Zur Zeit wird gefiltert nach: Multimedia
Filter zurücksetzen

Montag, 10.09.2012
11:33 Uhr

Exhibitionismus in sozialen Netzwerken: Eine Spurensuche

Männer sind Bonobos, Frauen anders!

Wer viel auf Facebook unterwegs ist, dem fällt es auf: Frauen und Männer rücken zunehmend Brüste respektive Muskeln ins Licht, nackte Haut ist angesagt. Sexy-sein um jeden Preis. Warum ist das so? Ich gehe auf Spurensuche.

Sex sells, die Werbeindustrie macht es vor, das Fernsehen macht es nach, die Popindustrie sowieso und das Internet? Das ist mit Sex und Porno durchsetzt, von Beginn an, und überhaupt. Die Exhibitionisten sind unter uns, auch in den Facebook-Profilen. Aber welchen Einfluss haben die Medien wirklich, warum stellen sich Frauen und Männer, Mädchen und Jungen als sexualisierte Objekte dar? Ich suche im Netz nach Antworten und finde etliche Studien, die einige mögliche und überraschende Antworten liefern.  

Eine Studie in Kanada zum Beispiel untersuchte 100 Männer und Frauen zwischen 18 und 25 und gelangte zu einem eindeutigen Urteil: Menschen, die narzisstisch verlangt sind, nutzen Facebook mehr als andere. Als narzisstisch definiert dabei die Studie Menschen, die ständige Aufmerksamkeit brauchen und selbstherrlich sind. Auch ein geringeres Selbstwertgefühl führe zu mehr Klicks am Tag auf Facebook.

Eine andere amerikanische Studie bestätigt dies, demnach könnten Frauen ihr Selbstwertgefühl mittels Fotos heben – und sieht vor allem den Einfluss der Stars als Ursache, warum junge Menschen sich immer mehr an der öffentlichen Wahrnehmung ausrichten.

Eine australische Studie hat 1000 Frauen zwischen 12 und 16 Jahren befragt: 40 Prozent glauben, dass ihr Körper "nicht gut genug" sei und haben Angst davor, zuzunehmen. Die vorläufige Studie kommt zu dem Schluss, dass es einen beunruhigenden Zusammenhang gäbe zwischen exzessivem Medienkonsum, der Nutzung von Sozialen Netzwerken, mangelndem Selbstvertrauen und Identitätswahrnehmung sowie eine höhere Depressionsrate.

So interessant die Ergebnisse auch sind, eine Frage beantworten sie nicht: Verführen Medien und Prominente dazu, sich in sozialen Netzwerken zur Schau zu stellen? Oder sind narzisstische Persönlichkeiten einfach nur aktiver und damit auffälliger, wobei es zu einem "Kampf um Aufmerksamkeit" kommt – auch das würde zu einer Zunahme immer extremerer Bilder führen. Fest scheint lediglich zu stehen, dass die Selbstdarstellung viel mit dem Selbstwertgefühl zu tun hat.

Brüste und Muskeln: Immer mehr Frauen und Männer machen sich in sozialen Netzwerken zum Sexobjekt. Was das mit der Affenart der Bonobos zu tun hat und welche Ursachen die Selbstsexualisierung hat lesen Sie hier. Und auch, wie sie Babyfotos auf Facebook verbannen können.

Warum versuchen immer mehr Frauen und Männer sexy zu wirken? Eine Studie versucht diese Frage zu beantworten. Mädchen zwischen sechs und neun Jahren wurden Papierpuppen vorgelegt, die sich nur durch die Kleidung unterschieden. 68 Prozent der Mädchen meinten, sie würden wie die "Sexy Doll" aussehen wollen, sogar 72 Prozent sagten, dass diese populärer sei als die andere, leger gekleidete Puppe. Die Psychologin Christy Starr folgert daraus, Mädchen glaubten, dass "Sexy sein" die Popularität erhöhe. Andere Studien hätten ergeben, dass dieser Popularitätsschub nur für Frauen gelte, nicht aber für Männer. Der gesellschaftliche Druck auf Frauen, sexy sein müssen, nehme zu.

Das Selbstwertgefühl spiele dabei eine große Rolle. Noch eine größere, als die Medien, denn die alleine reichten nicht, um die "Sexy Doll" als Vorbild zu sehen. Vor allem der mütterliche Einfluss sei entscheidend. Religiöse Überzeugungen könnten zum Beispiel vor der Selbstsexualisierung schützen, aber nur, wenn die Mädchen viele Filme und TV-Sendungen konsumierten. Wenig Medienkonsum verknüpft mit Religion bewirke dagegen, dass die Mädchen eher zur "Sexy-Doll" griffen.  

