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Hämorriden: Abwarten ist keine Lösung!

Hämorridalleiden verlaufen in vier Stadien – wer früh aktiv wird, kann auch ohne Operation erfolgreich gegensteuern

Sei es aus Angst vor der bevorstehenden Behandlung oder aus falscher Scham – Menschen mit Analleiden suchen häufig erst Rat beim Arzt oder Apotheker, wenn der Leidensdruck zu hoch wird. Die wenigsten denken daran, dass sie der Erkrankung damit erheblichen Vorschub leisten. Denn anders als vielleicht gehofft, erledigen sich die unangenehmen Probleme in der Analregion nicht stillschweigend von selbst. Im Gegenteil: Wird die Behandlung von Hämorriden hinausgezögert, vergrößern sich die Gefäßpolster immer mehr. Am Schluss der Krankheitsentwicklung stehen dann häufig Stuhlinkontinenz und Operationen. Wie man verhindert, dass es soweit kommt, warum die Angst vor der Untersuchung unbegründet ist, wie die Krankheitsstadien verlaufen und welche konservativen Behandlungsmethoden Linderung versprechen, erfuhren die Anrufer des Expertentelefons am 14.04.2011 von vier ausgewiesenen Spezialisten.

Am Telefon saßen für Sie:

 Dr. Helga Küntscher, niedergelassene Fachärztin für Chirurgie und Proktologie in einer eigenen Praxis in München. Schwerpunkte: Behandlung von Hämorridalleiden unterschiedlicher Ausprägung, Obstipation, Ernährungsberatung

Werner Ponton, niedergelassener Facharzt für Chirurgie in einer kolo-proktologisch-chirurgischen Privatpraxis in München. Schwerpunkte: konservative und operative Therapie von Enddarmleiden, Verdauungs- und Kontinenzprobleme, Ernährung.

Dr. Frank Wütherich, niedergelassener Chirurg und Proktologe in einer eigenen Praxis in Ingolstadt. Schwerpunkte: konservative und operative Behandlung von Enddarmerkrankungen, ambulante Operationen.

Dr. Martina Grönig, Apothekerin in Berlin und Autorin medizinischer Publikationen. Schwerpunkte: Proktologie und Schmerztherapie.

Analthrombosen, Fissuren, Marisken, Abszesse, Hämorriden oder eine Krebsgeschwulst – Veränderungen am Analausgang können viele Ursachen haben. Daher wird Betroffenen der frühzeitige Gang zum Facharzt empfohlen. „Er kann eine bösartige Entartung ausschließen und die jeweils notwendige Behandlung einleiten“, erklärt der Münchner Proktologe Werner Ponton. Bei gewissenhafter Durchführung müsse die notwendige Untersuchung weder schmerzhaft noch unangenehm sein, so der Experte. In der Regel sei dazu nicht einmal eine besondere Vorbereitung nötig. Betroffene müssten also weder eine Abführkur noch einen Einlauf fürchten.

Am besten mit klarem Wasser reinigen

Dass Betroffene dennoch häufig lange zögern, bevor sie sich in Behandlung begeben, kann auch mit falschen Annahmen zur Entstehung von vergrößerten Hämorriden zusammenhängen. Etliche befürchten nämlich, die Beschwerden durch unzureichende Hygiene selbst verursacht zu haben. Hier gibt Dr. Frank Wütherich Entwarnung: „Eine Ursache für vergrößerte Hämorriden ist eine falsche Hygiene nicht“. Der Ingolstädter Proktologe weist jedoch darauf hin, dass einer sanften Analhygiene bei bereits bestehenden Hämorriden eine wichtige Rolle zukommt. Um das entzündliche Gewebe nicht zusätzlich durch heftiges Reiben zu reizen, empfiehlt er eine Nassreinigung mit klarem Wasser.

Pressdruck vermeiden

Eine Hauptursache für vergrößerte Hämorriden ist zu hoher Pressdruck bei der  Stuhlentleerung, wie er insbesondere bei Verstopfung und zu harten Stuhlgängen auftritt. „Die wichtigste Regel ist also, für einen wohlgeformten, gut entleerungsfähigen Stuhlgang zu sorgen - durch regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und reichliche Flüssigkeitszufuhr“, erklärt Dr. Helga Küntscher. Die Münchner Fachärztin weist nicht nur auf die Begünstigung der Erkrankung durch Bewegungsarmut, schlechte Ernährungs- und Trinkgewohnheiten hin, sondern warnt vor allem vor langen Toilettensitzungen.

