Schule und Studium
Artikel vom 01.11.2014

Die Schulanfänger: Aufregender Neubeginn statt "Ernst des Lebens"

Gerade noch Kindergarten, jetzt auf einmal "großes" Schulkind: Etwas zum Spielen in der Schultüte verschönert den Übergang. Foto: djd/Spin Master International
Gerade noch Kindergarten, jetzt auf einmal "großes" Schulkind: Etwas zum Spielen in der Schultüte verschönert den Übergang. Foto: djd/Spin Master International

Jetzt beginnt aber der Ernst des Lebens.

Das ist einer jener Sätze, die sich Eltern verkneifen sollten, wenn ihr Kind eingeschult wird. Denn Vorfreude und eine optimistische Haltung sind Garant für den gelungenen Schulstart. Aber Kinder lassen sich noch auf andere Weise vorbereiten und der neue Tagesablauf bringt viele Umstellungen mit sich.

Bevor es losgeht

Üblicherweise strebt die Vorfreude schon im letzten Kindergartenjahr in die höchsten Höhen hinauf. Die kleinen Menschen lassen ihre Kleinkinderzeit, die Zeit der Krabbelschuhe, Windeln oder manchmal auch der Klingelhose, hinter sich und realisieren langsam ihre eigene, schnelle Weiterentwicklung, während der Kindergartenalltag langsam abgeschmackt erscheint. ("Das ist doch was für Babys.") Aufregend und verheißungsvoll sieht für die Sprösslinge dagegen die Schule aus. Neue Aufgaben, neue Kontakte. Schon frühzeitig "spielen die Kinder Schule" mit Freunden und Eltern.

An dieses Bedürfnis für neue Herausforderungen können Eltern anknüpfen, um ihre Kinder zu fördern, ohne sie unter Druck zu setzen. Rollenspiele, wie das genannte "Schule-spielen" sind eine gute Möglichkeit Einblick in den kommenden Schulalltag zu geben. Nebenbei werden Fähigkeiten in schreiben, lesen und rechnen vermittelt. Die kleinen Anwärter nehmen Neuigkeiten über die Schule dankend auf. Wenn möglich sollte im Kinderzimmer eine kleine Kinderschultafel mit Schwamm und Kreide aufgestellt werden. Hinzu kommt eine Federmappe und Stifte, damit die Kinder ihren Fantasien über die Schule freien Lauf lassen können.

Zur Schule gehört aber auch frischer Lesestoff. Alte Bilderbücher und Märchen werden an die äußersten Ränder des Regals geschoben. Einfache Sachbilderbücher, interessante Vorlesegeschichten und Lernspiele sind heute in großer Auswahl erhältlich. Aber neue Impulse müssen nicht zwangsläufig zum Thema Schule erfolgen. Um das Verantwortungsgefühl der Kinder wachsen zu lassen, helfen kleinere Aufgaben im Haushalt: die Post aus dem Briefkasten holen, das erste kleine Haustier umsorgen oder der erste eigenständige Besuch beim Laden um die Ecke.

In der Grundschule werden die Kinder vielen bekannten und unbekannten Kindern begegnen. Sich mit diesen Kindern zu messen, zu vergleichen und auszuprobieren ist ein essentieller Bestandteil des Heranwachsens. Auch soziale Kompetenzen und Kontaktfähigkeiten werden dadurch erworben. Darum ist es ganz ratsam, wenn die Vorschüler auch einmal ungestört mit anderen Kindern, welche sie besuchen kommen, spielen zu können.

Die Ausrüstung eines Grundschülers: Ranzen und Co

In der Vorbereitung wurden womöglich schon viele Utensilien für den Schulstart herangeschafft. Buntstifte, Füller, Lineal, Bleistift, Radiergummi und das alles in der passenden Federmappe sind eine zusätzliche Motivation für den Anfang. Es gibt sogar spezielle Stifte, die die Sensomotorik der Kinder unterstützen.

Aber ein Kapitel für sich ist der Schulranzen. Viele Bücher und Hefte müssen fortan zwischen Zuhause und Schule hin und her getragen werden. Darum ist das nicht der richtige Moment zum Sparen und der Ranzen sollte auch kein Überraschungsgeschenk sein. Am besten wäre es, wenn das Kind in den Laden mitkommt und mit aussucht. Hier geht es um mehr als ein schönes Muster, das aber auch seinen Stellenwert hat. Sitzt die Schultasche gut, wenn das Kind sie aufsetzt? Der Ranzen sollte nicht über die Schultern hinwegragen, wobei die Trägerlänger optimalerweise einstellbar sind. Hängt die Schultasche zu weit unten, belastet sie den Bereich der Lendenwirbel. Dem Rücken schadet ein zu hohes Schulranzengewicht. Die Einhaltung ergonomischer Standards sollte durch das DIN-Zertifikat 58124 und ein TÜV-Siegel belegt sein.