So weit zur Rolle der Erziehung – die Studie erteilt dem Verdacht, dass die Medien Schuld an der Selbstsexualisierung seien, eine klare Absage. Hauptverantwortliche soll also die Mutter sein und das, was sie vorlebt.

Eine rein biologistische Antwort gibt hingegen ein Artikel auf Wired: "Der Drang zum sexualisierten Selbstportrait ist grundlegend" heißt es in der Überschrift. Studien hätten herausgefunden, dass die Hälfte der Frauen die Fantasie hätten, sexuell unwiderstehlich zu sein und (einen oder mehrere) Männer "zu erfreuen". Ob als Striptease-Tänzerin oder als Harems-Dame. "Begehrt zu werden ist für Frauen sehr erregend", erklärt die Psychologin Marta Meana. Daten würden belegen, dass Erregung und sexuelles Verlangen sehr davon abhingen, wie sie sich selbst sahen und fühlten - vielleicht sei das sogar noch wichtiger, als die Wahrnehmung durch den Partner.

Männer teilten das Begehren, begehrt zu sein, indes nicht. Stattdessen verhalten sie sich wie Bonobos. Der Penis der Affen ist normalerweise im Fell versteckt. Wenn er wächst und "hinaussticht", dann ist das eine Einladung zum Sex. Und so zeigen Männer auf Sex-Datingseiten, die Fotos nicht zensieren, eben ihr "bestes Stück" - knapp ein Drittel der Bilder dort sollen Penisfotos sein.

Soweit der Artikel. Der letzte Absatz erklärt wenigstens, warum das Zeigen der Muskeln auf Facebook-Profilen so beliebt ist - sie sind nichts anderes als ein "Schwanzersatz".

Eine Erklärung dafür, warum der Exhibitionismus zuzunehmen scheint, habe ich hingegen nicht gefunden. Teilweise befindet man sich in den ewigen Grabenkämpfen der Geschlechter, Männer sind so und Frauen eben anders. Das ist je nach Geschmack rein kulturell, soziologisch oder biologisch bedingt.

Ein weiteres Phänomen fällt mir da auf: Die Sexualisierung lässt sich unter dem Stichwort der Partnersuche subsumieren, nach erfolgreicher Partnerfindung folgt dann die nächste Phase: Sex, Schwangerschaft und Geburt des Babys. Um wie viel wollen wir wetten, dass in der Timeline fortan fast nur noch Babyfotos zu sehen sind? Dagegen gibt es ein Mittel, eine Erweiterung für den Google-Browser Chrome. Unbaby.me verspricht, alle Babybilder im Newsfeed gegen zum Beispiel Katzenbilder auszutauschen.

Was mich gleich auf die nächste Frage bringt. Warum gibt es eigentlich so viel Cat-Content im Internet? Bestimmt gibt es auch dazu eine Studie...



Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)PermalinkKommentare 0
Freitag, 10.08.2012
09:47 Uhr

Google+ - klein(er), aber fein(er)

Anwender mögen Google+

Google+ - klein(er), aber fein(er).

Manchmal kommt es nicht auf die Größe an, sondern auf die Qualität. Zumindest bei letzterem Kriterium hat der Facebook-Konkurrent die Nase deutlich vorn, wie eine Studie jetzt nahelegt. Anwender sind danach äußerst zufrieden mit dem sozialen Netzwerk Google+, was auch an der App für mobile Geräte liegen soll. Die hat Google auch endlich an das iPad angepasst.

Der American Customer Satisfaction Index untersucht, wie zufrieden Kunden mit diversen Produkten, Unternehmen und Dienstleistungen sind. Angefangen vom Computer bis zur Supermarktkette. Im Juli hat der ACSI erneut diverse Social-Media-Portale unter die Lupe genommen, darunter erstmals auch Google+, das sich das Siegertreppchen mit Wikipedia teilt.

Bitter sieht es für Facebook aus, das schon vorher keine besonders guten Werte erlangte und nun noch weiter in der Gunst des Publikums absackte. Als Grund führen die "Tester" vor allem die Unzufriedenheit mit der neuen Timeline an. Viele Anwender hätten gerne wenigstens optional die alte Ansicht zurück. Auch das Dauerthema "Privatsphäre" steht auf der Unzufriedenheitsliste. Nur ein wenig besser steht Twitter da, dafür kann ein anderes neues Portal glänzen: Pinterest.