Auch in beschwerdefreien Zeiten behandeln

Bei der Entstehung der Erkrankung werden vier Stadien beobachtet: Hämorridalleiden ersten Grades äußern sich mit hellroten Blutungen und Juckreiz, beim zweiten Grad kommen Brennen, Nässen und gelegentliche Schleimabsonderungen sowie Stuhlnachschmieren hinzu. Zu diesem Zeitpunkt ist noch eine einfache Behandlung mit Salben, Zäpfchen oder Haemotamps möglich. „Juckreiz und Brennen lassen sich am besten mit schnell lokal wirkenden Betäubungsmitteln wie Posterisan akut behandeln“, betont Dr. Martina Grönig. Da nach den Erfahrungen der Berliner Apothekerin die Beschwerden meist nicht permanent auftreten, empfiehlt Dr. Grönig die beschwerdefreien Phasen in die Behandlung mit einzubeziehen: „In der nicht akuten Phase eignet sich ein Präparat wie Posterisan protect, das die Analregion pflegt, die Elastizität der Haut erhöht sowie den empfindlichen Bereich vor Reizungen schützt und dem Wiederauftreten akuter Analerkrankungen vorbeugen kann.“

Lieber frühzeitig konservativ behandeln statt später operieren

Im dritten Stadium treten die Hämorridalpolster während des Stuhlgangs aus dem After hervor, lassen sich aber mit dem Finger in den Analkanal zurückschieben. Hier wird zumeist eine konservative Behandlung mit einer Gummibandligatur angewandt, bei der die Basis des Hämorridengewebes abgeschnürt wird: Das Gewebe stirbt ab und wird nach 10 bis 20 Tagen ausgeschieden. Hämorriden vierten Grades sind soweit vergrößert, dass sie dauerhaft vor dem Afterrand liegen. Neben Nässen, Juckreiz und Schmerzen tritt dabei oft eine Stuhlinkontinenz auf. In diesem Stadium ist eine Operation unvermeidlich. Eine Garantie, dass sich keine neuen Vergrößerungen bilden, bietet jedoch auch der chirurgische Eingriff nicht, weshalb frühzeitige konservative Behandlungsmethoden nach Einschätzung aller Experten vorzuziehen sind.

Falsche Scham verhindert rasches Handeln

Experteninterview mit Dr. Martina Grönig, Apothekerin in Berlin und Autorin medizinischer Publikationen zum Thema Hämorriden und den Möglichkeiten frühzeitiger Behandlungsmethoden

1.    Enddarmerkrankungen wie vergrößerte Hämorriden gelten als Zivilisationskrankheit. Was ist damit gemeint?

Dr. Martina Grönig, Apothekerin in Berlin: Unter Zivilisationskrankheiten versteht man Erkrankungen, die sich in Industrieländern entwickelt haben und in einem engen Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten stehen. Auslösende Faktoren können bei Hämorriden ungesunde Ernährungsgewohnheiten, sitzende Tätigkeit verbunden mit Bewegungsmangel, aber auch ein Unterdrücken des natürlichen Stuhldranges z. B. aus Zeitgründen sein. All diese Faktoren lösen Verstopfung aus, eine der Hauptursachen der Entstehung eines Hämorridalleidens.

2.    Viele Menschen denken gleich an Darmkrebs, wenn sie Blut im Stuhl feststellen. Wie kann man Enddarmerkrankungen unterscheiden?

Dr. Martina Grönig: Handelt es sich um hellrotes Blut, welches auf dem Stuhl aufliegt oder sich am Toilettenpapier zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um eine Blutung in Folge eines Hämorridalleidens handelt. Jedoch sollte jedem Patienten geraten werden, einen Arzt aufzusuchen, da nur er durch die notwendigen Untersuchungen eine genaue Diagnose stellen und bösartige Erkrankungen ausschließen kann.

3.    Vergrößerte Hämorriden entwickeln sich langsam. Wann sollten Betroffene aktiv werden?

Dr. Martina Grönig: Patienten sollten beim ersten Auftreten der Symptome aktiv werden. Durch eine regelmäßige Behandlung mit Salben und/oder Zäpfchen kann ein Fortschreiten vermieden oder wenigstens verlangsamt werden. Wesentlich ist, dass diese Medikamente nicht nur in der akuten Phase des Hämorridalleidens angewendet werden, sondern auch vorbeugend in der nicht-akuten Phase, in der sich kaum Symptome wie Brennen, Jucken oder Blutungen zeigen. Zusätzlich ist es ratsam, seine Lebensgewohnheiten anzupassen und auf eine dauerhafte gesunde Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausreichend Bewegung zu achten.

