Familienleben
Artikel vom 04.03.2015

Schwangerschaft planen: Kindersegen auf Knopfdruck?

Eine glückliche Familie wünschen sich viele junge Paare. Doch mit der modernen Arbeitswelt ist das oft schwer zu vereinbaren. Foto: djd/MSD/Corbis
Eine glückliche Familie wünschen sich viele junge Paare. Doch mit der modernen Arbeitswelt ist das oft schwer zu vereinbaren. Foto: djd/MSD/Corbis

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum viele Paare heute beim Kinderwunsch in Zeitnot geraten.
  • Welche Optionen es gibt, wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt.
  • Wann man sich ärztliche Hilfe suchen sollte.

Das Leben ist heute oft durchgetaktet von Anfang an: Möglichst früh in die Kita zur umfassenden Förderung, verkürztes Gymnasium, gestrafftes Studium, Auslandsaufenthalte, Praktika, der erste - meist befristete - Job, weitere Stufen auf der Karriereleiter, Heirat, Hausbau ... Bis bei diesen Anforderungen der Kinderwunsch in den Fokus rückt, haben Paare heute oft die 35 schon deutlich hinter sich gelassen. Wenn sich das Wunschkind dann nicht der sonstigen Lebensplanung entsprechend "auf Knopfdruck" ankündigt, entsteht oft ein großer seelischer Druck.

Fruchtbarkeitsmediziner raten, mit der Familienplanung nicht zu lange zu warten. Dann sind die Chancen auf Mutterglück größer. Foto: djd/MSD/Corbis
Fruchtbarkeitsmediziner raten, mit der Familienplanung nicht zu lange zu warten. Dann sind die Chancen auf Mutterglück größer. Foto: djd/MSD/Corbis

Schwangerschaft planen: Letzter Ausweg Fruchtbarkeitsmedizin

Häufig ist in solchen Fällen die Fruchtbarkeitsmedizin der letzte mögliche Weg, doch noch Eltern zu werden. Doch trotz aller Entwicklungen sind deren Möglichkeiten nicht unbegrenzt. Das sollten Paare rechtzeitig bedenken. Denn obwohl das durchschnittliche Alter von Erstgebärenden im Westen Deutschlands in den 40 Jahren zwischen 1970 und 2010 um rund fünf Jahre auf 29 angestiegen ist und die meisten Kinder heute von über 30-Jährigen geboren werden, lässt sich das Aufschieben nicht endlos fortsetzen. So liegt bei einem Aussetzen des Kinderwunsches bis 30 das Risiko dauerhafter ungewollter Kinderlosigkeit noch bei sechs Prozent, steigt dann aber rasch auf 14 Prozent mit 35 Jahren und auf 35 Prozent mit 40 Jahren an.

"Social Freezing" als Lösung?

Auch deshalb ist in letzter Zeit das sogenannte Social Freezing ins Gespräch gekommen. Bei dieser Variante der Fruchtbarkeitsmedizin lässt sich die Frau in den fruchtbaren Jahren Eizellen entnehmen und einfrieren, um diese dann, wenn in höherem Alter der Zeitpunkt für ein Kind passend erscheint, auftauen, befruchten und einsetzen zu lassen. Bisher hilft diese Methode krebskranken Frauen, denen bei einer Chemo- oder Strahlentherapie Unfruchtbarkeit droht. Heute wird sie aber zunehmend auch für den Aufschub des Kinderwunsches aus sozialen oder Karrieregründen angewendet.

Befürworter feiern dies als Schritt zur Unabhängigkeit von der biologischen Uhr für Frauen und somit für mehr Gleichberechtigung. Kritiker weisen jedoch auf die Risiken und Unwägbarkeiten der Methode hin. Denn trotz hoher Kosten bietet sie keine Garantie für späteres Familienglück. Das liegt zum einen daran, dass das durchschnittliche Alter, in dem sich Frauen für das Einfrieren interessieren, zurzeit bei 38 liegt - wenn die Eizellen schon eine verschlechterte Qualität aufweisen. Weiterhin zeigten die Daten einer klinischen Studie die besten Geburtenraten nach schnellem Einfrieren von Eizellen bei Frauen unter 39 Jahren mit mehr als acht Eizellen. Die "Investition in die Zukunft" kann also auch umsonst gewesen sein.

Nicht zu spät zum Experten gehen

Fruchtbarkeitsmediziner raten deshalb, mit der Familienplanung nicht zu lange zu warten. Gerade ältere Paare sollten außerdem bei Misserfolg rechtzeitig ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum aufsuchen - spätestens nach zwölf Monaten vergeblichen "Übens", wenn die Frau über 35 Jahre alt ist sogar schon nach sechs Monaten. Die Ärzte können die Ursache für das Problem ermitteln. Mögliche Gründe sind neben höherem Alter zum Beispiel auch Zyklusstörungen oder Probleme mit Gebärmutter oder Eileitern bei der Frau sowie verminderte Spermienqualität oder Erektionsprobleme beim Mann.

Je nach der vorliegenden Ursache wird eine passende Behandlung ausgewählt. Ist zum Beispiel eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas (IVF) notwendig, stehen heute moderne Therapien zur Verfügung. Für die Stimulierung der Eizellenreifung bei einer IVF genügt etwa mit dem Fruchtbarkeitshormon Corifollitropin alfa - enthalten in Elonva - mittlerweile eine einzige Injektion pro Behandlungszyklus im Rahmen einer Kombinationstherapie. Oft können aber auch Lebensstiländerungen, die Einnahme von bestimmten Medikamenten, das künstliche Einbringen von Sperma in die Gebärmutter (Insemination) oder eine Operation den gewünschten Erfolg bringen.

Um in Ruhe Karriere zu machen und das Kinderkriegen auf später zu verschieben, wird heute manchmal "Social Freezing" als Option gesehen. Doch die Methode hat ihre Tücken. Foto: djd/MSD/Corbis
Um in Ruhe Karriere zu machen und das Kinderkriegen auf später zu verschieben, wird heute manchmal "Social Freezing" als Option gesehen. Doch die Methode hat ihre Tücken. Foto: djd/MSD/Corbis

Vorher über die Kosten informieren

Wichtig zu wissen: Nicht alle Maßnahmen der Fruchtbarkeitsmedizin werden von den Krankenkassen übernommen. So tragen sie bei einer IVF in der Regel nur die halben Kosten, und das auch nur bei drei Versuchen. Außerdem müssen die werdenden Eltern verheiratet sein und dürfen nicht über 40 (Frau) beziehungsweise 50 Jahre (Mann) alt sein. Meist bleiben zwischen 1.500 und 1.800 Euro selbst zu zahlen, wobei es Unterschiede je nach Kasse und Bundesland gibt. Wichtig ist deshalb, nicht zu spät "loszulegen" und sich vorher gut zu informieren. Mehr Informationen gibt es unter www.kinderwunsch.de.