Als Grund für die Zufriedenheit mit Google+ und Pinterest nennt ACSI ebenfalls Gründe: Im Gegensatz zu Facebook und Twitter verzichtet das soziale Netz des Suchmaschinengiganten auf Werbung. Ein anderer Grund soll die klar strukturierte und schöne Google+-App für iOS und Android sein. Um so besser, dass Google diese nach langer Wartezeit endlich auch für das iPad angepasst hat. Das könnte die Zufriedenheit weiter erhöhen, denn Google+ macht auf Apples Tablet-Computer richtig Spaß. Sie verschwendet keinen Platz, sieht übersichtlich aus und lässt sich intuitiv bedienen.

Ob das reicht, um noch mehr Nutzer in das Netzwerk zu ziehen? Angeblich 250 Millionen Anwender benutzen derzeit Google+. Kein Vergleich zu der Anwenderzahlen von Facebook, die weltweit knapp unter 900 Millionen liegt. Aber vielleicht entwickelt sich der Konkurrent ja doch noch zu einer ernsthaften Alternative. Die kann man immer brauchen.

ACSI: Kommentar zu den Zahlen
ACSI: Ergebnisse



Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)PermalinkKommentare 0
Dienstag, 24.07.2012
09:47 Uhr

Facebook: Wie uncool

Rückläufige Nutzerzahlen in Deutschland

Der Trend ist da: Vor allem die junge Zielgruppe kehrt Facebook zumindest teilweise den Rücken. Twitter ist cooler und kommunizieren lässt sich über Smartphones bestens mit WhatsApp.

Erstmals sinkt die Zahl aktiver Facebook-Nutzer – das meldet für Deutschland Allfacebook in einer Statistik für Ende Juli. Stark ist der Rückgang nicht, anders als in Amerika. Im letzten halben Jahr sank die Nutzerzahl um rund ein Prozent. Nicht viel, möchte man meinen, in absoluten Zahlen sind das aber zwei Millionen Anwender, die dem Netzwerk verloren gingen. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren. Allerdings nimmt der Druck auf das größte Social Network zu.

Fast die Hälfte der Facebook-Anwender in Deutschland ist zwischen 18 und 34 Jahre alt - aber die "Invasion der Alten" bringt wohl etliche Jugendliche dazu, dem Netzwerk den Rücken zu kehren. Das behauptet Martha Irvine und zitiert eine Studie, nach der vor allem Twitter bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 punkten kann. Der Anteil habe sich in zwei Jahren verdoppelt.

Ein Grund könnten die Privateinstellungen sein. "Facebook ist, als ob man in eine Menschenmasse hineinrufe, bei Twitter spricht man in einem Raum". Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Jugendliche einfach einen Platz brauchen, wo sie mit ihren Freunden sprechen können, ohne dass alle zuschauen.

Das dürfte auch einer der Erfolgsfaktoren für WhatsApp sein, was allerdings vor allem den Mobilfunkbetreibern derzeit den Schweiß auf die Stirn treibt. Die SMS/MMS-Alternative für Smartphones verursacht keine laufenden Kosten, Bilder, Videos und Sprachnotizen lassen sich ebenfalls an das Gegenüber senden. Und im Gegensatz zu SMS sind auch Gruppenchats möglich.

Tatsächlich kann die Einmischung der Eltern, die sich bei Twitter und WhatsApp leichter verhindern lässt, seltsame Blüten treiben. So hat eine Mutter Bilder ihrer 24-jährigen Tochter auf Facebook veröffentlicht und hämisch kommentiert. Sie hätte die Einstellungen nicht verstanden und die Bilder gar nicht allgemein verfügbar machen wollen, argumentierte die Frau und akzeptierte letztlich 600 Euro Strafzahlung.

Auch wenn der Fall drastisch ist: Wahre Anonymität gibt es im Internet nicht, auch nicht bei Twitter & co. Facebook muss sich aber darum kümmern, seine Nutzer besser zu schützen. 