Zur Sicherheit braucht der Ranzen eine gehörige Portion Leuchtkraft mittels Reflektoren. Auch in der dunklen Jahreszeit erzielt die Schultasche auf diese Weise eine Warnwirkung. Damit der Ranzen den Witterungen trotzt, ohne dass die Bücher nass werden, ist die Qualität des Obermaterials zu prüfen. Ein gut gemeinter Standardfehler vieler Eltern ist das klassische Name- und Adresskärtchen im durchsichtigen Außenfach. Hier ist Vorsicht geboten: Niemand sollte den Namen und die Adresse eines Schulkindes einfach vom Ranzen ablesen können!

Der Schultag

Die Schulzeit der Eltern ist in der Regel lange vorbei. Dementsprechend stellt sich ihnen die Frage: Was lernt man heutzutage eigentlich in der ersten Klasse? Nun, zunächst einmal die feste Tagesstruktur. Nach dem freibeweglichen Kindergarten müssen die Schulkinder sich im soziale Gefüge ihrer Klassen zurechtfinden, das Stillsitzen üben und dabei auch die Rolle des Lehrers erfassen. Unter dessen Anleitung geht es im ersten und im zweiten Schuljahr hauptsächlich um einige grundsätzliche Arbeits- und Lernweisen. Dazu gehört die Strukturierung des Arbeitsplatzes, das Packen des Schulranzens und die Führung verschiedener Hefte. Zuweilen fordern diese Dinge viel Geduld und eine gute Fähigkeit zum Dokumentenmanagement. Für den Umfang dieser Kenntnisse werden von dem Ministerien der einzelnen Bundesländer noch immer unterschiedliche Lehr- oder Rahmenpläne aufgestellt. Da diese recht variabel sind, dient vor allem der Lehrer als "Informant".

Hier wird deutlich, dass Lehrer heute nicht nur bei Problemen in der Schule aufgesucht werden. Elternsprechstunden sind nicht allein für so genannte Problemkinder da, sondern für alle Infos rund um den Schulalltag. Gute Kontakte zwischen Eltern und Klassenlehrern sind ein Muss.

Währenddessen bewältigen die Kinder Aufgaben des neuen Alltags. Ihr Schultag beginnt häufig mit einer kleinen Einstimmung. Sie singen zu Beginn der ersten Stunde ein Lied, man sitzt im "Morgenkreis", die Lehrkraft erzählt eine interessante Geschichte oder es wird ein Gespräch geführt. Das ist keineswegs Zeitverschwendung. Junge Schulkinder brauchen am Morgen diese "Einstimmung", um einen Übergang in den Schultag zu finden. Nebenbei vermitteln die morgendlichen Dialoge Grundregeln des Gesprächs.

Danach folgt der eigentliche Unterricht, der in den ersten Klassen noch wenige Stunden, aber viele Gesichter hat. Der Frontalunterricht, wie ihn die Eltern noch kannten verliert immer mehr an Popularität. Schüler lernen effektiver, wenn sie in kleinen Gruppen eigenständig ("Freiarbeit") an einem Thema arbeiten, als wenn die Lehrkraft alle Informationen einfach vorträgt. Der Lehrer geht nach Erklärung der Aufgabenstellung und Hinweisen in die Gruppen hinein. So bekommt die Lehrkraft automatisch einen besseren Überblick über die Kompetenzen der einzelnen Schüler. Mit Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, werden die Schüler individuell gefördert. Mit diesen Erkenntnissen bildet die Lehrkraft dafür auch Gruppen, in denen schwächere Schüler von anderen lernen können. Ergänzend zum Konzept der Freiarbeit, verfügen die Klassenräume über kleine Lese- und Spielecken mit Lern- oder Gesellschaftsspielen und Schulanfängerlektüre. Nach dem Stillsitzen gibt es schon für Erstklässler dann zum Ausgleich Sportunterricht und Bewegungsspiele. Der Schultag endet, ähnlich wie zu Beginn, mit einem Lied oder einem weiteren kurzen Gespräch. Mit dieser Zäsur rundet sich die Tagesstruktur in der Grundschule ab.