4.    Welche Erfahrungen haben Sie in der Apotheke gemacht: Warten die meisten Patienten mit Hämorridenleiden zu lange, bevor sie sich fachkundigen Rat holen?

Dr. Martina Grönig: Leider verstreicht bei den meisten Patienten viel Zeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Aufsuchen der Apotheke oder eines Arztes. Meist geschieht dieses aus falscher Scham, da es sich um einen sehr intimen Bereich handelt. Häufig wird erst dann Rat gesucht, wenn der Leidensdruck groß ist. Dies ist fatal, da ein Fortschreiten der Erkrankung nur dann verlangsamt oder verhindert werden kann, wenn früh genug behandelt wird.

5.    Hämorridalleiden verlaufen in mehreren Stadien. In den beiden ersten soll die Behandlung noch einfach sein – wie geht man hier vor?

Dr. Martina Grönig: Hämorridalleiden im ersten Stadium äußern sich in Form von hellroten Blutungen und Juckreiz, im zweiten Stadium werden diese Symptome ergänzt durch Brennen, Nässen und gelegentliche Schleimabsonderungen sowie Stuhlnachschmieren. Diese Beschwerden treten nicht permanent auf, der Patient erlebt auch symptomfreie Intervalle. Aus diesem Grund sollte die Therapie beide Phasen mit einbeziehen. Juckreiz und Brennen lassen sich am besten mit schnell lokal wirkenden Betäubungsmitteln wie Posterisan akut behandeln. In der nicht akuten Phase eignet sich ein Präparat wie Posterisan protect, das die Analregion pflegt, die Elastizität der Haut erhöht sowie den empfindlichen Bereich vor Reizungen schützt und dem Wiederauftreten akuter Analerkrankungen vorbeugen kann.

6.    Wie muss man sich Hämorriden im dritten Stadium vorstellen und welche Behandlungsmaßnahmen sind hier nötig?

Dr. Martina Grönig: Im dritten Stadium treten die Hämorridalpolster während des Stuhlgangs aus dem After hervor, können sich aber im Gegensatz zum zweiten Stadium nicht mehr von selbst in den Analkanal zurückziehen. Mit dem Finger können sie aber zurückgeschoben werden. In diesem Stadium wird häufig eine sogenannte Gummibandligatur angewandt, bei der die Basis des Hämorridengewebes abgeschnürt wird. Dieses Gewebe stirbt daraufhin ab und fällt nach 10 bis 20 Tagen ab.

7.    Wann müssen Hämorriden operiert werden?

Dr. Martina Grönig: Eine Operation ist im vierten Stadium erforderlich. Nämlich dann, wenn die Hämorriden soweit vergrößert sind, dass sie nicht mehr in den Analkanal zurückgeschoben werden können und dauerhaft vor dem Afterrand liegen. Neben Nässen, Juckreiz und Schmerzen tritt oft eine sogenannte Stuhlinkontinenz auf, bei der der Stuhl nicht mehr gehalten werden kann.

8.    Was kann man tun, damit sich die Hämorriden nach einer erfolgreichen Behandlung, Verödung oder Operation nicht erneut vergrößern?

Dr. Martina Grönig: Ein erneutes Auftreten vergrößerter Hämorriden lässt sich nicht in allen Fällen verhindern, jedoch sollte man jedem Patienten empfehlen, seine Lebensgewohnheiten zu ändern, sich dementsprechend ausgewogener und ballaststoffreicher zu ernähren, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sich mehr zu bewegen und die empfohlenen Hämorridenpräparate regelmäßig anzuwenden.

9.    Welche Rolle spielt eine regelmäßige Verdauung?

Dr. Martina Grönig: Eine regelmäßige Verdauung ist sehr wichtig. Es sollte immer auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung geachtet werden, um Verstopfung zu vermeiden. Diese ist eine der Hauptursachen für die Vergrößerung von Hämorriden, da viel mehr Druck notwendig ist, um den Darm zu entleeren. Hierdurch fließt mehr Blut in die Hämorriden, die Gefäßpolster werden größer. Wenn der Darm nun entleert wird, kann es zu Blutungen kommen. Zusätzlich werden durch den erhöhten Druck beim Pressen die Hämorriden stärker nach außen gepresst, der Patient nimmt dies oft als Fremdkörpergefühl wahr oder hat den Eindruck einer unvollständigen Entleerung.