Twitter cooler als Facebook
Facebook-Statistiken
WhatsApp - ein neuer Riese erwacht

Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)PermalinkKommentare 0
Dienstag, 10.07.2012
10:54 Uhr

Twitters Tuning

Twitter baut um und aus

Bei dem Kurznachrichtendienst Twitter tut sich einiges. Der Chef Dick Costolo denkt über Maßnahmen gegen Spammer und Trolle nach. Auch mehr Multimedia steht nach einem Geschwindigkeitsupdate auf der Tagesordnung.

Ein riesiger Vorteil des Kurznachrichtendienstes Twitter ist seine Geschwindigkeit. Das Portal hat nun einiges im Hintergrund umgestellt, um Seiten schneller anzeigen zu können. Ich will nicht mit technischen Details langweilen, deshalb zusammengefasst: Der Hashtag verschwindet aus der Adresszeile, außerdem soll man den ersten Tweet schneller absetzen können. Die Verwendung von JavaScript will Twitter auf das Nötigste reduzieren.

Aber auch bei der Qualität der Tweets soll sich etwas tun, wie die Financial Times berichtet. So denkt Dick Costolo über Filter nach, die Antworten ausblenden sollen, wenn ein Anwender keine Follower hat, keine persönliche Information und kein Profilbild. An Pseudonymen will Costolo aber festhalten, nur sie erlaube an vielen Orten der Welt die freie Meinungsäußerung.

Ob das Ausblenden tatsächlich kommt (und sinnvoll ist), steht noch im Zwitscherhimmel. Beschlossene Sache hingegen ist der multimediale Ausbau. Auch bisher kann Twitter Vorschauen von Medieninhalten liefern, zum Beispiel von iTunes und YouTube. Die Möglichkeiten hat das Portal nun drastisch erweitert und nennt das "Expanded Tweets". Dafür hat sich Twitter Medienpartner gesucht wie zum Beispiel The New York Times und Spiegel Online - der erweiterte Tweet zeigt in der Vorschau dann zum die Überschrift und den Teaser an, teilweise auch den Twitteraccount des Autors. Künftig könnten auch Umfragen und Ratespiele in Tweets möglich sein.

Es tut sich also einiges, lediglich die Filter-Maßnahmen gegen Trolle sind eher Überlegungen, als eine handfeste, wirksame Maßnahme gegen Spammer und Trolle. Mit denen muss man auch in Zukunft wohl leben müssen. Auch bei Twitter.  

Linktipps:

Erweiterte Tweets
 
Twitter wird schneller

Twitter gegen Trolle

Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)PermalinkKommentare 0
Freitag, 22.06.2012
14:18 Uhr

Online meets Offline

Twitter und der Eistee-Automat

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass Tweets eine knallharte Währung sind - hier kommt er. Der Eistee-Hersteller BOS hat im südafrikanischen Kapstadt am Wembley Square einen besonderen Getränkeautomaten aufgestellt, der gegen einen Tweet einen erfrischenden Eistee herausgibt.

Wie das mit dem kostenlosen Getränk funktioniert? Der durstige Twitterer versieht seinen Tweet mit dem Hash-Tag #BOSTWEET4T, Voraussetzung ist die Übermittlung von Geo-Daten. Anhand derer stellt der Automat fest, dass man sich tatsächlich in seiner Nähe befindet, und rückt das Getränk raus.

Als Geschäftsmodell der Zukunft dürfte die BOS-Aktion aber wohl kaum durchgehen - sie ist zeitlich befristet. Ins Leben gerufen haben den Automaten die Marketingagentur Cow Africa, Thingking und RAAK. Letztere steuerten die App bei und betonen, wie einfach die Aufgabe zu lösen war, obwohl es für die Entwickler die erste Verbindung von Online- und Offlinewelt gewesen sei. Man darf also noch mehr Social Media in der "echten" Welt erwarten.

Ein Beispiel führte die Modefirma C&A bereits im Mai diesen Jahres in Brasilien ein: Der Facebook-Kleiderbügel zeigt an, wie häufig ein Kleidungsstück ein "Gefällt-mir" erhalten hat. Der jeweilige Status wird in Echtzeit angezeigt. Ob das einer Kaufentscheidung wirklich dienlich ist?

Ich bin jedenfalls gespannt darauf, was die Kreativwerkstätten der Welt noch ersinnen, um Online und Offline zu verbinden. Eistee gegen Tweet ist jedenfalls ein guter Anfang.

Mehr über den Facebook-Kleiderbügel!

Marc-Michael Schoberer(schoberer@ratgeberzentrale.de)PermalinkKommentare 0

Rubriken

Specials