autos im Straßenverkehr, die verschiedene Automatisierungsstufen aufweisen. Bei den Auto wurden kurze Erklärungen zu teilautomatisiert, hochautomatisiert und vollautomatisiert eingefügt.
Von Fahrerassistenzsystemen führt die Entwicklung der Technik über das teilautomatisierte Fahren hin zum vollautomatisierten Fahren der Zukunft. Foto: djd/Robert Bosch
Silbernes Auto im Straßenverkehr mit Sensor, der den Abstand zu anderen Autos selbsttätig misst.
Die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung (ACC) kann das Fahrzeug selbsttätig beschleunigen und abbremsen. Foto: djd/Robert Bosch

Fahrerassistenzsysteme bilden die Basis für das automatisierte Fahren und spielen beim Autokauf eine immer größere Rolle. Einige Systeme, etwa Park- und Notbremssysteme, sind bereits heute in vielen Fahrzeugen verfügbar - teils sogar als Serienausstattung. Die folgenden unsichtbaren Beifahrer in Form von Fahrerassistenzsystemen, beispielsweise von Bosch, helfen schon heute den Autofahrern in vielen Situationen:

  • Adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung (ACC): Mit Hilfe eines Radarsensors hält das System automatisch die vom Fahrer vorgegebene Geschwindigkeit und den eingestellten Sicherheitsabstand zum Vordermann. Autofahrer gelangen so entspannter an ihr Ziel und sparen durch die gleichmäßigere Fahrweise zudem Kraftstoff.
  • Spurverlassenswarnung: Auf das unbeabsichtigte Verlassen der Fahrbahn macht dieses System zum Beispiel durch ein vibrierendes Lenkrad aufmerksam. Ein Videosensor erkennt die Fahrspurmarkierungen. Droht das Fahrzeug die Fahrspur unbeabsichtigt zu verlassen, schlägt der Assistent Alarm.
  • Spurhalteassistent: Dieses System hilft dabei, das Auto in der Fahrspur zu halten. Über einen Videosensor erkennt das System die Fahrbahnmarkierungen. Wird ein Mindestabstand unterschritten, greift der Assistent ein: Bei Fahrzeugen mit elektrischer Servolenkung lenkt er sanft aber spürbar gegen. Bei Fahrzeugen ohne elektrische Servolenkung erfolgt das Gegenlenken über das gezielte Abbremsen einzelner Räder. Der Fahrer kann die Funktion jederzeit übersteuern und behält so die Verantwortung für das Fahrzeug.
  • Spurwechselassistent: Radarsensoren, in der Heckpartie des Fahrzeugs installiert, überwachen kontinuierlich den rückwärtigen Verkehrsraum neben und schräg hinter dem Auto. Vor einem Spurwechsel warnt der Assistent den Fahrer beispielsweise durch ein Leuchtsymbol im Bereich des Außenspiegels, falls sich ein anderes Auto schnell von hinten nähert oder bereits im toten Winkel befindet.
  • Vorausschauendes Notbremssystem: Erkennt ein Radar- oder Videosensor vor dem Auto ein potenzielles Hindernis, wird die Bremsanlage zunächst auf eine Vollbremsung vorbereitet und der Fahrer gewarnt. Bleibt die Reaktion aus, leitet das System eine Teilbremsung ein, um die mögliche Reaktionszeit zu verlängern. Sobald der Fahrer auf das Bremspedal tritt, unterstützt ihn das System dabei, einen Auffahrunfall zu vermeiden. Reagiert der Fahrer auch auf die Teilbremsung nicht und erkennt das System, dass ein Unfall unvermeidbar ist, beginnt es eine selbsttätige Vollbremsung und kann so die Unfallfolgen mildern.

