Donnerstag, 09.02.2012
10:40 Uhr

Facebooks Börsengang: Ein Berg aus Zucker

Facebooks Börsengang nun offiziell

Der Börsengang steht fest. Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verrät im Börsenprospekt erstmals ausführlich Zahlen. Wie wertvoll ist das Soziale Netzwerk tatsächlich und was sind die Risiken?

Der jetzt offiziell verkündete Börsengang von Facebook bewegt: Aktien anderer Internetfirmen stiegen, nicht nur die Wall Street erwartet riesige Gewinne. Zwischen 75 und 100 Milliarden US-Dollar soll das Social Portal wert sein. Also so viel wie Siemens, RWE, ThyssenKrupp und die Lufthansa zusammen.

Mindestens fünf Milliarden Dollar soll der Börsengang in die Facebook-Kasse spülen. Zum Vergleich: Als Google 2004 das Parkett betrat, erzielte der Suchmaschinenriese knapp zwei Milliarden Dollar. Weniger als zehn Prozent des Firmenwertes bringt Facebook an die Börse.

Der Börsenprospekt verrät erstmals Details, wie gut Facebook aufgestellt ist. So zählt das Unternehmen bis Ende letzten Jahres  845 Millionen aktive Anwender. 483 Millionen waren pro Tag im Dezember im sozialen Netzwerk unterwegs.

Das meiste Geld verdient Facebook mit Werbeeinnahmen, sie machen 85 Prozent des Gesamtumsatzes im Jahr 2011 von 3,7 Milliarden Dollar aus. Davon blieb eine Milliarde als Gewinn übrig.

Also alles Zucker? Wer nun mit einem Funkeln in den Augen auf die bis Sommer 2012 vermutete Aktienausgabe wartet, wartet hierzulande womöglich vergebens. Gerade mal sechs Banken verkaufen die Papiere, fünf davon in den USA, eine in Großbritannien. Das schmälert die Chance entscheidend, vorab an Aktien zu kommen - und die Banken dürften Großkunden bevorzugen, wie Spiegel Online berichtet.

Freuen dürfen sich aber die 3200 Beschäftigten. Sie halten insgesamt ein Viertel an Aktien der Firma in der Hand. Das ist ein geschätzter Wert von bis zu 25 Milliarden Dollar. So besitzt die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg nur 0,1 Prozent an Aktien. Aber schon der Anteil könnte nach dem Börsengang 100 Millionen Dollar wert sein. Peter Thiel, der erste Investor bei Facebook, brachte 500.00 Dollar als Darlehen ein und erhielt im Gegenzug 2,5 Prozent Aktienanteile an Facebook. Die brächten dann theoretisch zwei Milliarden Dollar. Kein schlechtes Investment.

Bei aller Euphorie dürfen auch kritische Stimmen nicht fehlen. Datenschützer befürchten, dass sich Facebook noch mehr am Gewinn orientieren dürfte - denn letztlich werden die Anwender kapitalisiert. Ob ihnen das gefällt, sei dahingestellt. In den USA hat sich das Wachstum jedenfalls verlangsamt, in den letzten vier Monaten 2011 stieg die Zahl von 124 auf lediglich 126 Millionen aktiver Nutzer. Die Beispiele mySpace und Second Life zeigen, wie schnell hochgejubelte soziale Netzwerke in die Bedeutungslosigkeit verschwinden können. Eine Garantie, dass es Facebook nicht irgendwann auch so ergehen könnte, gibt es nicht.

Facebooks Börsengang nun offiziell
www.heise.de/newsticker/meldung/Facebooks-Boersengang-nun-offiziell-Update-1426890.html

Wie Sie an Facebook-Aktien kommen
www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812878-2,00.html

Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)Permalink
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