10. Wie sollte eine gesunde und schonende Analhygiene aussehen?

Dr. Martina Grönig: Zu starkes Reiben mit Toilettenpapier, aber auch feuchtes Toilettenpapier, das Duftstoffe enthält, reizen die empfindliche Haut zusätzlich und sollten daher vermieden werden. Idealerweise sollte der Analbereich nach jedem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend trocken getupft werden. Am besten verwendet man hierfür extraweiches Toilettenpapier oder Einmalwaschlappen.

Die meistgestellten Leserfragen am Expertentelefon „HÄMORRIDEN“

1.    Mein Mann hat seit einiger Zeit Blut im Stuhl. Weil er Angst vor der Untersuchung und dem möglichen Ergebnis hat, will er partout nicht zum Arzt. Ist das denn wirklich so schlimm?

Werner Ponton, niedergelassener Facharzt für Chirurgie in einer kolo-proktologisch-chirurgischen Privatpraxis in München:

Die Angst vor der ersten proktologischen Untersuchung durch den After belastet alle Patienten. Dabei wird sie bei gewissenhafter Durchführung weder schmerzhaft noch unangenehm sein. Erkennt man Blut im Stuhl, sollte der Bereich um den After bis zum mittleren Abschnitt des Mastdarmes untersucht werden. Dazu ist in der Regel keinerlei Vorbereitung notwendig. Kein Abführen und auch kein Einlauf. Ziel ist es zunächst nur, die Stelle zu finden, aus der es blutet, und eine Krebserkrankung als Ursache auszuschließen.

2.    Ich habe große Hämorriden, die bei körperlicher Anstrengung manchmal spürbar hervortreten. Kann ich trotzdem noch Sport treiben?

Werner Ponton:

Da es sich hierbei meist nicht um ein akutes Ereignis handelt, können Sie meines Erachtens weiter Sport treiben. Sollte es dabei zu Blutungen kommen oder das ausgestülpte Gewebe nicht mehr von alleine zurückgehen, ist eine zeitnahe Behandlung beim Proktologen sinnvoll. Denn wenn das ausgestülpte Gewebe über längere Zeit den Schließbereich irritiert, führt dies zunehmend zu einer Schwächung der analen Schließmuskulatur. Dadurch wird der After mehr und mehr undicht (beginnende Inkontinenz). Dies kann durch eine frühzeitige Behandlung verhindert werden. Danach können Sie wieder in Ihrer sportlichen Aktivität aufgehen.

3.    Ich habe eine Verdickung am Analausgang. Woran kann ich erkennen, ob ich Hämorriden oder etwas anderes habe? Kann so etwas eventuell auch mal bösartig werden?

Werner Ponton:

Für den Laien ist es immer sehr schwierig, den Bereich um den After einzusehen und Veränderungen richtig zu beurteilen. Bei plötzlich auftretenden, häufig sehr schmerzhaften Schwellungen handelt es sich fast immer um Analthrombosen. Die narbigen Ränder eines Afterrisses (Analfissur) können als Verdickung getastet werden ebenso wie geschwollene Hautfalten (Marisken) oder Abszesse. Verdickungen durch Hämorriden sind eher die Ausnahme. In seltenen Fällen kann es sich auch um eine Krebsgeschwulst (Analkarzinom) handeln. Da so viele unterschiedliche Ursachen denkbar sind, sollte diese Veränderungen immer ein Proktologe beurteilen. Er kann eine bösartige Entartung ausschließen und die jeweils notwendige Behandlung einleiten.

4.    Wie kann ich verhindern, dass sich meine Hämorriden noch weiter vergrößern und operiert werden müssen? Wie kann ich selbst vorbeugen?

Dr. Helga Küntscher, niedergelassene Fachärztin für Chirurgie und Proktologie in München:

 

Hauptursache für ein Hämorridalleiden ist zu hoher Pressdruck bei der Stuhlentleerung, wie er insbesondere bei einer Verstopfung und zu harten Stuhlgängen auftritt. Die wichtigste Regel ist also, für einen wohlgeformten, gut entleerungsfähigen Stuhlgang zu sorgen - durch regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und reichliche Flüssigkeitszufuhr - und keine langen Toilettensitzungen abzuhalten.

