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Wenn die Wissenschaft das Wunderbare entdeckt
Eine Art Weihnachtsmärchen
Es war einmal ein fast sieben Jahre alter Junge. Der hatte rote Haare und ein ziemlich loses Mundwerk. Täglich beglückte er seine Umwelt mit den neuesten Erkenntnissen aus Forschung, Technik und praktischer Lebenserfahrung. Der fast sieben Jahre alte Junge - nennen wir ihn Leo – hörte nämlich seit frühester Jugend (seit seinem 3. Lebensjahr) Unmengen von Schlaumeier-CDs . Die verrieten ihm tolle Dinge über Bauernhöfe, das Universum, die Ozeane und natürlich die Dinosaurier: „Papa, wusstest Du, dass der Megalosaurus … und dass Pluto kein Planet ist?“ Keine Frage, der junge Mann hielt sich für umfassend gebildet und ziemlich erwachsen . Schon zur Osterzeit verriet er seiner kleinen Schwester gönnerhaft, dass es den doofen Hasen gar nicht wirklich gäbe und auch der Nikolaus nur eine Erfindung der Erwachsenen sei, um Kindern notfalls mit der Rute drohen zu können. Seine liebenden Eltern fragten sich bange, was sie falsch gemacht hätten. Müsste sich ihr Prinz später therapieren lassen, um das Trauma einer geraubten Kindheit zu veratmen? Da begab es sich aber eines Tages, dass Leo aufgeregt von unheimlichen Gestalten auf der heimischen Terrasse berichtete. Die seien wie Schatten ums Eck gehuscht und im Garten verschwunden. Und der kleine Forscher folgerte messerscharf: „Das muss das Christkind gewesen sein.“ Den Hinweis seines verblüfften Vaters auf die Mehrzahl der entdeckten Gestalten konterte Leo überlegen: „Aber Papa, das ist doch klar: Das waren die Engel.“ So und nicht anders wahrhaftig geschehen im Jahre des Herrn 2011. Frohes Fest!
Wenn nützliche Helfer plötzlich versagen
Das Salz des Lebens
Spüli ist tot. Sie gab ihren Geist ganz plötzlich über Nacht auf. Gestern noch versah sie klaglos ihre reinlichen Dienste, kämpfte mit Fettkrusten, Ketchup-Resten und Soßenpfützen. Sieben Jahre lang war sie (neben ihrer Freundin, der Waschmaschine) das sicher nützlichste Mitglied der Familie. Und nun das – ein fieses Knirschen, ein metallisches Stinken und herzzerreißendes Gurgeln. Der eilends herbei gerufene Notdienst stellte ein multiples Organversagen fest: „Sehen Se mal hier, all´ der fettige Schmier im Krümmerbereich der Pumpe, dat konnte nit joot jon“, erklärte der Mechaniker im gemütlichen rheinischen Idiom, um dann mit einem Blick auf die verfärbte Wasserenthärtungsanlage deutlich schärfer zu fragen: „Ja, haben Se denn kein Salz benutzt???“ Meinen schüchternen Hinweis auf die regelmäßige Verwendung der komfortablen Tabs, die doch wohl alle Nährstoffe enthielten, die eine junge Spülmaschine fürs gedeihliche Verrichten ihre Tagwerks brauche, wischte der Latzhosenträger barsch beiseite: „Dat is alles Quatsch, ohne Salz jeht et nit auf Dauer. Dat sehen Se joh!“ Er murmelte dann noch etwas von mindestens 400 Euro Reparaturkosten bei unbestimmter Abwesenheitsdauer der geliebten Maschine, um schließlich zu empfehlen: „Besser se kaufen sich ne Neue.“ Als ich ob dieser Aussichten leicht erschüttert fragte, welches Modell er denn empfehlen könne, grunzte er nur mit einem abschätzigen Blick auf das arme Wrack: „Die von Sie … besser nit noch emol. Wenn Se wat Jootes kaufen wollen, nehme Se die Mie … Aber denken Se an dat Salz!“ Ich habe nun beschlossen, mit dem Haushaltsgeräteladen meines bisherigen Vertrauens ein ernstes Wort über die artgerechten Haltungsbedingungen von jungen Spülmaschinen zu reden und unverzüglich ein Salzdepot für Notfälle anzulegen.
Laubbläser als männliches Statussymbol
Sehnsucht nach dem Gartenzwerg

- Wer mag hier wohnen?
Früher erkannte man tendenziell nervige Nachbarn schon beim ersten Blick auf ihren Zwerg im Vorgarten. Wer einen solchen Gnom (wahlweise ein Plastik-Bambi oder ein tönernes Schnecklein) im Garten ausstellte, signalisierte seiner Umwelt: „Obacht – hier wohnen die Spießers. Wir dulden keinen wild wucherndem Löwenzahn und ekeln uns vor Ihrem ungepflegten Rasen!“ Das war nicht weiter schlimm, konnte man die Zwergenzüchter doch durch einen geübten Tunnelblick und einem Mindestmaß an unverbindlichen Grußmurmeln („Guten Tag und guten Weg“) weitestgehend aus seinem Leben ausblenden. Das ist vorbei. Jetzt gibt es Laubbläser. In der City toben sie rudelweise in den Händen orangefarbener Gartenamtssöldner durch friedliche Alleen, auf dem Dorf sind sie das neue männliche Statussymbol einst bescheidener Zwergenväter. (Oder haben Sie schon mal eine Frau mit einem Laubbläser gesehen?) Unser gut bestallter Nachbar von gegenüber hat jetzt endlich auch einen, wie er die Welt heute Morgen deutlich wissen ließ. Vermutlich haben ihn seine Freunde aus dem Golfclub (kein Scherz) lange damit aufgezogen, dass neben den beiden zwei SUV, dem VW-Bus und dem Motorrad noch Platz in der Garage war. Diese Lebenslücke ist nun zu seinem Glück gefüllt: Es dröhnt und bläst der Heinzelmann, wo Papi sonst nur kehren kann… (Frei nach Loriot) Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal nach Gartenzwergen in der Nachbarschaft sehnen würde, was waren das doch für ruhige, unauffällige Wesen.
