Experten-Aktion
Artikel vom 15.09.2016

Experten-Aktion zum Thema Herz und metabolisches Syndrom

Falsche Ernährung und zu wenig Bewegung führen zum metabolischen Syndrom. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Woran lässt sich das metabolische Syndrom erkennen, wie entsteht es und auf welche Weise kann man verhindern, dass sich dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln? Erhalten Sie kompetente Antworten auf Ihre Fragen rund um das Thema Herz und metabolisches Syndrom.

Eine Ärztin misst den Blutdruck bei einer übergewichtigen Frau.
Der Blutdruck steigt, Blutfett- und Blutzuckerwerte geraten aus ihrer Balance und das Übergewicht steigt: Diese gesundheitsgefährdende Kombination, die das Herz unter Druck setzt, nennen Fachleute „Metabolisches Syndrom“.
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Ein Mann und ein Frau essen Pommes Frites und Wurst.
Ungesunde Ernährung ist eine Ursache für das erhöhte Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Wohlstandsgesellschaft.
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Experten-Aktion vom 03. November

Hier können Sie die Antworten zu den meist gestellten Leserfragen zum Thema Diabetes nachlesen.

Im Chat saßen für Sie:

  • Prof. Dr. med. Klaus Kisters, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie, Klinische Geriatrie, Hypertensiologie, Intensiv- und Labormedizin, Chefarzt am St. Anna-Hospital in Herne, Uni-Professor in Münster und Leiter eines durch die Europäische Hypertonie Gesellschaft (ESH) zertifizierten Blutdruckzentrums.
  • Dr. med. Rainer Matejka, Facharzt für Allgemeinmedizin / Naturheilverfahren, Experte für biologische Medizin (Univ. Mailand), medizinischer Leiter der Matejka Tagesklinik in Kassel und Chefarzt der Malteser-Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau.
  • Prof. Dr. Elmar Wienecke, Sportwissenschaftler und Professor für Sport, Ernährung und Regulationsmedizin an der Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld sowie geschäftsführender Gesellschafter der SALUTO Gesellschaft für Sport und Gesundheit mbH in Halle/Westfalen.

Die meist gestellten Leserfragen der Experten-Aktion

Antwort von Prof. Dr. med. Klaus Kisters: Ja, Magnesiumorotat hilft sehr gut bei Herzschwäche. In der MACH Studie konnte bereits 2009 gezeigt werden, dass Patienten mit schwerer Herzschwäche eine bessere Lebensqualität und auch längere Lebenserwartung haben, wenn sie zusätzlich zur Herzinsuffizienzstandardtherapie mit Magnesiumorotat behandelt wurden. Es treten auch weniger Herzrhythmusstörungen auf. Diese Daten sind auch in neueren Studien belegt worden. Täglich 300 mg sollte der Magnesiumanteil sein. Die Orotsäure schützt das Herz zusätzlich, sodass diese Kombination deutliche Vorteile für herzinsuffiziente Patienten haben kann.

Antwort von Dr. med. Rainer Matejka: Am nachhaltigsten wirkt Heilfasten (am besten anfangs unter stationären Bedingungen und Begleitung durch erfahrenen Fastenarzt) mit anschließender Kostumstellung: mehr vegetarische Kost, mediterrane Kost. Alkoholvermeidung. Ferner: regelmäßige Bewegung – rund 3,5 Stunden pro Woche. Gut sind meist auch weitere Verfahren, die die Stoffwechselentlastung unterstützen, zum Beispiel Sauna, Lymphtherapie. Auch die Vitalstoffversorung sollte optimiert werden: beispielsweise mit Magnesium, Vitamin D. Um langfristigen Erfolg zu haben sind natürlich Geduld, Ausdauer und gute therapeutische Begleitung nötig. Dann kann es aber im Laufe der Zeit gelingen, das metabolische Syndrom deutlich zurückzudrängen beziehungsweise Einzelsymptome ganz zum Verschwinden zu bringen