5.    Da ich Schmerzen beim Toilettengang habe, versuche ich nur dann zu gehen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Meine Schwester meint, das wäre falsch. Ich müsse gerade auf eine regelmäßige Verdauung achten ...

Dr. Helga Küntscher:

Schmerzen beim Toilettengang sind Ausdruck von kleinen Wunden im Analkanal. Bei einer Stuhlvermeidung kommt es jedoch zur Verhärtung der ersten Stuhlgangsportion und damit erneut zu Rissen. Also: Hauptvoraussetzung für eine Besserung bei schmerzhaftem Toilettengang ist auch hier die regelmäßige Verdauung. Um dies zu erreichen, haben sich zusätzlich zu einer gesunden Ernährung Quellmittel wie beispielsweise Flohsamen und reichliche Flüssigkeitszufuhr bewährt, um den Stuhlgang gleitfähiger zu halten.

6.    Was kann ich tun, wenn ich unter akutem Jucken und Brennen am Po leide? Besonders im Büro ist das sehr unangenehm ...

Dr. Martina Grönig, Apothekerin in Berlin und Autorin medizinischer Publikationen:

Akutes Jucken und Brennen am Po ist fast immer durch eine Hautreizung ausgelöst. Treten die Beschwerden in Zusammenhang mit Hämorriden auf, lassen sich derartige Symptome am besten mit sogenannten Lokalanästhetika wie in Posterisan akut behandeln. Salbe, Zäpfchen und Haemotamps, die sich besonders gut am Wirkort platzieren lassen, enthalten den örtlich betäubenden Wirkstoff Lidocain, der die Beschwerden rasch lindert. Auch Präparate mit Hamamelisextrakt können in frühen Stadien eingesetzt werden. Die hierin enthaltenen Gerbstoffe wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und leicht blutstillend.

7.    Während meiner Schwangerschaft haben sich vergrößerte Hämorriden gebildet. Ich hatte gehofft, nach der Geburt gehen sie von selbst wieder zurück – aber es tut sich nichts ...

Dr. Martina Grönig:

Durch das zunehmende Gewicht der Gebärmutter während der Schwangerschaft vergrößert sich der Druck auf den Beckenboden. Auch das Pressen während der Geburt beansprucht die Hämorriden zusätzlich. Leider bilden sich die durch die Schwangerschaft vergrößerten Gefäßpolster nicht immer vollständig zurück. In aller Regel ist aber mit einer Verkleinerung zu rechnen.

8.    Stimmt es, dass man nach einer Hämorridenoperation wochenlang schlecht sitzen und nur unter Schmerzen zur Toilette gehen kann?

Dr. Frank Wütherich, niedergelassener Chirurg und Proktologe in Ingolstadt:


Nein
, in der Regel nicht. Da es aber eine Vielzahl von Operationsmethoden gibt, die von verschiedenen Operateuren unterschiedlich durchgeführt werden, können solche Probleme in Ausnahmefällen auftreten.

9.    Ich habe mir unlängst meine vergrößerten Hämorriden wegoperieren lassen. Doch mein Arzt meint, wenn ich nicht abnehme, kommen sie immer wieder. Stimmt das?

Dr. Frank Wütherich:


Nein
. Übergewicht allein ist keine Ursache für vergrößerte Hämorriden. Zunächst muss eine familiäre Veranlagung vorliegen. Dann müssen noch verschiedene äußere Faktoren hinzukommen wie langes Sitzen und Stehen, Bewegungsarmut oder Pressen beim Stuhlgang. Erst in einer derartigen Kombination kann Übergewicht das Hämorridalgewebe zusätzlich belasten.

10. Ich habe gehört, dass falsche Hygiene zu Hämorriden führen kann. Wie ist das gemeint?

Dr. Frank Wütherich:


Jeder Mensch hat Hämorriden. Sie haben in unserem Enddarm eine Ventilfunktion und erlauben ein Luftablassen ohne Stuhl. Vergrößern sich die normalen Hämorriden, ist diese Ventilfunktion gestört, es kommt zu analem Juckreiz sowie Feuchtigkeit am After. Jetzt spielt eine sanfte Analhygiene eine große Rolle, denn es ist wichtig, das entzündliche Gewebe nicht zusätzlich durch heftiges Reiben zu reizen. Am besten eignet sich dazu eine Nassreinigung mit klarem Wasser. Eine Ursache für vergrößerte Hämorriden ist eine falsche Hygiene allerdings nicht.

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verfasst am 18.04.2011