Entspannung und Gesundheit

Kinder sollten selbst entscheiden, wann die Hausaufgaben gemacht werden. Sie sollten nur nicht zu spät oder zu kurz kommen. Überforderungen in Gestalt von elternauferlegten Aktivitäten im Anschluss wären fatal. Schon oder gerade Schulkinder profitieren vom freien Nachmittag, an dem ganz den eigenen Vorlieben (des Kindes!) nachgegangen werden kann. Ob Malen oder Fußball spielen; mit festen Terminen sollten sich die Eltern im ersten Schuljahr zurückhalten. Das Erlernen eines Instruments, Kurse oder Besuche bei Freunden sind für die Nachmittage des ersten Schuljahrs etwas zurückzustellen. Mehr als ein festes Hobby sollte noch nicht veranschlagt werden. Schnell setzen die festen Aktivitäten unter Druck, so dass bei den Hausaufgaben die Konzentration fehlt oder die Kinder nicht mehr in der Lage sind abzuschalten. Gegen diesen Burn-Out-Effekt, wie man ihn heute leider häufiger bei Erwachsenen antrifft, sind auch Kinder nicht immun. Die richtige Freizeitbeschäftigung besteht allerdings auch nicht darin, übermäßig Fernseher, PC oder stylische Handys zu benutzen. Bewegung an der frischen Luft oder selbstständiges Spielen im Kinderzimmer sind ein geeigneter Tagesausklang.

Von der Bewegung an der frischen Luft gelangen Eltern zu Fragen der Gesundheit und damit auch zur Ernährung. Ohne ein ausgewogenes, kräftigendes Frühstück leidet die Konzentrationsfähigkeit. Zum "Proviant" für den Schultag zählen Brot und Obst bzw. Frischkost. Süßigkeiten und "schwerere Kost" sorgen für einen baldigen Leistungsabfall. Nicht zu vergessen ist das Trinken, ohne welches Gehirn und Körper nicht ausdauernd funktionieren können. Ideal wäre eine Flasche Wasser oder mit Wasser verdünnter Saft. Je weniger Zucker, desto besser. Und auch Zuhause sollte schon eine Erfrischung dieser Art bereitstehen, wenn das Schulkind heimkommt.

Zuhause lernen: Motivation und Hausaufgaben

Alle Schulen geben Hausaufgaben auf und das aus gutem Grund. Sie dienen der Überprüfung, ob das Kind das Lernziel des Tages erreicht hat. Zuhause können die Kinder das neue Wissen in einem ruhigen, anderen Lernumfeld selbstständig ausprobieren. Damit wächst das Verantwortungsgefühl für die eigenen Aufgaben und auch das Bewusstsein für die Fehler, die korrigiert werden müssen. Eltern, die ihren Kindern die Hausaufgaben fehlerfrei vorschreiben oder die ganze Zeit als Beobachter daneben sitzen schaden ihrem Kind. Zunächst genügt eine "kleine Einführung" zu den ersten Hausaufgaben. Wie an anderer Stelle erwähnt suchen sich die Grundschüler selbst ihre Hausaufgabenzeit aus. Die Zeit, die sie im ersten Schuljahr benötigen beläuft sich auf etwa 45 Minuten (mit kurzen Pausen dazwischen). Wenn das Kind fertig ist, sind die Eltern dran, mit den Kindern über diese zu sprechen und sie zu lesen. Hierher gehören dann auch Lob und Mitgefühl. Im Gespräch lassen die Kinder ihren Schultag noch einmal Revue passieren. So können sie unbelastet zur Ruhe kommen, um am nächsten Tag wieder fit zu sein.

Wenn die Eltern zu dieser Tageszeit noch berufstätig sind, gestaltet sich das Ganze schwieriger. Auf keinen Fall sollte das Kind dann allein als Schlüsselkind zuhause sitzen. Eltern nutzen am besten jede Chance, sich über Schülerhort, Mittags- und Hausaufgabenbetreuung zu informieren.

Zu Beginn der Schulzeit legen Kinder eine ganz eigene Motivation zum Lernen an den Tag, die ihnen meist einen guten Start ermöglicht. Trotzdem hat wohl jedes Kind während seiner Schulzeit auch einmal Schwierigkeiten mit dem Stoff. Die Ansprüche sind hoch, die Veränderungen im Leben des Schulkindes enorm. Lernprobleme sind darum nicht durch fehlende Intelligenz zu erklären. Kinder haben manchmal einfach noch nicht ihren optimalen Tagesrhythmus gefunden. Wenn die Aufgaben als zu schwierig empfunden werden, hilft ein lösungsorientiertes Gespräch mit anderen Eltern und dem Lehrer. Auch lustige Lernspiele gestalten den Wissenszuwachs interessanter.

Auf den Schulanfang 2013/14 gut vorbereitet sein

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