Teilautomatisiert auf der Autobahn

Blaues Auto im Straßenverkehr, das durch einen Sensor den vor ihm beginnenden Stau selbstständig erkennt und abbremst.
Mit dem Stauassistenten folgt das Auto bis Tempo 60 in dichtem Verkehr selbstständig dem vorausfahrenden Fahrzeug. Foto: djd/Robert Bosch

Die heutigen Systeme werden in den kommenden Jahren weiterentwickelt - über teilautomatisierte Lösungen bis hin zum hochautomatisierten Fahrmodus, bei dem der Fahrer die komplette Fahraufgabe vorübergehend an das System abgeben kann. Teilautomatisiert bedeutet, dass ein Auto zum Beispiel im Stau selbständig Gas gibt, bremst und lenkt. Der Fahrer muss das System allerdings noch ständig überwachen und den Verkehr aufmerksam beobachten. Mit dem Stauassistenten etwa befindet sich ein solches teilautomatisiertes System bereits in Serie: Bis Tempo 60 folgt der Assistent in dichtem Verkehr selbstständig dem vorausfahrenden Fahrzeug. Zudem hält er das Auto mit Lenkkorrekturen in der Spur. Der Fahrer wird entlastet und kann sich ganz auf die Überwachung des Systems konzentrieren. Eine weitere teilautomatisierte Funktion, die über den Stauassistenten hinausgeht, ist die integrierte Spur- und Abstandsregelung: Damit erhält der Fahrer eine Unterstützung auch bei höheren Geschwindigkeiten.
Auf die integrierte Spur- und Abstandsregelung folgt der Autobahnassistent. Dieser realisiert auf Fahrerwunsch zusätzlich auch einen automatisierten Spurwechsel: Wenn der Fahrer auf mehrspurigen Straßen den Blinker betätigt, fährt das Fahrzeug selbstständig auf die Nachbarspur. Der Fahrer bleibt aber auch hier für das Fahrmanöver in der Verantwortung.

Hochautomatisiert auf der Autobahn

Zu den hochautomatisierten Funktionen, die in Zukunft mit Systemen etwa von Bosch in Serie gehen können, zählt der Staupilot: Bei Geschwindigkeiten bis 60 Stundenkilometer wird dann keine Überwachung durch den Fahrer mehr erforderlich sein. Er kann die Kontrolle für eine gewisse Zeit vollständig an das System übergeben und muss erst nach Aufforderung durch das System wieder in der Lage sein, das Steuer zu übernehmen. Der Autobahnpilot schließlich wird bei Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h die gesamte Fahrt von Ausfahrt zu Ausfahrt auf der Autobahn übernehmen können. Die letzte Stufe ist schließlich der sogenannte Auto Pilot. Bei diesem vollautomatisierten System ist keinerlei Überwachung durch den Fahrer mehr nötig. In Zukunft sollen Autos damit selbstständig von A nach B fahren können - während der Fahrer entspannt E-Mails beantwortet oder ein Buch liest. Erprobungen sind heute schon im Gange, Experten sind sich einig, dass das automatisierte Fahren in nicht mehr ferner Zukunft zur Realität werden kann. "Automatisiertes Fahren kommt - nicht von heute auf morgen, aber schrittweise. Das wird nicht nur die Sicherheit im Straßenverkehr, sondern auch die Faszination am Autofahren weiter erhöhen", unterstreicht Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control.

Ein Mann sitzt mit Händen auf dem Schoß im automatisierten Auto.
Hände weg vom Lenkrad: Im Auto der Zukunft kann der Fahrer das Steuern, Gasgeben und Bremsen auf Wunsch komplett der Technik überlassen. Foto: djd/Robert Bosch
Schwarzes, hochautomatisiertes Auto wird auf der Autobahn getestet.
Bis zur Serienreife werden noch einige Jahre vergehen - aber schon heute wird das hochautomatisierte Fahren auf Autobahnen getestet. Foto: djd/Robert Bosch

Automatisiertes Fahren im Video

Mehr Eindrücke, was technisch heute bereits möglich ist, vermittelt dieses Video:

#AutomatisiertesFahrenRGZ

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