Antwort von Prof. Dr. Elmar Wienecke: Hier gilt vor allem, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Dies bedeutet den Anteil der Kohlenhydrate (Nudeln, Reis, Kartoffeln) deutlich zu reduzieren, denn diese werden bei zu großen Mengen in Fette umgewandelt. Achten Sie vor allem darauf, abends nach Möglichkeit keine Kohlenhydrate mehr zuzuführen, sondern zum Beispiel Omelette mit Gemüse: bitte nach 14.00 Uhr kein Obst wie Äpfel, Birnen, Bananen zuführen, sondern Beeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, da diese nur zu einem geringen Anstieg des Zuckerspiegels führen. Abends bitte auch keinen Obstsalat mehr essen. Es kursiert immer noch die Weisheit: fünfmal Obst und Gemüse am Tag. Dies ist so nicht richtig. Wenn Sie zum Beispiel Brot sehr gerne essen, dann achten Sie auf Dinkelbrot. Vermeiden Sie Roggen- und Weizenbrot, da hier vermehrte Lektine (Entzündungsstoffe) enthalten sind. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Antwort von Prof. Dr. Elmar Wienecke: Bitte lassen Sie beim Kardiologen eine Belastungsanalyse durchführen, um auch eine Belastungshypertonie (Bluthochdruck während der Belastung) auszuschließen. Diese ist auch bei Sportlern nicht selten. Optimal ist es, wenn Sie eine Stoffwechselbestimmung (Laktat) und/oder Spiroergometrie durchführen lassen, mit dem der Arzt Ihnen genau einen individuellen Trainingsplan erstellen kann. Achten Sie bitte darauf, dass Ihre Herzfrequenz beim Sport beim Jogging/Walking um circa 15 bis 20 Schläge höher ist als beim Radfahren, wenn Sie bisher keine Medikamente einnehmen. Regelmäßig jährlich Kontrollen durch Ihren Arzt und Sportwissenschaftler können Ihnen helfen.
Jede Form der Bewegung, die das Herz-Kreislauf-System anregt (Walking, Laufen, Radfahren, Schwimmen) ist empfehlenswert, aber auch nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen ist ein gezieltes Krafttraining zum Beispiel in Zirkelform nach individueller Belastungsvorgabe für viele Menschen sehr empfehlenswert. Der älteste Teilnehmer in unserem Gesundheitsstudio ist 96 Jahre alt, kann aufgrund vielfältiger orthopädischer Beschwerden kein normales Ausdauertraining durchführen. Durch das gezielte Training an computergesteuerten Kraftgeräten zeigt er eine erstaunliche Leistungsfähigkeit. Hier können Ihnen gute Fitnesseinrichtungen gezielt helfen und dies macht vielen so gar sehr viel Spaß.

Antwort von Prof. Dr. med. Klaus Kisters: Ja, das kann sein. Bitte mit dem Hausarzt besprechen. Blutdruckkontrolle. Gegebenenfalls Magnesium 300 mg einnehmen. Vitamin D ist auch sehr wichtig. Manchmal muss man sich aber auch an normale Blutdruckwerte gewöhnen.

Antwort von Dr. med. Rainer Matejka: Gefährlich ist vor allem ein nicht behandelter hoher Blutdruck. Er stellt den Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle und - nach dem Rauchen - den zweitwichtigsten Risikofaktor für Herzinfarkte dar. Wichtiger als der Beipackzettel ist natürlich, daß Sie die Medikamente subjektiv vertragen. Bei ACE-Hemmern gibt es zum Beispiel oft Reizhusten. Diesbezüglich werden dann AT1-Blocker (mit der Endung ...sartan) oft als besser verträgliche Alternative eingesetzt. Das muss man aber im Einzelfall entscheiden.

Antwort von Prof. Dr. med. Klaus Kisters: Regelmäßige Einnahme ist wichtig. Zur Not bitte B-Blocker später einnehmen. Wenn man mal eine Tablette vergessen hat, ist das nicht ganz so schlimm.

Antwort von Dr. med. Rainer Matejka: Am bekanntesten ist Weißdorn. Er eignet sich gut für das "Altersherz". Weißdorn kräftigt den Herzmuskel, bessert die Durchblutung des Herzens und schützt das Herz vor Überlastung. Am besten geeignet sind standardisierte Fertigpräparate mit 450-900 mg Wirkstoff/Tag. Ebenfalls herzstärkend wirkt auch Maiglöckchen. Es gibt aber nur noch wenige Fertigpräparate.

Antwort von Prof. Dr. med. Klaus Kisters: Gelegentliche Kopfschmerzen, Migräne, roter Kopf, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, gelegentliche Luftnot oder Thoraxenge. Symptome können aber auch ganz fehlen.

Antwort von Prof. Dr. Elmar Wienecke: Bestimmte Lebensmittel können leichte Herzrhythmusstöungen auslösen, dies ist keine Einbildung. Alkohol kann schon in geringen Mengen zu einer erhöhten Cortisolausschüttung (Stresshormone) führen, die nachweisbar zu vermehrten Rhythmusstörungen führen. Erhöhen Sie die Alkoholzufuhr (zum Beispiel 3 Gläser Wein) kann dies nach einigen Stunden zu einem vermehrten Elektroytverlust führen und leichte Rhythmusstörungen hervorrufen. Trinken Sie nicht viel frisch gepresste Säfte oder essen Sie nicht zu viel Trockenfrüchte (zum Beispiel Aprikosen), diese enthalten viel Kalium, das unter Umständen eine Ursache für die vermehrten Herzrhythmustörungen sein kann. Vermeiden Sie vor allem sehr salzreiche Mineralwässer (optimaler Natriumgehalt < 100 mg/l), die in größeren Mengen zu einer Blutdruckerhöhung führen können. Vermeiden Sie Chips, geräucherte Lebensmittel.

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