Familienleben
Artikel vom 01.11.2014 von: Oliver Schönfeld

Spiele für Kleinkinder: Tipps für die altersgerechte Förderung

Den beliebten Spieleklassiker "Obstgarten" haben erfahrene Pädagogen und Spielautoren so weiterentwickelt, dass er auch die ganz kleinen Weltentdecker ab zwei Jahren fordert und fördert. Foto: djd/Habermaaß
Den beliebten Spieleklassiker "Obstgarten" haben erfahrene Pädagogen und Spielautoren so weiterentwickelt, dass er auch die ganz kleinen Weltentdecker ab zwei Jahren fordert und fördert. Foto: djd/Habermaaß

Sprechen, laufen, denken: In ihren ersten Lebensjahren lernen Kinder viele elementare Fähigkeiten. Wem es gelingt, die kleinen Weltentdecker in dieser Phase richtig zu fordern und zu fördern, der gibt ihnen ein wertvolles Startkapital mit auf ihren Lebensweg. Vor allem im Spiel fühlen und greifen, beobachten, hören und erkunden Kleinkinder ihre Umwelt. Worauf Eltern bei den ersten Spielen für Kleinkinder achten müssen, weiß Markus Nikisch, Redaktionsleiter für Spiele und Bücher beim Spielzeugspezialisten Habermaaß (HABA).

Ab welchem Alter sind Kleinkinder in der Lage, erste Spiele zu verstehen und deren Regeln zu erfassen?

Generell können Altersempfehlungen bei Spielen nur ein Richtwert sein. Je nach Vorerfahrung, Förderschwerpunkten, Interessen und Begabungen sind Kinder in dieser ersten Lebensphase unterschiedlich entwickelt. Es gibt kein Kind, das in allen Bereichen gleich stark ist. So kann der Nachwuchs vielleicht motorisch gut in der Lage sein, Bauklötze zu stapeln, aber kann eventuell die Farben noch nicht so gut unterscheiden. Daher ist es am besten, wenn die Spiele immer der Entwicklung entsprechend gespielt werden können. Dabei gilt die Empfehlung: Einfach beginnen und langsam steigern.

Markus Nikisch, Redaktionsleiter für Spiele und Bücher bei Habermaaß (HABA), weiß, auf was es bei den Spielen für die Allerkleinsten ankommt und welche Sicherheitsbestimmungen das Spielmaterial erfüllen muss. Foto: djd/Habermaaß
Markus Nikisch, Redaktionsleiter für Spiele und Bücher bei Habermaaß (HABA), weiß, auf was es bei den Spielen für die Allerkleinsten ankommt und welche Sicherheitsbestimmungen das Spielmaterial erfüllen muss. Foto: djd/Habermaaß

Auf was kommt es bei den ersten Spielen für Kleinkinder an?

Wichtig ist vor allem, dass es einen fließenden Übergang vom sogenannten "freien Spiel" zum "Regelspiel" gibt. Die Kleinen sollten sich also erst einmal mit dem Spielmaterial vertraut machen. Gibt es Karten, fragen die Eltern, was auf den Karten zu sehen ist, welche Farbe einzelne Dinge haben oder wie viele Gegenstände es zu entdecken gibt. Dabei gelten noch gar keine richtigen Regeln, dennoch ist dieses Spielen eine wichtige Vorübung. Wenn das Kind mit dem Material vertraut ist, kann zum ersten Regelspiel übergegangen werden. Gut ist es, wenn die Spielideen nach Schwierigkeitsgraden aufgelistet sind. In einer Variante wird zum Beispiel mit dem Farbwürfel gewürfelt und anschließend eine Figur der entsprechenden Farbe genommen. Kann das Kind nach einigen Wiederholungen alles problemlos nachvollziehen, folgt die nächste Spielidee, die wieder etwas schwieriger ist.

Müssen die Spiele besonderen Sicherheitsbestimmungen entsprechen?

Es gibt eine Vielzahl an technischen Sicherheitsbestimmungen bei Spielen für Kinder unter drei Jahren. Die Kleinen dürfen die einzelnen Teile nicht verschlucken können. Das Spielmaterial darf nicht spitz sein. Pappe darf nicht zu dünn oder zu dick sein. Zur Kontrolle gibt es verschiedene Prüfverfahren. Dazu gehört, dass das Spielmaterial mit einem speziellen Prüfzylinder überprüft wird. Es wird dabei kontrolliert, ob es ablösbare Kleinteile gibt, die dann unter Umständen verschluckt werden könnten. So werden zum Beispiel Zwerge "an der Nase" gezogen, um zu gewährleisten, dass sie sich nicht ablöst. Dabei gibt es genaue Vorgaben, mit welcher Kraft an der "Nase" gezogen werden muss.

Im freien Spiel können die Kleinen das griffige Material aus Holz und stabiler Pappe erkunden und die abgebildeten Details erforschen. Foto: djd/Habermaaß
Im freien Spiel können die Kleinen das griffige Material aus Holz und stabiler Pappe erkunden und die abgebildeten Details erforschen. Foto: djd/Habermaaß

Welche Fähigkeiten der Kinder sollten die Spiele herausfordern?

Von der einen speziellen Fähigkeit zu reden, ist wenig sinnvoll. Spiele haben meist einen bestimmten Schwerpunkt - wie etwa Farben und Formen erkennen und benennen, erstes Zählen, Sprachverständnis, Gedächtnis oder Fein- und Grobmotorik. Den Spielen gemeinsam ist das Einüben eines ersten Regelverständnisses. Dieses Verständnis ist auch eine gute Vorübung für das allgemeine Handeln der Kinder, denn sie lernen spielerisch, was man darf und was man nicht darf. Wenn ein Kind dieses Handeln beim Spielen häufig trainiert, fällt es auch im Alltag leichter, sich an bestimmte Regeln zu halten.

Was gilt es beim Design der Kleinkindspiele zu beachten?

Dabei kommt es besonders auf eine klare Form- und Farbsprache an, das heißt die Formen und Farben müssen einfach zu unterscheiden sein. Die Illustrationen sollten fröhlich und nicht zu kleinteilig sein. Wichtig ist, dass die Kleinen auch auf den zweiten oder dritten Blick noch etwas Neues entdecken können. Abstrakte Formen dagegen können sie in dem Alter noch nicht erkennen. So sollten ein Elefant oder ein Haus immer klar zu sehen sein.

Gibt es gegenwärtig bestimmte Trends im Bereich der Kleinkindspiele?

Das Material und die Themen haben sich in den letzten Jahrzehnten wenig verändert. Immer noch stehen Themenfelder wie Bauernhof, Baustelle, Ritter, Prinzessinnen oder Pferde ganz oben in der Gunst der Kinder und Eltern. Auch beim Material gibt es wenig Neues. Eltern, die mit ihren Kindern in diesem Alter spielen, achten besonders auf natürliche Materialien wie zum Beispiel Holz.

Es gibt eine Vielzahl an technischen Sicherheitsbestimmungen bei Spielen für Kinder unter drei Jahren, deren Einhaltung in strengen Prüfverfahren getestet wird. Foto: djd/Habermaaß
Es gibt eine Vielzahl an technischen Sicherheitsbestimmungen bei Spielen für Kinder unter drei Jahren, deren Einhaltung in strengen Prüfverfahren getestet wird. Foto: djd/Habermaaß
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