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Straßenkarneval im Rheinland

Straßenkarneval im Rheinland.
Die Rosenmontagszüge in Mainz, Düsseldorf und Köln sind der krönende Abschluss der Session

„Mer han a Hätz for Kölle“, so hieß der Karnevalshit der Session 2011 in Köln. Am Donnerstag beginnt mit der Weiberfastnacht (auf kölsch „Wieverfastelovend“) der Straßenkarneval in den deutschen Hochburgen Mainz, Düsseldorf und Köln. Wie jedes Jahr reisen hunderttausende Besucher aus aller Welt ins Rheinland um ausgiebig zu feiern. Vor allem erleben sie die Umzüge am Rosenmontag. Die Besucherzahlen am Rosenmontag, dem Höhepunkt und krönenden Abschluss der Session, erreichen dabei die Millionengrenze. Letztes Jahr wurden in Düsseldorf eine Million Besucher gezählt. In Köln waren es sogar 1,5 Millionen, die im Rheinland gefeiert haben.

Ein Ventil für die Kritik an den Mächtigen

Der Begriff „Karneval“ ist seit dem Jahr 1728 im Rheinland belegt.  Die Wortetymologie ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, das aus dem mittellateinischen Wort „carne levare“ (dt. „Fleisch wegnehmen“) sich „carne vale“ entwickelt hat. Karneval wird auch als die fünfte Jahreszeit bezeichnet. In jeder Fastnachtshochburg sind spezifische Eigenarten entstanden. Der Lokalpatriotismus sowie die Verballhornung der jeweiligen Machthaber waren wichtige kulturelle Einflüsse. Die Mainzer verspotten im 19. Jahrhundert die Franzosen. Die Kölner, die im 19. Jahrhundert durch den Wiener Kongress „Muß-Preußen“ geworden waren,  konnten so straffrei Kritik an den Machthabern und deren Politik äußern und verballhornen. 1823 wurde der Straßenkarneval wieder belebt. Für politische Diskrepanzen ist der Karneval ein Ventil. 2011 ist anzunehmen, dass wahrscheinlich die Plagiatsaffäre Guttenbergs und sein schneller unerhoffter Rücktritt von Politbühne ein Thema ist. Die Rolle Westerwelles als Merkels Außenminister sowie die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche werden in diesem Jahr beherrschende Themen sein.

11.11. um 11.11 Uhr

Bereits am 11.11. um 11.11 Uhr eines jeden Jahres beginnt im Rheinland die Karnevalszeit, wobei das Prinzenpaar oder das Kölner Dreigestirn vorgestellt wird. Der so genannte Martinstag am 11. November leitet mit einem traditionellen Gänseessen die Karnevalszeit ein. Dieser „kleine“ Straßenkarneval  ist die Saisoneröffnung der jeweiligen Session. Bis zum Dreikönigstag am 6. Januar ist bedingt durch den Trauermonat November und durch die besinnliche Weihnachtszeit von Karneval nicht viel zu spüren.

Mit „Wieverfastelovend“ beginnt der Straßenkarneval  

Der Höhepunkt der Session ist die Karnevalswoche. Der Straßenkarneval beginnt mit der Weiberfastnacht um 11.11. und läutet das Ende der Wintermonate und der dunklen Jahreszeit ein. In der Kölner Altstadt kann man dann mit dem Dreigestirn und den Oberbürgermeister den Beginn der fünften Jahreszeit feiern. Während der rheinischen Weiberfastnacht haben an diesen Tag die Frauen, die„ Wiever“ die Macht über die Männer und  das Rathaus. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe wird es danach von den „Wievern“ gestürmt.

Mainz, Düsseldorf und Köln sind die Hochburgen

Von nun an sieht man überall verkleidete Karnevalisten. Die Karnevalisten feiern in Kneipen, gehen auf Sitzungen oder Karnevalsbälle. Der nächste Höhepunkt der Session sind die zahlreichen Umzüge. In kleinen Städten finden die Umzüge bereits am Nelkensamstag oder Tulpensonntag statt. Die Rosenmontagsumzüge in Mainz, Düsseldorf und Köln, die im Fernsehen live übertragen werden, sind die Highlights der Session. Während am Veilchendienstag noch ausgiebig gefeiert wird, beginnt mit dem Aschermittwoch die 40tägige Fastenzeit bis Ostern. Der Termin ändert sich immer, ist jedoch mit dem Osterfest, dem höchsten katholischen Feiertag gekoppelt. Das Aschekreuz aus den verbrannten Palmzweigen vom Palmsonntag symbolisiert die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Ein traditionelles Fischessen läutet die fleischlose Fastenzeit bis Ostern ein.

Karneval ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Durch die hohen Besucherzahlen ist die „fünfte Jahreszeit“ in Deutschland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, in der Milliarden Euro umgesetzt werden. Vor allem der Bierkonsum ist in der Karnevalswoche  am Höchsten. Obwohl der Bierdurst der Deutschen immer weniger wird, haben die Brauereien zu Karneval oder zum Oktoberfest sehr viel zu tun. Der Bierdurst in der Spaßhochburg Köln ist laut einem Berichtes des Handelsblattes besonders hoch. Meistens haben die Kölner Brauereien Engpässe in der Produktion des beliebten Kölschs. Die Karnevalstage sind keine gesetzlichen Feiertage. Im Rheinland ist es jedoch üblich, dass am Rosenmontag die Geschäfte und Büros geschlossen sind. Die noble Königsallee in Düsseldorf oder die geschäftige Schildergasse in Köln verwandelt  sich dann immer zu einer Feiermeile, auf der bis in die Nacht getanzt wird.

Karneval oder Fasching gibt es allerdings auch in anderen Gegenden außerhalb des Rheinlandes. So zum Beispiel in Aulendorf im Schwäbischen, wo sich ganze Fasnet nennt.

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verfasst am 03.03.2011