Gebrauchsanweisungen statt Erziehungsratgeber
So funktioniert das Kind
Schlaue Erziehungsratgeber für unsichere Eltern gibt es zuhauf, meterweise füllen sie die Regale im Buchhandel. Doch was fehlt, sind handfeste Kinder-Gebrauchsweisungen, wie es sie für jede Kaffee- oder Spülmaschine gibt. Auf diese Marktlücke wurde ich gestoßen, als neulich mein Vater zum ersten Mal in sechs Jahren seine Enkel für einige Tage am Stück beherbergen wollte. Mir war zwar klar, dass dies ein Abenteuer für Enkel und Opa (und seine Lebensgefährtin) werden würde, aber welche Welten hier aufeinander prallten, schien ich doch unterschätzt zu haben. Es begann mit: „Sag mal, was essen die beiden denn so?“ und gipfelte in der Frage nach einem eventuellen Windelvorrat. Meine Beteuerung, selbst die „Kleine“ sei bereits fünf und seit anderthalb Jahren umfänglich trocken, wurde erstaunt zur Kenntnis genommen. Drei Tage später erwiesen sich meine leisen Zweifel zum Glück als grundlos. Alle hatten den das ungewohnte Zusammenleben erstaunlich gut und (fast) ohne sichtbare Schäden überstanden. Was bleibt, ist die Idee einer Gebrauchsanweisung oder zumindest eines Beipackzettels für Lebensabschnittsbetreuer: „Füttern Sie das Kind nach Möglichkeit drei Mal täglich. Vermeiden Sie dabei einen Süßigkeitenanteil von mehr als zehn Prozent (inkl. Nutella-Brötchen). Achten Sie auf intensive Zahnpflege mindesten zwei Mal am Tag und vollständige Bekleidung (inkl. Socken). Bei Aufenthalt im Freien denken Sie bitte an das Auftragen von Sonnenschutzcreme und das Tragen einer Kopfbedeckung (Lieblings-Basecap). Und ganz wichtig: Kitzeln Sie das Kind nicht mehr als von ihm verlangt. Es schlägt sonst um sich.“ Zumindest das hätte ich meinem Vater vorher sagen sollen …
Ohne Kinder auf Entzug
Wenn Eltern plötzlich frei haben
Spukt es bei uns? Wir hören neuerdings Geräusche: Scharren, Klopfen, Rumpeln, manchmal ferne Rufe. Geräusche, die es nicht wirklich geben kann. Denn Tatsache ist: Die Kinder sind weg. Neun Tage lang! Mit den Großeltern auf Borkum. Das gab´s noch nie. Seit unser Großer vor sechs Jahren auf die Welt kam, hatten die beste Ehefrau von allen und ich noch nie mehr als zwei Tage kinderfrei. Wie haben wir uns auf diese Zeit gefreut! Was haben wir uns nicht alles vorgenommen: Sämtliche umliegenden Sanitär- und Einrichtungshäuser in Ruhe zu durchstreifen, um endlich unsere Badsanierung zu starten. Den Speicher entrümpeln, auf dem sich gefühlte vier Kubikmeter Kinderkrempel angestaut haben. Den Garten beharken, beschneiden, vertikutieren, bepflanzen und beackern und 22 Dinge mehr. Und natürlich: ein paar selbstbestimmte Stunden nur für uns. Fürs Ausgehen ohne Limit, für Theater, Kino, was auch immer. Ein kostbares Gefühl von Luxus, das nur Eltern kleiner Kinder wirklich nachempfinden können. Herrlich! Zwei Tage währt das Hochgefühl trotz eines bangen Moments des Abschieds. Dann beginnt der Entzug und mit ihm kommen die Geräusche. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Art „Phantomschmerz“. Aber wie ich etwas vermissen, das mir im normalen Leben oft genug auf die Nerven geht? Das ewige Gezanke, die Heulerei der Kleinen, wenn der Große mal wieder richtig hinlangt, das rücksichtslose Knie in meinen Unterleib, wenn sich einer (oder beide) morgens in mein Bett schmeißen, und fröhlich „Guten Morgen“ brüllen. Das Chaos in allen Räumen und die Brösel überall. Ich glaube, das heißt Liebe und ist in dieser Form auch nur von Eltern nachzufühlen. Hoffentlich sind die beiden bald wieder da, damit das verantwortungslose Eigenleben ein Ende hat.



































